Generalplaner gesucht
Sanierung der Staatsoper wird neu ausgeschrieben
Der Saal der Staatsoper Unter den Linden soll so saniert werden, dass der Rokoko-Saal erhalten bleibt, die Akustik aber besser wird. So wie es sich die verantwortlichen Politiker wünschen, hat aber bisher kein Architekt die Sanierung geplant. Nun soll ein Generalplaner gesucht werden, der sich genau an die Vorgaben hält.
Der Gewinner ist schnell ausgemacht: Es ist der alte Rokoko-Zuschauersaal, wie ihn der Architekt Richard Paulick in den Fünfzigern in die Staatsoper einbauen ließ. Die Verlierer sind all jene Architekten, die sich am Wettbewerb für die Neugestaltung beteiligt hatten – voran der viel diskutierte Sieger Klaus Roth. Ihre teils futuristischen Umbauvorschläge sind Schnee von gestern. Keiner der prämierten Entwürfe des Architektenwettbewerbs sei in der Lage, dem Denkmalschutz Rechnung zu tragen, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auf der gestrigen Senatspressekonferenz. "Damit ist die wesentliche Aufgabe des Wettbewerbs nicht erfüllt worden", begründete Wowereit: "Das Land Berlin verzichtet deshalb auf die Vergabe und wird die Sanierung neu ausschreiben." Wowereit räumte ein, dass die Vorgaben der Ausschreibung "zu ambitioniert" gewesen seien. Er gehe aber davon aus, dass Denkmalschutz sowie bessere Akustik und Sicht miteinander vereinbart werden könnten.
Ingeborg Junge-Reyer (SPD), Senatorin für Stadtentwicklung, fügte hinzu: "Die Sanierung des denkmalgeschützten Zuschauerraums muss sich an dem Entwurf des Architekten Richard Paulick orientieren." Dieser Hinweis betrifft insbesondere auch den Generalplaner, der jetzt mit der Neuausschreibung gesucht wird. Das Architektenbüro, das demnächst den Zuschlag bekommt, muss sich bei der Gesamtsanierung der Staatsoper dichter am existierenden Original halten als bislang angenommen. Der Denkmalschutz bekommt eindeutig mehr Gewicht.
Ein Nebeneffekt der gestrigen Verkündung: Mit dem Generalplaner wird die Öffentlichkeit künftig nicht mehr an den Diskussionen um das Ausmaß erforderlicher oder überflüssiger Modernisierungsmaßen im Detail beteiligt sein. Die teils ungestümen Streitigkeiten um Tradition und Moderne hatten in den vergangenen Wochen viele überrascht. Wowereit sprach von einem "heftigen Kampf". Es sei aber diesmal kein Ost-West-Thema gewesen, fügte er hinzu.
Die jetzige Entscheidung setzte das Einverständnis aller Beteiligten voraus, die mit unterschiedlichen Erwartungen in die Diskussion gegangen waren. Mit Daniel Barenboim, dem Generalmusikdirektor, der für die Modernisierung plädiert hatte, habe er in den letzten beiden Tagen gesprochen, sagte Wowereit. "Das ganze Verfahren ist aus meiner Sicht unglücklich verlaufen", sagte Barenboim gestern der dpa: "Man hat nicht deutlich genug gesagt, was man von dem Architekturwettbewerb erwartet. Nun müssen wir nach vorne blicken und dafür sorgen, dass die Akustik und die Sichtverhältnisse verbessert werden." Barenboim möchte, dass die Querelen aufhören: "Es geht nicht um subjektiven Geschmack, sondern um konkrete Probleme, die nun für die nächsten 50 oder 100 Jahre gelöst werden müssen."
Die neue Linie sei auch "einvernehmlich" mit dem Bund festgelegt worden, betonte Wowereit, der sich am Montag mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) im Roten Rathaus getroffen hatte. Der Bund zahlt 200 Millionen Euro für die Sanierung.
Und auch die Freunde und Förderer der Staatsoper, die bereits mit dem Rückzug ihrer Spendenmittel von 30 Millionen Euro gedroht hatten, meldeten sich umgehend zu Wort. "Das ist ein guter Tag für Knobelsdorff und Paulick", ließ der Vorsitzende Peter Dussmann mitteilen: "Nachfolgende Generationen werden uns diese Weitsicht danken."
Ein dezentes Dankeschön hatte Wowereit zumindest für die am Wettbewerb beteiligten Architekten parat. Die Preisgelder werden bezahlt. Mehr nicht, also keinerlei Abfindungen. Juristische Konsequenzen sieht der Regierende keine. Der Fall "Paulick gegen Modernisten" kommt vorerst zu den Akten.
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