Trickfilm
Love Parade in Afrika – "Madagascar 2"
Bereits der erste Teil lockte in Deutschland über sechs Millionen Menschen in die Kinos. Am Donnerstag startet "Madagascar 2". Diesmal verschlägt es Löwe Alex, Zebra Marty, Giraffe Melman und das liebestolle Nilpferd Gloria in die Savanne. Geht das gut? Oder stehlen ihnen die vier Pinguine wieder die Show?
Von Ronald Bluhm
Sie waren die heimlichen Stars des Films - die vier verbrecherischen Zoo-Pinguine, die mit überraschend kriminellem Geschick einen Tanker kaperten, um damit endlich, wenngleich vergeblich, zurück zum heiß ersehnten ewigen Eise des heimatlichen Südpols zu gelangen.
Im Prinzip hätte man diese turbulente Reise damals lieber verfolgt, als die der anderen vier Zoobewohner nach Madagascar. Und so war bereits vor Start des ersten tierischen Trickabenteuers nicht etwa von einer gewöhnlichen Fortsetzung, sondern von einem "Spin-Off", einem ausschließlich den Pinguinen vorbehaltenem Special die Rede.
Jedoch haben die DreamWorks-Studios vermutlich gut daran getan, diesen Plan, zumindest vorerst wieder einzufrieren. Denn inzwischen hat es mit "Die Reise der Pinguine", mit den steppenden Pinguinen in "Happy Feet" sowie mit den surfenden Pinguinen in "Könige der Wellen" nun genug gewatscheltes Wirken auf unseren Kinoleinwänden gegeben. Der Haken ist nur - wer waren denn noch gleich diese anderen vier munteren Zoo-Aussteiger, die nun erneut nicht ganz verdient in "Madagascar 2" im Mittelpunkt stehen?
Die DreamWorks-Studios produzieren zwei, an den Kinokassen zumeist recht erfolgreiche Filme pro Jahr. Aber mit Ausnahme von "Shrek" hat dennoch keiner ihrer Cartoon-Charaktere einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen: Nemo und Wall-E, Buzz Lightyear oder die Monster-AG stammen alle aus dem überlegenen Konkurrenzunternehmen Pixar.
Während die Hauptfiguren aus "Ab durch die Hecke", "Große Haie, kleine Fische" oder eben auch "Madagascar" bereits längst wieder verblasst zu sein scheinen. Die DreamWorks-Strategie, sich auf das Image und die Starpersönlichkeit des jeweiligen Synchronsprechers zu verlassen, hat eben so seine Tücken.
Denn ob Woody Allen als Ameise, Jack Black als Kung Fu Panda oder Will Smith als Fisch – stets bleiben die Figuren bloß gepixelte Versionen des realen Vorbildes. In "Madagascar" spricht Ben Stiller nun erneut den egozentrischen und eitlen, mit einer lächerlichen Nichtigkeit berühmt gewordenen Weichei-Star-Löwen – genau die Sorte Prominentenparodie also, die Stiller von "Zoolander" bis "Tropic Thunder" bereits ungezählte Male zum besten gegeben hat.
Und dass dieser Löwe, im Verbund mit dem Zebra, der Giraffe und der Nilpferddame jetzt ausgerechnet in Afrika, in einem als Hommage getarnten "König der Löwen"-Szenario landen musste, lässt sich auch nicht gerade als kreative Gipfelerstürmung beklatschen.
Noch immer in Madagascar festsitzend bauen die Tiere (dankenswerterweise mit Hilfe der Pinguine) ein Flugzeug. Und landen Bruch in einem Reservat ihres Heimat-Kontinents, wo dann zunächst so getan wird, als wolle man den Kontrast zwischen verwöhnten Großstadt-Zootieren und ihren ursprünglich gebliebenen Ur-Ahnen komödiantisch ausschlachten.
Doch schnell verkommt diese in Ansätzen tragfähige Idee zu einer weiteren episodenhaften Nummernrevue, mit all den obligatorischen Filmzitaten und Popsong-Montagen. Dem Titel des erneut verwendeten Hits "I like to moove it" streng folgend aber immerhin mit beachtlichem Tempo.
So lässt sich dem Film eine gewisse professionelle Kurzweiligkeit nicht absprechen. Womit DreamWorks-Chef Jeffrey Katzenberg aber vor allem den Aktionären seines längst an die Börse gegangenen Trickstudios eine vorweihnachtliche Freude gemacht haben dürfte. Denn an den Kinokassen könnte die Rechnung noch mal aufgehen. Es ist ja leider nicht immer so wichtig, ob man auch später noch über lachhafte Löwen, rabiate Renterinnen und wackelnde Nilpferdhintern sprechen wird.
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