29.11.12

Festival

Die Französische Filmwoche zeigt die ziemlich besten Filme

Eine Woche lang kann man in Berlin die größten Kinohighlights aus dem Nachbarland sehen. Und die Stars aus Frankreich kommen auch.

Von Thomas Abeltshauser
Foto: Französische Filmwoche

Wird die Filmwoche eröffnen: Régis Roinsards Fünfziger-Jahre-Tippsen-Fantasie „Populaire“
Wird die Filmwoche eröffnen: Régis Roinsards Fünfziger-Jahre-Tippsen-Fantasie "Populaire"

Auf diese Gästeschar könnte so manches andere Festival schon neidisch werden. Bei der am heutigen Donnerstag eröffnenden Französischen Filmwoche werden in Berlin Mitwirkende der gezeigten Werke gleich im Dutzend erwartet. Beim heutigen Eröffnungsfilm "Populaire" laufen die Schauspielerinnen Déborah François und Mélanie Bernier über den Roten Teppich, in den Tagen danach dann Catherine Frot, Sergi Lopez, Melville Poupaud und Jacques Audiard. In ihrer Heimat sind sie allesamt Stars, hierzulande kennen sie meist nur frankophone Filmfans.

Das zu ändern hat sich die Filmwoche vorgenommen, eine Schau dessen, was uns in den nächsten Monaten im Kino erwartet. Denn fast alle der gezeigten Filme haben bereits einen deutschen Verleih und werden später auch regulär zu sehen sein, wenn auch bisweilen erst im Frühjahr, wie der Eröffnungsfilm "Populaire". Er steht stellvertretend für den Anspruch der vom Institut Français mitveranstalteten Reihe, den Berlinern unterhaltsames Arthousekino mit dem gewissen französischen Etwas zu zeigen.

Film erzählt von Mitterands Leib- und Magenköchin

In der fluffig-charmanten Komödie im Stil und Geist der 50er Jahre träumt eine junge Dorffräulein von einer Karriere als Sekretärin und avanciert schließlich, angetrieben durch den Ehrgeiz ihres Chefs, zur schnellsten Tippse der Welt. Andere Filme erzählen mit einem Augenzwinkern von François Mitterands Leibköchin ("Die Köchin und der Präsident") oder einer Clique von Kegelfreundinnen ("Bowling"). Blockbuster und das Mainstream- und Genrekino, Fantasy- und Horrorfilme etwa , die in Frankreich immer wieder sehr erfolgreich sind, werden dagegen weitgehend ausgeblendet.

Die Latte hängt indes ziemlich hoch bei der nunmehr 12. Ausgabe des Festivals. Im letzten Jahr wurde es mit "Ziemlich beste Freunde" eröffnet, der danach sensationelle acht Millionen Besucher in die deutschen Kinos lockte. Die Berliner haben ihn damals noch vor allen anderen gesehen. Und auch "The Artist", die Hommage an das Stummfilmkino, die danach bei den Oscars abräumte, hatte hier 2011 Deutschlandpremiere. Von diesem Kaliber scheint diesmal nichts dabei, aber das waren auch Ausnahmeerscheinungen der Filmbranche in Frankreich.

"Der Geschmack von Rost und Knochen"

Sehr sehenswert sind aber durchaus einige Filme. Der Abschlussfilm etwa, "Der Geschmack von Rost und Knochen" von Jacques Audiard ("Ein Prophet") mit Marion Cotillard als Trainerin von Killerwalen, die während einer Vorstellung bei einem Unfall beide Beine verliert und in den Armen eines Kampfboxers zurück ins Leben findet. Um einen Neustart geht es auch in Noémie Lvovskys "Camille redouble" über eine liebenswert-neurotische Vierzigjährige, die an Silvester plötzlich wieder 16 ist und die Chance hat, nochmal alles ganz anders zu machen.

Wenn man penibel wäre, müsste sie eigentlich richtig Frankophone Filmwoche heißen, ausschlaggebend ist die Sprache, nicht das Produktionsland. Und so ist etwa die belgische Tragikomödie "Tango Libre" zu sehen, eine skurrile Vierecksgeschichte zwischen einem Gefängniswärter, einer attraktiven Besucherin und zwei Insassen, ihrem Ehemann und ihrem Liebhaber.

Der exzentrischste Beitrag kommt aus Kanada

Der exzentrischste Beitrag kommt dagegen dieses Jahr aus Übersee. Das kanadische Wunderkind Xavier Dolan präsentiert mit gerade einmal X Jahren bereits seinen dritten Kinofilm. "Laurence Anyways" ist die Geschichte eines Paares, das über ein Jahrzehnt versucht zusammenzubleiben, obwohl sich Laurence entschließt, lieber als Frau leben zu wollen und beginnt, seinen Körper anzupassen.

Die Filmwoche kommt in diesem Jahr nicht alleine. Parallel läuft vom 1.-5. Dezember im Arsenal eine Reihe mit Paris-Filmen, darunter auch Klassiker von Jean-Luc Godard und Louise Malle, sowie das Kinder- und Jugendprogramm Cinéfête, das sich mit pädagogisch wertvollen Spielfilmen vor allem an Schulklassen wendet. Wie auch alle Beiträge der Filmwoche werden sie in der französischen Originalversion mit deutschen Untertiteln gezeigt.

www.französische-filmwoche.de, 29.11.-5.12. 2012, diverse Kinos in Berlin

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