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14.07.08

Kultur

Das Ende des Staatsopern-Streits naht

Heute soll die Entscheidung über die zukünftige Gestaltung des Zuschauerraums der Staatsoper fallen. Die Spitzen der Berliner Kulturpolitik treffen sich zu einem Gespräch über die Frage: Modernisierung ja oder nein? Dabei scheint es nun, also hätte der Architekt Klaus Roth den wichtigsten Unterstützer seiner Modernisierungspläne verloren.

Im anhaltenden Staatsopern-Streit kommt es möglicherweise zu einer unverhofften Wende: Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Oper und bislang großer Verfechter des umstrittenen Totalumbaus des Zuschauerraums, soll jetzt sein Einverständnis zum Erhalt des Paulick-Saales gegeben haben. Das zumindest geht aus einer Meldung des "Spiegels" hervor.

Sollte sich das bestätigen, könnte die Debatte bei einem für heute angekündigten Spitzengespräch, zu dem sich unter anderem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, Kulturstaatsminister Bernd Neumann, Kulturstaatsekretär André Schmitz und die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) treffen, einvernehmlich beigelegt werden. Demnach wären Klaus Roths Modernisierungspläne definitiv vom Tisch und der Erhalt des Rokoko-Ambientes gesichert. Damit dürfte vor allem Wowereit aufatmen, der sich mit seinem Urteil bislang bedeckt hielt, weil er es sich mit Barenboim als "einzigem Weltstar" Berlins auf keinen Fall verderben wollte: Er befinde sich "mitten im Schussfeld", sagte Wowereit kürzlich auf die Frage, auf welcher Seite er denn stehe.

Warum Barenboim sich trotz seiner ungebrochenen Machtposition kompromissbereit zeigt, darüber lässt sich nur spekulieren. Mit seiner Argumentation für eine bessere Akustik und bessere Sichtverhältnisse konnte er anfänglich viele überzeugen. Er war sich jedoch auch bewusst, dass er in der Kulturpolitik und bei Sponsoren nur wenige Verbündete hatte: Kulturstaatssekretär André Schmitz positionierte sich von Anfang an gegen Roths geschichtslose Raum-Konzeption, und auch Peter Dussmann, einer der wichtigsten Förderer der Staatsoper, drohte mit Entzug der zugesagten Finanzhilfen in Höhe von 30 Millionen Euro.

Barenboim taktierte ungeschickt

Den entscheidenden Ausschlag für einen Stimmungswechsel mag ein strategisch unkluger Schachzug gegeben haben: Mitte Juni brachte Barenboim in der "Süddeutschen Zeitung" überraschend neue Argumente vor: Es gehe darum, "Berlin eine neue Identität" zu geben und durch einen neuen Saal "etwas in Gesamt-Berlin" zusammenzuführen. Äußerungen, die - stuft man sie nun als arrogant ein oder nicht - für Entrüstung sorgten. Unter dem Titel "Ablenkungsoffensive" kommentierte etwa die "FAZ", Barenboim werfe "Nebelbomben" in die Debatte, indem er die Verdienste der Staatsoper kleinrede. In der Tat gelang es kaum einer anderen Institution, in den letzten 16 Jahren so viele Zuschauer aus dem Ost- und Westteil der Stadt zusammenzuführen. Und auch zu DDR-Zeiten war Paulicks Charme gewiss stärker als die Berliner Mauer. Regelrecht polemisch wirkte zudem Barenboims Bemerkung, Befürworter des historischen Saals sollten ihn konsequent wie 1742 "nur noch mit Kerzenlicht" bespielen.

Schon wurde darüber spekuliert, ob Roths Entwurf akustisch überhaupt hält, was er verspricht. Zwar verlautete mehrfach seitens der Architektenjury, es gäbe keine Alternative, es sei denn, man verzichte auf bessere akustische Verhältnisse. Aber es fällt schwer, das zu glauben, richtet man nur den Blick auf andere bedeutende Opernhäuser, die in den vergangenen Jahren restauriert und akustisch optimiert wurden, sei es die Mailänder Scala, das Teatro La Fenice oder das 2007 wiedereröffnete Theater Breslau.

Vielleicht sind jetzt auch in Berlin wieder alle Optionen offen. Immerhin war André Schmitz eigens nach Mailand geflogen, um beim Maestro für seine Position zu werben. Seinem Eindruck nach wird Barenboim es nicht zu einem Bruch kommen lassen. Alle anderen, die sich heute im Roten Rathaus zu einem Spitzengespräch treffen, sind sowieso entschlossen, den Paulick-Saal weitgehend zu erhalten.

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