14.11.12

Ausstellung

Guggenheim verabschiedet sich mit großer Schau von Berlin

Nach 15 Jahren geht die Zusammenarbeit von Deutscher Bank und Guggenheim Stiftung in Berlin zu Ende. Ein Abschied zum Angucken.

Foto: Solomon R. Guggenheim Museum

Damals provokant Amedeo Modiglianis Akt (1917) aus der Sammlung des Guggenheim
Damals provokant Amedeo Modiglianis Akt (1917) aus der Sammlung des Guggenheim

Das Guggenheim kommt noch einmal groß raus in Berlin mit seiner Abschiedsausstellung, den "Visions of Modernity". Nach 15-jähriger Kooperation ist jetzt Schluss mit der Zusammenarbeit der Deutschen Bank und dem New Yorker Kunsthaus, weltweit als Marke bekannt. In der Ausstellungshalle Unter den Linden breitet es noch einmal eine kleine Auswahl seiner Kunstschätze aus, ein wundervoller Auftritt der Klassischen Moderne. Chagalls rotflammende "Fliegende Kutsche", Monets flirrender "Dogenpalast", Modiglianis gewaltiger Frauenakt und Delaunays atemberaubende Kathedrale. Anhand der Bilder und Skulpturen kann der Besucher gut die Sammlungsgeschichte der Guggenheim Fundation nachvollziehen, den Wandel jener Gründungskollektion Salom R. Guggenheims. Die Besucher jedenfalls werden zu Hunderten ins Haus strömen, um diese Highlights zu sehen. Nicht wenige werden sich dabei an die legendäre MoMA-Ausstellung erinnert fühlen.

Zwei Millionen Besucher

15 Jahre führten das New Yorker Museum und das Bankhaus eine künstlerisch-kreative Ehe, insgesamt 61 Ausstellungen wurden präsentiert, rund zwei Millionen Zuschauer registriert. 18 Auftragsarbeiten entstanden, eines der aufwendigsten Werke war wohl "Memory", ein 24 Tonnen schweres rostfarbenes Stahlmonster des Turnerpreisträgers Anish Kapoor, das den Ausstellungsraum regelrecht aus den Angeln hob. Wie man diesen gemeinsamen Zugewinn aufteilt, das soll im Februar in New York verhandelt werden. Wenn nun das Splitting angesagt ist, dann haben beide Institutionen durch diese Kooperation profitiert.

Die New Yorker lieben Berlin

Das Guggenheim hat mehr als eine Duftmarke gesetzt in der Hauptstadt, das Guggenheim LAB im Sommer war ein weiteres Indiz dafür, dass die New Yorker hier präsent bleiben wollen, zumal locker von einer weiteren Zusammenarbeit gesprochen wird. Wie die allerdings aussehen soll, ist ungewiss. Die Deutsche Bank hingegen hat sich mit dem Ausstellungsort in Berlin etabliert und braucht den Prestige-Namen nicht mehr. Als im Februar sehr überraschend das Aus der Liaison verkündet wurde, mit dem Hinweis, an der Stelle ein offenes Forum für Wirtschaft und Kommunikation zu etablieren, war die Szene schockiert.

Künstler aus Asien und Afrika

Erst vor wenigen Tagen überraschte das Bankhaus mit der Nachricht, mit neuen Ideen auf eine "KunstHalle" zu setzen. Dem Berliner freilich klingelt es bei diesem Namen in den Ohren, verbindet sich das Projekt doch stark mit der von Klaus Wowereit favorisierten Kunsthalle, die erst alle forderten, die aber nie realisiert wurde. "Wir sind keine Berliner Kunsthalle", betont hingegen Friedhelm Hütte, Leiter der Kunstabteilung der Deutschen Bank. So recht mag man das nicht glauben, draußen vor der Haustür werkeln tausende von jungen Künstlern – und dieses Kapital will man nicht nutzen? Skepsis bleibt, zumal das Konzept noch etwas vage wirkt. Mit Berliner Institutionen wolle man enger zusammenarbeiten, wie vormals schon mit der Nationalgalerie. Die eigene Unternehmenssammlung möchte man natürlich zeigen und Künstler aus Asien, Afrika und Lateinamerika, dort sind neue Absatzmärkte.

Kooperation mit Berliner Museen

Startschuss für das neue Projekt ist für den kommenden April angesetzt – mit der ersten europäischen Einzelausstellung von Imran Qureshi – als "Künstler des Jahres" 2013. Auch wenn ihn hier kaum einer kennt, in seinem Heimatland Pakistan gilt er als einer der wichtigsten Gegenwartskünstler. Er belebt die jahrhundertealte Tradition der Miniaturmalerei, indem er sie radikal erneuert und mit aktuellen Themen unterfüttert. Ein Symposium mit dem Islamischen Museum ist geplant. Es soll um Kunst im Islam gehen. Klingt engagiert.

Deutsche Guggenheim, Unter den Linden 13-15. Tgl. 10-20 Uhr. Bis 17. Februar 2013. Führung: Tgl. 18 Uhr.

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