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12.11.08

Berliner Konzert

Deep Purple haushalten mit ihrer Kunst

Sie sind ein Denkmal, aber es ist ihnen egal: Deep Purple begehen ihren 40. Band-Geburtstag mit einer großen Tournee. In Max-Schmeling-Halle spielt die fraglos legendäre Band vor 6500 Fans gegen das Image der Altherrenmannschaft an. Mit Erfolg. Wenn Sänger Ian Gillan auch mit seiner anstrengenden Kunst zu haushalten weiß.

© DPA
Konzert Deep Purple
Band-Geburtstag in der Berliner in der Max-Schmeling-Halle: Deep-Purple-Frontmann Ian Gillan (r.) und Gitarrist Steve Morse

Sie tragen eine schwere Last auf ihren Schultern. Ja, sie müssten eigentlich langsam zusammenbrechen unter der Bürde, als die Schöpfer des Hardrock und des Klassik-Rock gleich mit zu gelten. Und als Band, mit deren Namen das wohl berühmteste Gitarrenriff aller Zeiten verbunden ist. Doch Deep Purple, deren unterschiedliche Bandbesetzungen seit dem Gründungsjahr 1968 von den Fans in den Kategorien Mark I bis Mark VIII verwaltet wird, scheren sich wenig darum, ein Denkmal im Ehrenhof der Rockgeschichte zu sein. Sie machen einfach weiter.

Und nun qualmt "Smoke On The Water", jenes von besagtem Riff veredelte Stück Hardrock, mächtig durch die Max-Schmeling-Halle. Deep Purple begehen ihren 40. Geburtstag mit einer großen Tournee, und rund 6500 Fans feiern ihre in Ehren ergrauten aber noch immer höchst Energie geladenen Idole so dankbar wie lautstark.

Sozusagen als Konzert verlängernde Maßnahme hat man die eidgenössischen Hardrocker Gotthard für das Vorprogramm gedungen. Mehr als eine Stunde spielen sie, das Warten wird lang. Doch es lohnt. "Pictures of Home" vom Album-Klassiker "Machine Head" von 1972 steht gleich am Anfang der Show, als die Deep-Purple-Musiker dann Schlag 21.30 Uhr die Bühne in Besitz nehmen. Sänger Ian Gillan, seit immerhin 39 Jahren dabei, hat die Band mit seiner scharfen, schneidenden, hochfliegenden Stimme geprägt.

Der 63-Jährige gibt sich heute etwas zurückhaltender und weiß mit seiner anstrengenden Kunst hauszuhalten. Auf einen Klassiker wie "Child In Time" wartet man denn auch vergebens. In diese Höhen will sich Gillan schon seit Anfang der Neunziger nicht mehr verirren. Da geht er auf Nummer Sicher.

"Things I Never Said" vom 2005er-Album "Rapture of the Deep" folgt, bevor die Band mit "Into the Fire" vom "Deep Purple In Rock"-Album und der frühen 71er-Single "Strange Kind Of Woman" in die phonstarken Vollen geht. Einst waren es vor allem die stetigen Machtkämpfe zwischen dem klassisch orientierten Organisten Jon Lord und dem aggressiven Gitarraren-Berserker Ritchie Blackmore, durch die Deep Purple ständig unter kreativem Strom standen. Doch Blackmore hat sich längst in sein mittelalterlich esoterisches Projekt Blackmore’s Night verabschiedet und Jon Lord widmet sich seit einigen Jahren nur noch eigenen klassischen Kompositionen. Und das ist ganz in Ordnung so. Denn diese aktuelle Mark-VIII-Bandbesetzung ist besser denn je.

Schlagzeuger Ian Paice ist der einzige auf der Bühne, der tatsächlich vor 40 Jahren zu den Gründungsmitgliedern zählte. Doch schon ein Jahr später kamen Bassist Roger Glover und Gillan dazu. Die Plätze der Streithähne Lord und Blackmore werden inzwischen versiert von Ex-Whitesnake-Keyboarder Don Airey, seit 2002 dabei, und dem an Country- und Jazz-Rock geschulten Gitarristen Steve Morse, der seit 1994 zur Band gehört, besetzt. Vor allem der experimentierfreudige Morse hat Deep Purple einen enormen musikalischen Vitalitätsschub beschert.

Das Repertoire überrascht, viele selten gespielte Stücke gehören dazu. Und man sieht den Musikern, bis auf den 54jährigen Morse alle in den Sechzigern, an, dass sie ungeheueren Spaß haben da oben. Sie machen ordentlich Lärm, in bestem Sound und mit pointierter Lichtregie. Mit "Sometimes I Feel Like Screaming" gibt es beispielsweise eine Ballade vom 1996er-Album "Perpendicular" und auch der Titelsong vom 1996er-Album "The Battle Rages On" wird durch die Halle gewuchtet. Keyboarder Airey kann sich bei einem Solo an Piano und Hammond-Orgel mit Bach, Boogie und Deutschlandlied-Zitat austoben. Gegen Ende widmen sich Deep Purple ausgiebig ihrem wohl besten Album "Machine Head" mit "Space Truckin’", Highway Star" und, natürlich, als Höhepunkt vor der Zugabe, "Smoke On The Water".

Hier spielt eine legendäre Rockband vehement und erfolgreich gegen das Vergessen und gegen das Vorurteil an, eine Altherrenmannschaft zu sein. Und Steve Morse, dieser fulminate Übergitarrist mit dem Dauergrinsen, spielt das "Smoke On The Water"-Riff ebenso eingängig wie einst Blackmore – aber Hardrock gestählter als je zuvor. Die Halle singt mit. Die Halle tobt. Und wird neben der Bluesnummer "Lazy", ebenfalls von "Machine Head", und mit Deep Purples allererstem Hit, der immer noch aufwühlend-treibenden Joe-South-Cover-Version "Hush" von 1968 im Zugaben-Block belohnt.

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