25.04.08

Literatur

Shakespeares "Homies" reden jetzt Jugendslang

Romeo und Julia, Hamlet und Konsorten müssen Jugendsprache lernen: Der britische Satiriker Martin Baum hat Werke von William Shakespeare in Jugendslang "übersetzt". Schüler verstehen das elisabethanische Englisch kaum. Ziel des Satirikers ist nun, Jugend für Weltliteratur zu begeistern.

Foto: pa/dpa
William Shakespeare

Vor ewig langer Zeit gründete ein französischer Jazzpianist eine Gruppe, die sich "Play Bach Trio" nannte. Diese Gruppe spielte tatsächlich Werke von Johann Sebastian Bach, aber modern, verjazzt, mit Schlagzeug und allen Schikanen. Eine ganze Generation von Schülern wurde damit traktiert – fortschrittliche Lehrer hofften allen Ernstes, sie könnten ihre Zöglinge durch diesen Trick verführen, sich freiwillig Barockmusik anzutun. Unter uns: Es war grässlich, eine Zumutung. Vor allem klang Bach in der aufgemotzten Version unglaublich langweilig. Mittlerweile deckt Staub die Erinnerung an das "Play Bach Trio", während der Meister selbst trotz Dreifachkinn und Puderperücke munter weiterlebt.

Nun hat Martin Baum, ein englischer Satiriker, 15 Stücke von Shakespeare in heutigen Jugendslang übersetzt – nicht in irgendeine Jugendsprache, sondern jenen prolethaften Jargon, der sich ans Cockney anlehnt, das Londoner Gegenstück zum Berlinerischen (oder zum Hamburger "Missingsch").

"De Happy Bitches of Windsor"

Hamlet verliert auf diese Weise ein H und wird zu "Amlet". "Die lustigen Weiber von Windsor" mutiert zu "De Happy Bitches of Windsor". "Viel Lärm um nichts" heißt jetzt "Much Ado about Sod All". Es ist sehr lustig – und man braucht allerhand Verrenkungen, um im Deutschen wiederzugeben, was daran eigentlich lustig sein soll.


Martin Baum hat seinen Schlegel, seinen Tieck halt noch nicht gefunden. Hamlets berühmter Monolog hebt bei ihm an mit den geflügelten Worten: "To be or not to be, innit?" Also ungefähr: "Sein oder nich' sein oder was?"


Die Ausgangssituation von Shakespeares berühmtester Liebestragödie hört sich bei Martin Baum näherungsweise wie folgt an: "In Verona ham sich zwei Familien gekloppt, die Montagues und die Capulets. Und weil die dauernd gekämpft haben und so, hat der Prinz von Verona ihnen gesacht: Hört auf mit dem Scheiß, denn wenn ihr weiterkabbelt, hau ich euch zu Matsch."


Echter Shakespeare moderner


Das tragische Ende jenes Dramas aber packt Martin Baum in die Formel: "And they all lived in peace and harmony except for Romeo and his bitch Jools, who was both well dead."


Sagen wir's so: "Und sie lebten alle glücklich und zufrieden weiter, bis auf Romeo und seine olle Jule, weil die war'n ganz schön hinüber."


Zugegeben: Die modernisierten Versionen des Martin Baum kommen nicht ganz so betulich daher wie der verschlagzeugte Bach von anno dunnemals. Dennoch sei die Prophezeiung gewagt, dass sich der echte Shakespeare als haltbarer, moderner (häufig auch: witziger) erweisen wird als die hochgejazzte Nachahmung.

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