30.11.12

Standortsuche

Für die Galerie C/O Berlin im Monbijoupark kommt das Aus

Das Ausstellungshaus für Fotografie steht wieder vor einer ungewissen Zukunft. Der Umzug in den Monbijoupark ist gescheitert.

Von Gabriela Walde
Foto: picture-alliance/ ZB

Bis Ende Dezember 2012 läuft der Mietvertrag: Noch hat C/O im denkmalgeschützten Postfuhramt an der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte sein Domizil
Bis Ende Dezember 2012 läuft der Mietvertrag: Noch hat C/O im denkmalgeschützten Postfuhramt an der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte sein Domizil

Erstmals nach allen den Jahren erlebt man das Team von C/O ziemlich ratlos. Der geplante Umzug des beliebten Fotohauses an der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte in den benachbarten Monbijoupark ist geplatzt.

"Die Atelierhäuser sind nicht mehr unsere Baustelle. Jetzt geht es um schnelle Existenzsicherung", so Marco Nowak, Sprecher der Institution. Auf der Ausschusssitzung für Stadtentwicklung wurde Mitte dieser Woche der endgültige Abriss der Atelierhäuser beschlossen, der Park in Mitte wird nun erweitert und begrünt.

Dabei sah das vor einem Jahr noch ganz anders aus, es gab einen einstimmigen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung, dass C/O im Areal mit den Atelierhäusern dauerhaft ein Domizil finden könnte.

Galerie ist ein Aushängeschild für den Bezirk Mitte

Doch dann stellte sich heraus – ein Bebauungsplan fehlt für die Umrüstung im Park, und ohne diesen gibt es bekanntlich auch keine Baugenehmigung. Juristisch einwandfrei, verwaltungstechnisch korrekt, doch kaum verständlich. Und die BVV war sich die letzten Monate offenbar nicht einmal mehr grün über die Auslegung des Beschlusses von letztem September. Politische Unkenntnis oder Ignoranz? Bei C/O weiß das mittlerweile keiner mehr so genau. "Rational schwer nachvollziehbar", sagt ein politischer Beobachter. Man muss nun kein Kunstfreund sein, um zu erkennen, dass eine Institution wie C/O ein Aushängeschild ist für den Bezirk.

Für den Kultursenat ist die Verantwortung eindeutig. "Die Senatsverwaltung hat großes Interesse an einer zügigen Lösung der Standortfrage. Hier steht in erster Linie der Bezirk in der Pflicht, aber wir tun natürlich alles, was uns möglich ist, um die Suche zu unterstützen", heißt es dort. Wie man hört, laufen einige Gespräche. Zumindest hatte sich Kulturstaatssekretär André Schmitz in diesem "Fall" die letzen Jahre stark engagiert.

Nun geht es erst einmal um eine ganz schnelle Lösung, Ende des Jahres läuft der Mietvertrag im Postfuhramt aus. Auch wenn man auf eine Verlängerung bis März hofft. Juristisch sei das zumindest denkbar. Doch mit dem neuen Investor, Biotronik, Hersteller für Medizintechnik, gibt es keinen Dialog. Über die Gründe dafür kann man nur spekulieren. C/O, das jetzt in eine Stiftung umgewandelt wird, hat sich offenbar um Kontakte bemüht.

Klar ist, die Zeit läuft ab. "Jetzt suchen wir eine temporäre Arche Noah", sagt Marc Naroska, einer der drei Gründer und Partner von C/O. Damit man weiterarbeiten kann wie geplant. Insgesamt 70 Orte und Gebäude hat sich das Team im Laufe der Zeit angeschaut. Vieles sah gut aus, anderes weniger. Die Suche ist nicht leicht, denn das künftige C/O muss zentral liegen, eine gute Besucheranbindung bieten, bezahlbar sein – und über mindestens 2000 bis 2500 Quadratmeter Fläche verfügen, Verwaltung, Lager, Shop und Bildungsprogramm und Depot gehören schließlich auch zum Betrieb.

Die Gerüchteküche um mögliche Standorte brodelt, "alte Bekannte" sind dabei, Tacheles, Amerikahaus, Bötzowbrauerei, auch das Bikinihaus am Zoo wurde genannt. Freilich will man bei C/O nichts zum Thema sagen, bis nicht alles in trockenen Tüchern ist. Zweimal schon wurde der Umzug öffentlich angezeigt, Wunschdomizil war einst die Jüdische Mädchenschule in der Auguststraße, nun das harsche Aus für den Monbijoupark. Klar, da möchte man nicht zum dritten Mal dumm da stehen in der Öffentlichkeit, so etwas kann ja das Image schädigen. Nur so viel: Ein Ort stände in näherer Auswahl. Ende des Monats will man klare Auskunft über die eigene Zukunft geben.

Da überrascht es, wie optimistisch die Ausstellungsmacher die nächste Schau planen: die erste Retrospektive von Christer Strömholm in Deutschland überhaupt, ein herausragender Porträtist, 150 Arbeiten sollen ab 19. Januar zu sehen sein. Im Postfuhramt, so jedenfalls steht es im Programm. Eine Chance, die nächsten Monate doch noch bleiben zu können, rechnet man sich im Postfuhramt offenbar noch aus. Weil der neue Investor, Biotronik, bislang noch keine konkreten Pläne für den Umbau vorgelegt hat. Und die Mühlen des Bezirks Mitte malen ja bekanntlich langsam. Durchgesickert ist nur, dass das Unternehmen im Untergeschoss wohl die eigene Firmengeschichte großzügig präsentieren möchte. Eignen wurden sich die Räumlichkeiten ja.

C/O zahlte Planungsphase für den Monbijoupark noch drauf

Für den Monbijoupark hatte C/O zwei alternative Pläne zur Nutzung des Atelierhauses vorgelegt. Zur Auswahl stand die sogenannte Campuslösung mit kleinen Gebäuden, samt Nutzung des ausbaufähigen Bunkers, der sich gut für Videoausstellungen eignet. Ein anderer Entwurf sah einen Solitärbau, einen Neubau auf dem Areal des Bunkers, vor. Die C/O-Macher träumten bereits von einer "Serpentine Gallery" an der Spree. Dieses Ausstellungshaus gehört zu den populärsten Großbritanniens und liegt inmitten Kensington Gardens im Herzen der britischen Metropole.

Ärgerlich bleibt, dass C/O in seiner Planungsphase für den Monbijoupark auch noch draufgezahlt hat. Heizung und Strom wurden beglichen sowie Vandalismusschäden beseitigt – für ein nicht genutztes Gebäude. Eine Summe von rund 50.000 Euro ist im Gespräch. Dem Chef von C/O, Stefan Erfurt, wurde vor knapp einem Jahr auch der Hausschlüssel fürs das Atelierhaus übergeben. "Das Geld ist in den Sand gesetzt", sagt Marc Naroska, einer der drei Gründer und Partner von C/O. Der einst begehrte Schlüssel wurde längst zurückgegeben.

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