Staatsoper
Umbau-Gegner sehen Mehrheit der Berliner hinter sich
Der Verein der Freunde der Staatsoper sieht sich durch Umfrageergebnisse in seinem Wiederstand gegen einen Umbau der Staatsoper bestärkt. 86 Prozent der Berliner wollten keinen modernen Saal, teilte der Verein mit. Auch der Landesdenkmalrat will alles beim Alten belassen – architektonisch. Dafür soll die Staatsoper ihr Repertoire dem Saal anpassen.
Von dpa/sh
Die Mehrheit der Berliner ist einer Forsa-Umfrage zufolge für den Erhalt des historischen Zuschauerraums der Staatsoper Unter den Linden. Insgesamt 86 Prozent der Befragten hätten erklärt, dass nach der Sanierung der Staatsoper der Zuschauerraum weitgehend der historischen Gestalt entsprechen sollte, teilte der Verein der Freunde der Staatsoper als Auftraggeber mit.
"Die Bürger Berlins lassen sich eben von keiner Architekten-Jury bonbonfarbene Tristesse aus Beton und Edelstahl vorsetzen", sagte der Unternehmer Peter Dussmann als Vereinsvorsitzender. Für die Umfrage hatte Forsa 1000 Personen zwischen dem 16. und 26. Juni befragt.
20 Prozent, sagte Dussmann, hätten angegeben, 2007 zumindest einmal die Staatsoper besucht zu haben. Doch genau hier setzt die Kritik der Stiftung Oper in Berlin an der Umfrage an. Wären 20 Prozent der Berliner im vergangenen Jahr mindestens einmal in der Staatsoper gewesen, wären dies mehr als 600.000 Besucher gewesen, hieß es. Tatsächlich hätten 2007 aber knapp 250.000 Menschen die Staatsoper besucht, erklärte der Generaldirektor der Stiftung, Stefan Rosinski. Die Frage der Gestaltung der Staatsoper lasse sich nicht "über eine Mehrheitsabstimmung à la Tempelhof" treffen, sondern nur über den Austausch von Argumenten, sagte Rosinski. Der siegreiche Entwurf für den Umbau der Staatsoper des Architekten Klaus Roth sieht einen modernen Zuschauerraum anstelle des barocken vor.
Umbau wäre "zerstörerische und unnötig kostspielige Tortur"
Der Landesdenkmalrat Berlin hat sich indes für den Erhalt des historischen Zuschauerraums der Staatsoper ausgesprochen und eine große Reform der Opernlandschaft der Hauptstadt gefordert. Dabei sollte sich die Staatsoper mit ihrem Saal aus Barock und Rokoko sowie ihrer besonderen Akustik auf kleinere und ältere Werke beschränken. Die nach dem Krieg gebaute Deutsche Oper sollte das Repertoire seit Richard Wagner pflegen, sagte der Vorsitzende des Beratergremiums, Prof. Adrian von Buttlar (TU Berlin).
Mit dem Vorschlag einer Arbeitsteilung zwischen Staatsoper und Deutscher Oper sollten der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und die Leitung der beiden Häuser den "Weg der Vernunft" einschlagen, hieß es weiter vom Denkmalrat weiter. Ein solches Modell werde schon in Paris mit Opéra Garnier und der Opéra Bastille praktiziert.
Nicht nur eine moderne Fassung, wie sie der prämierte Entwurf des Architekten Klaus Roth vorsieht, würde zu einem kompletten Neubau führen. Auch eine vage Rekonstruktion sei keine Option des Denkmalschutzes. Bei historischen Opernhäusern mit kreis- oder ellipsenförmigen Grundriss müssten Einschränkungen der Sicht hingenommen werden. Die kurze Nachhallzeit der Staatsoper sei für ältere Werke keineswegs nachteilig. Die Akustik benachteilige in erster Linie die großen spätromantischen Opern.
Ein Umbau der Staatsoper wäre eine "zerstörerische und unnötig kostspielige Tortur", hieß es weiter. Sollte wie geplant der denkmalgeschützte Saal vollständig umgebaut werden, wäre ein weiteres, über die DDR-Geschichte hinaus bedeutsames Werk aus dem Gedächtnis der Stadt gelöscht, erklärte der Denkmalrat weiter.
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