Nach seiner Krankheit
Provokateur Schlingensief inszeniert wieder
Als Christoph Schlingensief im April nicht zu seiner eigenen Opernpremiere von "Jeanne d'Arc" an der Deutschen Oper erschien, war endgültig klar, dass es dem Regisseur gesundheitlich nicht gut geht. Monatelang hörte man nichts von dem sonst so umtriebigen Künstler. Jetzt arbeitet er wieder.
Von Jessica Schulte am Hülse
Von "einer schweren Krankheit" berichteten Freunde und Arbeitskollegen des Regisseurs, als Christoph Schlingensief (47) nicht zu seiner eigenen Opernpremiere von "Jeanne d'Arc" im April dieses Jahres an der Deutschen Oper erschien.Ist er doch sonst ein Mann der sich gern auf Premieren, erst recht seinen eigenen, blicken lässt. Zu dieser Zeit war Schlingensief jedoch schon im Krankenhaus. Seither hörte man nichts mehr von dem sonst so umtriebigen Künstler.
Bis jetzt. Zurzeit bereitet Schlingensief in Duisburg ein Stück für die RuhrTriennale vor. "Die Proben mit den Schauspielern beginnen am 18. August, Premiere ist am 21. September", bestätigte der Sprecher des Festivals, Oliver Golloch. "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir", so der Titel des von Schlingensief konzipierten "Fluxus"-Oratoriums. An seiner Seite die Kostümbildnerin und Schlingensiefs Lebensgefährtin Aino Laberenz.
Derzeitig werden Statisten für die Produktion gecastet, Bühnenbild, Kostüme und die Besetzung besprochen. Das Stück feierte bereits 2003 in Venedig auf der Biennale Erfolge und wurde für die Fassung in Duisburg "ergänzt und weiterentwickelt".
Kaum ein deutscher Regisseur hat sich in den letzten Jahren das Attribut "politisch" so unermüdlich erarbeitet, wie Schlingensief. In seinen Filmen aus den 80er-Jahren zeigte er Hitler als Vergewaltiger und mit seinen Inszenierungen an der Berliner Volksbühne in den 90ern holte er so bekannte Größen wie: Rudi Dutschke, Helmut Kohl oder Rosa Luxemburg in orgiastisch, chaotischem Theater-Inszenierungen vom Sockel. Spätestens mit seiner Persiflage auf den RTL2-Dauerbrenner "Big Brother" erntete Schlingensief auch herbe Kritik. Vor der Wiener Oper stellte der Aktionskünstler einen Container als Unterkunft für Asylbewerber auf. Makaber: Zuschauer sollte über die Abschiebung der Insassen entscheiden. Später sorgte der Meister der Provokation auch mit seiner MTV-Moderation aus einer Berliner U-Bahn für Aufsehen. Und im Jahr 2002 stritten Kritiker über seine Inszenierung des "Parsifal" für die Wagner-Festspiele in Bayreuth. Trotzdem wurde seine "Pasifal"-Fassung erst dieses Jahr abgesetzt.
"Schlingensief setzt sich auch immer mit dem gerade Erlebten auseinander", sagt Imke Itzen, seine Büroleiterin. Tatsächlich kann man bei der Inhaltsbeschreibung seines aktuellen Stücks auf die Idee kommen, dass es etwas mit seiner Krankheit zu tun hat. "Man ist nicht mehr allein in seinem Körper, Unbekanntes hat sich eingenistet" liest man dort. Doch worum es genau geht, bleibt nebulös. Schlingensief wäre jedoch nicht Schlingensief, wenn er in Duisburg nicht wieder für einen kleinen Skandal gut wäre.
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