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14.07.08

Kompromissvorschlag

Staatsoper soll sanft saniert werden

Im Streit um den Umbau des Saals der Staatsoper Unter den Linden zeichnet sich ein Kompromiss ab: Vom alten Innenraum soll nun so viel wie möglich erhalten bleiben. Das ist nach Informationen von Morgenpost Online das Ergebnis eines Spitzengesprächs im Bundeskanzleramt.

© Berliner_Verlag
Am mittlerweile stark magelhaften Innenraum der Berliner Staatsoper sollen Sanierungen vorgenommen werden

Die kleine Runde im Kanzleramt war hochkarätig besetzt. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hatte Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) eingeladen. Der Senatschef hatte seinen Kulturstaatssekretär André Schmitz und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) mitgebracht. Es ging um eine prekäre Frage: Wie soll der Saal der Staatsoper Unter den Linden nach der Sanierung aussehen. Offiziell wollte nach dem Spitzengespräch niemand Stellung nehmen. Das soll Wowereit vorbehalten bleiben, der zu einer am Dienstag nach der Senatssitzung stattfindenden Pressekonferenz einlud. Thema: "Die Zukunft der Staatsoper und weitere Fragen".

Nach Informationen von Morgenpost Online soll der zukünftige Innenraum so viel wie möglich von der jetzigen Ausgestaltung des DDR-Architekten Richard Paulick behalten, so der Tenor der im Kanzleramt versammelten. Wie möglich – das ist allerdings der Knackpunkt. Noch ist nicht klar, was rechtlich erreichbar ist. Denn der Sieger des Wettbewerbs, der Berliner Architekt Klaus Roth, der einen umstrittenen modernen Entwurf vorgelegte, kann bei einer Veränderung seines Gewinner-Entwurfs Schadensersatz geltend machen.

Neumann: Berlin ist der Bauherr

Neumann machte am Montag unmissverständlich klar, dass Berlin als Bauherr dann die Verantwortung, sprich die möglichen hohen Schadensersatzforderungen, übernehmen müsse. Im Wesentlichen sei es bei dem gestrigen Spitzengespräch dann auch um die Problematik des Vergabeverfahrens und die Frage gegangen, was jetzt überhaupt noch möglich ist. Der Unternehmer und Kulturmäzen Peter Dussmann hatte angedroht, bei einer Realisierung des modernen Roth-Entwurfs die von den Freunden der Staatsoper zugesagten 30 Millionen Euro zurückziehen zu wollen.

Damit gäbe es ein großes Finanzierungslücke. Denn für 241 Millionen Euro soll in den Jahren 2010 bis 2013 die Lindenoper planungsgemäß saniert werden. In dieser Renovierungsphase wird die Staatsoper in das Charlottenburger Schillertheater umziehen. Bevor es soweit ist, stehen noch anderthalb Spielzeiten regulär im alten Knobelsdorff-Bau bevor. Für den Umzug und die Herrichtung des Schillertheaters sind noch einmal etwa 20 Millionen Euro veranschlagt.

Ob das Vergabeverfahren für die Sanierung der Staatsoper nach dem gestrigen Spitzengespräch nun komplett neu aufgerollt werden muss und sich dadurch die Sanierung des Hauses von 2010 bis 2013 verzögert, war am Montag noch offen.

Dessen ungeachtet laufen die künstlerischen Planungen weiter. Die kommende Saison 2008/09 beginnt am 30. August mit einer Wiederaufnahme des "Fidelio". Maestro Daniel Barenboim, der sich anfänglich für den modernen Saal ausgesprochen hatte, leitet höchst selbst diese mit Startenor Johan Botha und Waltraud Meier Star-besetzte Produktion, die zugleich live auf den Bebelplatz übertragen wird. Einladend auch die weitere Spielplangestaltung, die unter anderem eine Wiederaufnahme von Prokofjews "Spieler" (5., 9., 11. September) vorsieht – zur Premiere von Publikum und Kritikern gleichermaßen umjubelt.

Viel versprechend für die kommende Saison gerüstet ist die Lindenoper weiterhin mit sechs Premieren, auf deren teils unvollständigen Besetzungszetteln sich so große Namen wie René Pape, Rolando Villazón ("Eugen Onegin", 27.9.), Dietrich Henschel (Peter Ruzickas "Hölderlin"-Uraufführung 16. November), Michaela Schuster ("Lohengrin", 4.April 09), René Jacobs ("Orlando Paladino", 8. Mai 09) oder Christine Schäfer ("Die Entführung aus dem Serail"; 11. Juni 09) finden. Der gewohnt hohe künstlerische Standard des Hauses, er scheint zunächst einmal gesichert. Wie es dann in der darauf folgenden Spielzeit 2009/10 weitergeht, und ob der logistisch schwierige Umzug ins Schillertheater ohne Imageverlust gelingt, hängt im Wesentlichen von den neuen Leitern des Hauses ab: dem Nachfolger des rausgeworfenen Intendanten Peter Mussbach und dem ebenfalls geschassten Geschäftsführenden Direktor Georg Vierthaler. Zumindest eine Kapazität wird dringend gesucht und sieht sich hohen Erwartungen gegenüber, die Mussbach – zumindest in seinen letzten Amtsjahren- weder konzeptionell noch künstlerisch erfüllen konnte.

Die gesuchte Führungspersönlichkeit sieht sich vor allem mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, mit dem Mann konstruktiv zusammenzuarbeiten, der an diesem Haus in allen Fragen das letzte Wort hat: Generalmusikdirektor Barenboim. Dessen Vertrag endet 2012, mitten in der Renovierungsphase. Es ist davon auszugehen, dass er verlängert wird.

Noch kein Intendant im Gespräch

Noch kursieren in der Öffentlichkeit keine Namen, obwohl sich einer geradezu anbietet: Alexander Pereira, einer der weltweit erfolgreichsten Top-Opernmanager, von dem Barenboim in einem Interview sogar einmal verlauten ließ, dass er ihn sich an sein Haus wünschen würde. Denn der räumt just 2012 seinen Chefsessel an der Zürcher Oper für Andreas Homoki, der dann die Komische Oper verlässt. Pereira ist derzeit mit 61 Jahren zwar nicht mehr der Jüngste, aber rauch keineswegs zu alt, um ein Elitehaus zu leiten.

Auf der Pressekonferenz zum Personalwechsel an der Komischen Oper, deren Leitung 2012 der australische Regisseur Barry Kosky übernimmt, wollten sich der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit und Kulturstaatssekretär André Schmitz noch nicht dazu äußern, ob sie Pereira als künftigen Staatsopernintendant in Betracht ziehen. Eine ideale Wahl jedenfalls wäre der portugiesischstämmige Diplomatensohn allemal, der sich als erfolgreicher Operndirektor in Zürich so erstklassiger Stammgäste wie Cecilia Bartoli und William Christie versichert und auch bei der Wahl seiner Regisseure guten Geschmack bezeugt. Einziges Problem wäre die zeitliche Disposition. Für den Fall, dass Pereira seinen Vertrag in Zürich bis 2012 erfüllen wollte, müsste bis dahin in Berlin unter Umständen ein kommissarischer Leiter gefunden werden.

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