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19.10.08

Hamburg

Liane her, ich will Jane – "Tarzan" als Musical

Bei der Deutschlandpremiere des Musicals "Tarzan" erweist sich die spektakuläre Technik als der wahre Star der Show. Zwar donnert die Musik von Phil Collins aus gewaltigen Boxen – doch die visuellen Reize triumphieren klar über den Sound, zu dem dann und wann ziemlich unmotiviert gesungen wird.

DDP

In Berlin stellte er seinen neuen Kinofilm "17 Again" vor. Efron spielt in der Komödie die Hauptrolle.

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War das eine Panne, oder hat's Methode? Bei der Deutschlandpremiere des Disney-Musicals "Tarzan" in der Neuen Flora Hamburg erfreuen sich allein Anton Zetterholm und Elisabeth Hübert namentlicher Erwähnung – beide wurden von den Zuschauern der Castingshow "Ich Tarzan, du Jane" auf Sat1 im Frühjahr zum Traumpaar des Dschungels erkoren. Wie aber heißt der kleine Junge, der zu Beginn herzbewegend jenes unter Gorillas aufwachsende Waisenkind spielt, dem die Affenmutter Kala den Namen Tarzan gibt? Wer spielt den weltfremden, herzensguten Naturforscher-Vater der Jane Porter, wer seinen hamburgisch schnackenden Assistentenbösewicht Clayton? Und wie heißen all die zweieinhalb Stunden durch die Halle kariolenden Affendarsteller?

Das interessiert wohl nicht so. Der Star der Show ist die Technik, und die ist wahrlich spektakulär. Der "Aerial Designer" Pichón Baldinu aus Argentinien hat für jeden der knapp 40 Darsteller ein Fluggeschirr gefertigt, das am Bungee-Seil baumelt. Diese von einem offenbar aufwendigen System gesteuerten Kunstlianen durchlaufen ausgeklügelte Flugbahnen – auch durch den Zuschauerraum, vom Rang bis runter auf die Bühne. Aus Startlöchern in Saal und Schnürboden lassen sich als Affen kostümierte Akteure immer wieder beherzt ins Geschehen fallen. Ihre gelenkten Sturzflüge entwickeln einen wunderbaren Drive, weil sie sich in jede Richtung drehen und wenden. 16 Kilometer Seil durchziehen die Neue Flora, die Wände sind mit dicken Luftkammern gepolstert, damit sich keiner der Luftakrobaten die Knochen bricht. In grünlich schimmernden Löchern in den Wänden verschwinden die Fliegenden in affenartiger Geschwindigkeit.


Dieser "Tarzan" ist auch eine berauschende Orgie farbiger Tücher, die sich zu phantastischen Pflanzen- und Tierformen auswachsen. Riesige Schmetterlinge schweben durchs Parkett und an der Bühnenrückwand klettert die fette schwarze Riesenspinne gemächlich ins Zentrum ihres leuchtenden Netzes, in dem sich Jane auf ihrer ersten Urwalderkundung verfängt.

Die visuellen Reize triumphieren jedoch derart machtvoll über die akustischen, dass wir zögern, dieses Bühnenereignis überhaupt noch ein Musical zu nennen. Der aus gewaltigen Boxen donnernde Soundtrack von Phil Collins ist zwar allgegenwärtig, doch außer den zum Gehörschutz eingeführten Wattestöpseln bleibt nicht viel davon im Ohr zurück. Der Song "You'll Be In My Heart" entfaltet gewisse Haltekräfte im Gedächtnis, auch das anrührend gesungene Lied des kleinen Tarzan, der wegen der Zurückweisung des Sippen-Chefs plötzlich nicht mehr weiß, wo er hingehört, hat eine schöne und gar nicht mal einfache Melodie.

Im übrigen aber bollert eine von Djembe-Trommeln angetriebene, diffus orchestrierte Abenteuerfilmklangspur durch den Saal, zu der dann und wann ziemlich unmotiviert gesungen wird. Hoch oben gegenüber der Bühne wirkt ein veritabler Dirigent mit Taktstock, aber das Orchester kommt von der Festplatte, der Maestro koordiniert nur den Gesang auf der Bühne. Der erklingt auch sauber und mit Hingabe. Doch was hören wir da? In seinem Menschwerdungssong kurz vor Schluss singt der gute Tarzan passagenweise zweistimmig mit sich selbst. So was können halt nur Menschen, die unter Affen aufgewachsen sind.

Termine: täglich außer Montag, Karten: (01805) 44 44

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