11.11.12

"Jolanthe"-Tour

Anna Netrebko sucht nach Wahrheit - und findet Liebe

Ihre neue Tour ist für Anna Netrebko auch eine Mission: Die Opernsängerin will ihre Fans mit "Tschaikowsky verführen".

Foto: Ruven Afanador

Glamourös: Die russische Soprandiva Anna Netrebko kommt in die Philharmonie
Glamourös: Die russische Soprandiva Anna Netrebko kommt in die Philharmonie

"Ich liebe diese Oper", so Anna Netrebko vor Beginn der "Jolanthe"-Tour, die sie am Mittwoch auch in die Berliner Philharmonie führt. Begonnen hat sie ihre Elf-Städte-Tour vor zwei Wochen in Ljubljana. Aber die selten aufgeführte Tschaikowsky-Oper ist für sie alles andere als neu. Es habe bereits "szenisch wunderbar in Baden-Baden funktioniert und konzertant in Salzburg", sagt die russische Sopranistin: "Und jetzt wollen sie alle wieder hören. Manche vielleicht auch wegen mir, aber wenn ich es schaffe, so vielen Leute dieses unbedingt hörenswerte Werk nahezubringen, dafür bin ich doch enorm dankbar. Eine "Traviata" oder "Bohème" kann man jederzeit auch ohne mich spielen, aber wenn ich die Leute zu diesem Tschaikowsky verführen kann, wow."

In der konzertanten Aufführung von Peter Tschaikowsky einaktiger, lyrischer Oper "Jolanthe" singt die Netrebko die Titelrolle. Die Oper handelt davon, Lüge durch Desillusionierung und Wissen zu ersetzen. Jolanthe, Tochter von König René, ist von Geburt an blind: sie darüber aufzuklären ist bei Todesstrafe ebenso verboten, wie für Fremde, den Garten zu betreten, in dem sie so scheinbar idyllisch mit ihren Gefährtinnen lebt. Aber Jolanthe sucht nach Wahrheit und findet eine neue Liebe. Unter Leitung von Emmanuel Villaume spielt das Orchester der Slowenischen Nationalphilharmonie und singt der Slowenische Kammerchor. Natürlich gibt es weitere Gesangssolisten, aber die meisten Besucher kommen wohl, um die große Anna Netrebko zu erleben.

Absage sorgte für Unmut

Zuletzt hat in Berlin eine ihrer Absagen für Missstimmung gesorgt. Aus persönlichen Gründen, wie es offiziell hieß, konnte sie an der Staatsoper im Schiller-Theater nicht in Claus Guths Inszenierung von Mozarts "Don Giovanni" im Juni und Juli teilnehmen. Wohingegen ihr Mann, der Bassbariton Erwin Schrott, mitsang. Anna Netrebko erklärte schließlich ihr Fernbleiben damit, dass sie sich "nach einem sehr arbeitsreichen Jahr ihrem Sohn Tiago widmen" wolle.

Am Opernhaus war man schon verschnupft, denn die höheren Kartenpreise war plötzlich nicht mehr gerechtfertigt. Es galt, die enttäuschten Fans zu beschwichtigen. Für Verwunderung sorgte schließlich auch die Tatsache, dass sie plötzlich anderswo zu hören war. Aber das ist Schnee von gestern. Netrebkos nächste große Opernproduktion am Schiller-Theater wird im November 2013 sein. Es ist eine Koproduktion mit den Wiener Festwochen: Anna Netrebko singt dann die Leonore in Verdis "Troubadour".

Die Netrebko in Berlin, das hat schon seine eigene Geschichte. Unvergessen bleiben ihre Auftritte in der Staatsoper Unter den Linden an der Seite des mexikanischen Startenors Rolando Villazon. Stardirigent Daniel Barenboim leitete 2007 Massenets "Manon". Die Waldbühne füllte sie im Jahr davor gemeinsam mit Placido Domingo und Rolando Villazon. Ein Gipfeltreffen.

Für die russische Musik hat die Diva sich auf fast riskante Weise eingesetzt: In der Philharmonie gab sie gemeinsam mit Daniel Barenboim einen Liederabend, der der russischen Liedkunst rund um Rimski-Korsakov gewidmet war. Wahrlich keine leichte Kost. Aber die Netrebko kann das.

Philharmonie "Jolanthe" am 14.11. um 20 Uhr Tel. 0800-6336620 Karten: 139 bis 209 Euro

Quelle: Volker Blech
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