17.12.12

Amerika-Haus

C/O Galerie zieht um - Mitte war mal, ab in den Westen

Die beliebte Galerie C/O Berlin zieht ins Amerika-Haus nach Charlottenburg. Damit entsteht rund um den Zoo ein neues Zentrum für Fotografie.

Foto: dpa

Neuer Standort Die Fotogalerie C/O Berlin will nächsten September ins denkmalgeschützte Amerika-Haus einziehen
Neuer Standort Die Fotogalerie C/O Berlin will nächsten September ins denkmalgeschützte Amerika-Haus einziehen

Man sieht es ihnen an. Das sind keine Steine mehr, sondern ganze "Steinbrüche", die dem Team von C/O vom Herzen gefallen sind. Staatssekretär André Schmitz bringt es auf den Punkt: "Es war wirklich fünf vor zwölf". Doch nun heißt es für alle: Ende gut, alles gut. Die Fotogalerie C/O Berlin hat endlich ein festes Domizil, mit Mietvertrag für 16 Jahre – im denkmalgeschützten Amerika-Haus direkt am Bahnhof Zoo.

Das darf man durchaus als kulturpolitisches Signal werten. Der Umzug aus dem Postfuhramt in Mitte bedeutet eine Aufwertung des alten Berliner Westens. Nicht nur das denkmalgeschützte Amerika-Haus, 1957 als Kultur- und Begegnungsstätte 1957 gegründet, ist damit für die Zukunft gerettet.

Sondern insgesamt bekommt das heruntergekommene Areal um den Zoo flotten kulturellen Schwung mit einem neuen Zentrum für Fotografie, das Museum für Fotografie und die dort beheimatete Helmut Newton Stiftung liegen nur einige Meter in Fußnähe entfernt. Um die Ecke, in der Kantstraße befindet sich zudem die Fotogalerie Camera Work. "Wir sind ständig im Gespräch. Das wird jede Menge Synergieeffekte geben", sagt Matthias Harder, Kurator der Newton Stiftung.

"Wir sind zwar ein Kind von Mitte", so erklärt es Stephan Erfurt, Chef von C/O, "aber irgendwann wird man auch erwachsen!" Klar, die hippe, junge Laufkundschaft aus Mitte werde zwar fehlen, dafür aber könne man sicher ein anderes Publikum gewinnen, wie beispielsweise die Gäste des Waldorf Astoria, so hofft er. Und Fotointeressierte kämen ohnehin, egal in welchen Kiez, Hauptsache die Anbindung stimmt. Und die ist am Zoo bekanntlich bestens.

Offenes Haus für junges Publikum

Und: C/O bleibt nicht alleine im Amerika-Haus, das wird es sich teilen mit der Landeszentrale für politische Bildung, die dort Mitte 2014 im hinteren Komplex einziehen soll. Berlin-spezifische Themen, Geschichte wie Gegenwart, die Auseinandersetzung beispielsweise mit rechtsextremen Gedankengut, für all diese Debatten soll das Haus künftig ein Forum bieten. Zielgruppe ist vor allem ein jüngeres, auch studentisches Publikum.

"Konzeptionell", so findet Bildungssenatorin Sandra Scheeres, "passt das sehr gut zusammen." Ein Haus zu öffnen, es für ein junges Publikum attraktiv zu machen, kann jedenfalls nicht verkehrt sein. Schließlich muss man im Ausstellungsbetrieb immer auch an die Besucher von morgen denken.

Doch jetzt zu den Fakten: Der Mietvertrag fürs Amerika-Haus ist bereits in trockenen Tüchern, der Einzug auf den 1. September 2013 datiert. Ursprünglich wollte der Liegenschaftsfonds die Immobilie meistbietend verkaufen, vor zwei Jahren wurde sie dann aus der Vermarktung heraus genommen.

Offenbar hat der Bezirk erkannt, dass das zweigeschossige Haus als Ikone, die über die Stadt hinaus bekannt ist, als kulturelle "Perle" (Scheeres) mit Strahlkraft gut zu nutzen ist. Am Eingang liegt ein Glanzbroschüre aus, "Kunst Kultur Ku'damm", heißt sie. Man merkt, der Bezirk freut sich über den prominenten Zuwachs aus Mitte. Erfurt erzählt, dass er bereits nach "sechs Minuten" eine Antwortmail vom Bezirksbürgermeister erhalten hat.

In Mitte machte er da andere Erfahrungen. Dort legten ihm die Zuständigen nur Steine in den Weg. Am Schluss war er vermint. Eigentlich wollte C/O in die Atelierhäuser in den Monbijoupark ziehen.

Über die genauen Details des neuen Vertrages ist nichts zu erfahren, "vertrauliche Informationen" heißt es knapp auf beiden Seiten. Mit dem Untergeschoss, dem ersten Stock und dem Keller stehen C/O rund 2000 Quadratmeter zur Verfügung, damit ähnliche Größenverhältnisse wie im Postfuhramt, obgleich das Amerika-Haus im aktuellen Zustand viel kleiner wirkt.

Jetzt muss dort erst einmal ordentlich saniert werden, die Immobilie an der Hardenbergstraße ist über die Jahre und im Laufe der temporären Vermietungen heruntergekommen. Der Eingang muss neu gestaltet werden, Fußboden und Decken sind keinem mehr zuzumuten, die gesamte Haustechnik wie Licht, Heizung und Lüftung muss neu ausgerichtet werden. Offenbar soll vieles rückgebaut werden, was heute mit schrecklichen Holzeinbauten verschandelt ist.

Ein Jammer, wenn man den alten Kinosaal sieht. Andererseits bleiben da jede Menge Visionen. Die C/O-Macher kennen sich schließlich aus mit maroden Gebäuden. Einen nicht unwesentlichen Anteil am Erfolg des Fotohauses macht die charmante Bespielung der verwitterten Hallen und Kabinette des Postfuhramtes aus.

Zum Ende des Jahres hat C/O die Räumung vom Biotronik, neuer Eigentümer des Postfuhramtes, erhalten. Dagegen klagt man nun, in der Hoffnung drei Monate länger bleiben zu können. Selbst der Regierende Bürgermeister schaltete sich da ein, keine Reaktion vom Biotronic-Chef. "Was passiert, wissen wir nicht", sagt Erfurt.

Die nächste Ausstellung ist trotzdem für den 19. Januar angekündigt. Eine Herzenswunsch formuliert Erfurt dann noch. René Burri, dem alten Fotofreund und ehemaligen Magnum-Präsident, möchte er zum 80. Geburtstag am 9. April eine Ausstellung mit dessen Berlin-Bildern widmen. Mit Burri begann C/O, das wäre also eine schöne Hommage, zumal Burri schwer krebskrank ist.

Wer die muntere C/O-Truppe kennt, weiß, sie werden es schaffen, egal an welchem Ort. Und wenn es eine Pop-up-Ausstellung wird. Oder vielleicht können auch die Kollegen vom Fotomuseum nebenan temporären Unterschlupf gewähren. Das wäre ein guter Anfang.

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