01.12.12

Kino Beim Europäischen Filmpreis ist "Amour" der große Favorit

Foto: Cannes Film Festival / dpa

Von Peter Zander

Die Auszeichnung wird zum 25. Mal verliehen, erstmals auf Malta. Auch der deutsche Film kann sich Hoffnungen machen.

Wenn jemand Malta sagt, kann man verlässlich davon ausgehen, dass ein anderer mit "dix points" antwortet. Bei dem kleinen Inselstaat im Mittelmeer denken alle automatisch an den Eurovision Song Contest. Ob der Zwergstaat uns jemals zehn Punkte gegeben hat, sei mal dahingestellt. Dass am heutigen Sonnabend der Europäische Filmpreis erstmals in der dortigen Hauptstadt Valetta verliehen wird, hat dennoch etwas Ironisches: zeichnet sich Malta doch nicht unbedingt als großes Filmland aus.

Immerhin: Hier wurden schon internationale Epen wie "Gladiator", "Monte Christo" oder Spielbergs "Munich" gedreht. Das kleine Land dient wahlweise als Kulisse für das antike Rom, das napoleonische Frankreich oder das Beirut der 60er-Jahre.

Möglicherweise ein Seniorenrennen

Vor zwei Jahren war bereits Estland der Ausrichter des Filmpreises, der alle zwei Jahre in Berlin verliehen wird (wo die Europäische Filmakademie ihren Sitz hat) und in den Jahren dazwischen in einem anderen Land. Und: Während die großen Länder etwas veranstaltermüde sind – übrigens genau wie beim Eurovision Song Contest –, sind die kleinen stolz darauf, dass sie das auch einmal organisieren dürfen. Etwas Besseres kann sich Europas Antwort auf den Oscar nicht wünschen: feiert er doch, nach zähen Startschwierigkeiten, heute seinen 25. Geburtstag.

Die Jubiläumsausgabe könnte aber zu einem echten Seniorenrennen geraten: Als großer Favorit geht der Cannes-Sieger "Liebe" von Michael Haneke (70) an den Start: mit gleich sechs Nominierungen. Das Liebes-Sterbedrama zweier alter Menschen ist vor allem ein großer Triumph für die Schauspieler Emmanuelle Riva (85) und Jean-Louis Trintingnant (80), der seit einem Jahrzehnt in keinem Film mehr mitgewirkt hat.

Nicht wenige rechnen damit, dass beide den Darstellerpreis gewinnen werden. Und dann sind da auch noch die Taviani-Brüder Paolo (81) und Vittorio (83) mit ihrem Berlinale-Gewinner "Cäsar muss sterben" vertreten.

Auch Nina Hoss ist nominiert

Zu den jüngeren Kandidaten zählen "Jagten" von dem Dänen Thomas Vinterberg, "Shame" von dem Briten Steve McQueen und der französische Überraschungserfolg "Ziemlich beste Freunde" von Olivier Nakache und Eric Toledane. Auch deutsche Filmschaffende können sich Hoffnungen auf eine Auszeichnung machen: Christian Petzolds Drama "Barbara" über eine Ärztin, die aus der DDR fliehen will (und von deutscher Seite auch ins Oscar-Rennen geschickt wurde) ist als Bester Film nominiert, Petzolds Dauermuse Nina Hoss als Hauptdarstellerin. Sollten aber doch alle Preise an "Amour" wandern, kann sich zumindest die Berliner Produktionsfirma X Filme freuen, die das Oeuvre koproduziert hat.

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