18.11.12

Fernsehen

Am Ende des "Tatorts" fährt der Mörder in den Urlaub

Als im Drogenmilieu ein Mord geschieht, bekommen es die Berliner Kommissare Ritter und Stark mit Selbstjustiz zu tun.

Von Peter Zander
Foto: rbb/Volker Roloff

Sie hat nicht mehr lange zu leben: Melissa Mainhard (Ina Weisse), eine Kollegin von Ritter (Dominic Raacke) und Stark (Boris Aljinovic), bricht bei der Arbeit zusammen
Sie hat nicht mehr lange zu leben: Melissa Mainhard (Ina Weisse), eine Kollegin von Ritter (Dominic Raacke) und Stark (Boris Aljinovic), bricht bei der Arbeit zusammen

Am Ende, so viel sei hier schon über den aktuellen RBB-Tatort "Dinge, die noch zu tun sind" (ARD, 20.15 Uhr) verraten, wird der Mörder nicht verhaftet. Er wird laufen gelassen. Man erfährt sogar in der letzten Szene, dass es noch einen weiteren Mord gegeben hat. Dass eine Person getötet wurde, die reichlich Dreck am Stecken hat, aber rein rechtlich nicht belangt werden könnte.

Das ist nun nicht der erste "Tatort", der Grauzonen auslotet. Auch Provokation gehörte von jeher zu der ARD-Erfolgsserie hinzu. Und doch muss man sich fragen: Dürfen die das? Wenn ein privater Sender einen solchen Plot erfinden würde, wäre das noch etwas anderes. Aber wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender, der von den Rundfunkgebühren der Bürger genährt wird, der Fernsehnation zu verstehen gibt, dass man das gutheißen kann, ist der Aufreger programmiert.

"Tatort" als Beitrag zur Themenwoche

Provozieren wollte die ARD ja auch wirklich. Nur in andere Richtung. Der RBB-Tatort "Dinge, die noch zu tun sind" läuft nämlich in einer ARD-Themenwoche, die ein Tabu aufgreift: Bis 23. November 2012 gibt es zahlreiche Sendungen zum Thema "Leben mit dem Tod".

Und der "Tatort" war von Anfang an in der Langplanung dabei, als Höhepunkt dieser Woche. Nun geht es, mögen Sie denken, beim "Tatort" ja immer um den Tod, wird doch meist in den ersten fünf Minuten ein Mensch ermordet. Hier wird das Thema aber von anderer Seite angegangen.

Drehbuchautor Jörg Tensing stellt nämlich dem kauzigen Berliner Kommissaren-Duo Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) eine Kollegin vom Drogendezernat zur Seite. Ermordet wurde nämlich ein Hersteller einer neuen Designerdroge, und die Spur führt genau in dieses Milieu. Wie so oft, greift der "Tatort" damit ein brisantes Thema auf: Kaum wird eine neue synthetische Droge verboten, wird sie, mit kleinen Veränderungen in der Rezeptur, wieder legal auf den Markt gebracht.

Doch nicht dieser Handlungsstrang verweist auf die Themenwoche: Melissa Mainhard (Ina Weisse), die Ermittlerin vom Drogendezernat, verhält sich merkwürdig. Sie klebt sich heimlich Pflaster, sie verstaut Geschenke für ihre beiden Töchter im Schrank und einmal kippt sie mitten vor den Kollegen um. Melissa Mainhard ist schwerkrank. Todkrank. Die Pflaster sind Morphinpflaster, die Krebskranken im Endstadium verabreicht werden. Wenn schon nichts mehr hilft.

Spannend und beklemmend inszeniert

"Sie werden sterben. Lassen Sie uns darüber reden": So heißt der Werbeslogan zur ARD-Themenwoche, der auch bei der "Tatort"-Premiere vor dem Film projiziert wird. Er provoziert ein verstörtes Lachen. Aber genau das wird im Laufe des "Tatorts" übernommen. "Warum bleiben Sie nicht einfach zuhause", fragt Aljinovics Stark an einer Stelle die Kollegin. Sie kontert mit der Gegenfrage: Würde er das an ihrer Stelle tun, einfach zu Hause sitzen und zu warten, bis es vorbei ist? Genau darum soll es in dem Film von Claudia Garde gehen.

Die "Tatort"-Folge ist spannend und beklemmend inszeniert. Und hervorragend gespielt, gerade auch von der Gastschauspielerin Ina Weisse. Die Kommissare können sich dabei auch auf das gesunde Rechtsempfinden von Otto Normalverbraucher berufen, sprechen womöglich auch manch realen Ermittlern, denen rein rechtlich die Hände gebunden sind, aus dem Herzen.

Tatort "Dinge, die noch zu tun sind", ARD, heute Abend (18. November 2012), 20.15 Uhr sowie auf Einfestival 21.45 Uhr und 23.45 Uhr

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