Erfolgsgeschichte
"High School Musical 3" raubt allen die Nerven
Diese Hysterie kennen ältere Menschen nur von der Erinnerung an die 90er-Jahre-Serie "Beverly Hills 90210". Derzeit erobert "High School Musical 3" in Fernsehen und Kino millionenfach die Herzen der Zuschauer. Offensichtlich trifft der Teenie-Klamauk den Nerv der Zeit. Dabei ist er vor allem eins: nervig.
Von Leni Höllerer
Sogar beim ehrwürdigen Filmfestival in Rom ist der Hype um "High School Musical 3" angekommen. Ein Bus mit einem Plakataufdruck des Filmes sorgte für kreischende Mädchenmassen. Kein Wettbewerbsbeitrag hat vor Ort so eine Aufmerksamkeit.
Mit Wochenendeinnahmen in Höhe von 42 Millionen Dollar hat "High School Musical 3" an den Kinokassen die Erwartungen Hollywoods weit übertroffen. Zum Vergleich: Das Hit- Musical "Mamma Mia!" spielte an seinem Eröffnungswochenende in den USA knapp 28 Millionen Dollar ein. Was ist also dran an "High School Musical 3"?
Musicals sollen Träume zum Tanzen bringen. Theatralik und Kitsch sind bei diesem Genre ein durchaus adäquates Mittel. Unangemessen werden sie erst dann, wenn die Träume zu tief stapeln oder zu prosaisch geraten wie in "High School Musical 3" - hier singen und tanzen sich Teenager eine Seele aus dem Leib, die den Aufwand kaum wert ist: Die Collegewahl plagt sie sowie die Frage, wie man ein Mädchen zum Abschlussball einlädt, auch wenn es sich dabei um die eigene Freundin handelt.
"High School Musical 3" ist die Fortsetzung zweier in den USA überaus quotenträchtig ausgestrahlter TV-Filme des Disney Channel, die über I-Tunes, den DVD-Vertrieb und eine Bühnen-Variante erfolgreich weitervermarktet wurden. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe durchweg attraktiver, intelligenter und musisch begabter Schüler, deren schulzentriertes Leben in der jährlichen Aufführung eines Musicals seinen Höhepunkt erfährt.
Dafür müssen sie ihre sonstigen Tätigkeiten in Schülerzeitung, Wissenschaftsclub oder Basketballteam koordinieren und sich mit innerschulischen Intrigen herumschlagen. Im dritten Teil steht die Klasse um Troy (Zac Efron) und Gabriella (Vanessa Hudgens) nun kurz vor dem Abschluss. Und natürlich erregt das letzte gemeinsame Muscial die Gemüter. Gesungen und getanzt wird nicht nur auf der Bühne, sondern auch während des Basketballspiels oder beim Rendezvous.
Doch auch die Musik kann die fade Handlung nicht kompensieren: Die Choreographien sind arm an Einfällen, die Stimmen der Darsteller klingen uninspiriert, und die glatten Songs wecken bis auf wenige Ausnahmen keine Emotionen. Die permanente Begeisterung der Protagonisten erscheint dabei wie ein nervenraubendes Wohlfühldiktat.
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