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25.11.08

Gérard Mortier

Pariser Opern-Chef will nach Berlin

Gérard Mortier bringt sich als Berliner Opernchef ins Gespräch. Doch bisherige Verhandlungen mit dem Belgier verliefen nie glücklichEine Zusammenarbeit mit Daniel Barenboim an der Staatsoper hält er für ausgeschlossen. Insofern käme nur die Deutsche Oper in Frage.

Der Pariser Opern-Chef Gérard Mortier kann sich - nach seinem überraschenden Verzicht auf den Direktor-Posten bei der New York City Opera - Berlin als neue Wirkungsstätte vorstellen. "Berlin würde mich sehr interessieren, doch leider interessiert sich Berlin nicht für mich", sagt Mortier.

Tatsächlich ist das Verhältnis des Opernmanagers zu Berlin, vor allem aber das Verhältnis der Berliner Kulturpolitik zu Mortier sehr gespalten. Bisherige Verhandlungen mit dem Belgier verliefen nie glücklich. Der selbstbewusste Macher war bereits als Nachfolger von Götz Friedrich an der Deutschen Oper in Verhandlungen und auch als Chef der Festspiele. Eine Zusammenarbeit mit Daniel Barenboim an der Staatsoper hält er für ausgeschlossen. Insofern käme nur die Deutsche Oper in Frage, die von Kirsten Harms bis 2011 geleitet wird. Bei einer möglichen Amtsübernahme wäre Mortier aber bereits 68 Jahre alt.

Insider wissen, dass Mortier, der bis zum Sommer 2009 die Leitung der beiden Pariser Häuser Garnier und Paris innehat, sich eigentlich um die Direktion des Teatro Real in Madrid bemüht. Die beiden jetzigen Leiter, Antonio Moral und Jesús López Cobos, werden ihren 2010 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Zu seinem möglichen Wechsel nach Madrid will er nichts sagen. Er habe erst mal einen "Kater" und müsse das, was in New York passiert ist, zuerst verarbeiten, sagt Mortier. "Ich habe große Erfolge gehabt, aber auch Niederlagen gekannt. New York ist in meiner Karriere eine davon."

Vor zehn Tagen hatte Mortier bekannt gegeben, dass er aus budget-technischen Gründen nicht wie geplant im September 2009 die Spitze der New York City Opera übernehmen könne. Im Zuge der Finanzkrise fehlten dem Opernhaus Sponsorengelder. Statt der vereinbarten 60 Millionen Dollar für Mortiers erste Saison 2009/2010 standen nur noch 36 Millionen zur Verfügung. Nicht genug für sein anspruchsvolles Programm.

Was ihm an Europa gefalle, seien die öffentlichen Debatten, die Budgetkürzungen auslösten. So etwas gebe es in Amerika nicht, da die privaten Geldgeber mit ihrem Geld schließlich machen könnten, was sie wollen: "Das europäische System", so das Finanzkrisen-Opfer Mortier, "ist trotz seiner Fehler das Beste." Das würde er auch im Falle Berlins sagen, auch wenn die drei Opernhäuser derzeit große Schwierigkeiten haben.

Quelle: dpa/vbl
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