Sanierungspläne
Wowereit soll sich in Staatsoper-Streit einschalten
Zahlreiche Prominente warnen in einem offenen Brief vor der "Zerstörung" des alten Zuschauersaals der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Unterschrieben ist er unter anderem von TV-Moderator Alfred Biolek, Opernsänger Peter Schreier und Schriftstellerin Monika Maron. Wie sie argumentieren - Morgenpost Online dokumentiert das Schreiben.
Die Staatsoper Unter den Linden, die, im Krieg zerstört, in den fünfziger Jahren unter der Leitung von Richard Paulick mit großer historischer Sensibilität wiederaufgebaut wurde, verfügt über einen der schönsten Zuschauersäle Europas. Dieser wie das ganze Haus unter Denkmalschutz stehende Theatersaal soll nach dem Mehrheitswillen einer von der Senatsbaudirektorin berufenen Jury vernichtet werden; den Anlaß dazu bietet eine seit langem notwendige technische Generalsanierung des Hauses.
An die Stelle des alten Saals, der die Modernisierung der Strukturen mit dem Rückgriff auf die ornamentale Sprache der Knobelsdorff-Ära verband, soll eine zeitgenössische Architektur mit verbesserter Akustik und weniger sichtbehinderten Plätzen treten. Nach dem siegreichen Wettbewerbsentwurf sollen auch die Garderobentrakte des Hauses verschwinden und das zwischen ihnen liegende Opernrestaurant; auch das Parkettfoyer und der untere Wandelgang sind bedroht. In jedem Fall ergäbe sich ein schmerzhafter Kontrast zwischen divergierenden Architektursprachen; Paulicks bis in kleinste Detail gestaltetes Gesamtkunstwerk wäre verloren.
Der Anteil sichtbehinderter Plätze ist in der Berliner Staatsoper nicht größer als in anderen wiederaufgebauten Rangtheatern Europas; daß man auf solchen Plätzen oft besonders gut hört, weiß jeder jugendliche Opernbesucher. Paulicks Theatersaal, eine Schöpfung von historischem Rang, hat bereits 1986 erhebliche akustische Verbesserungen erfahren; sie ermöglichten es dem Chefdirigenten Daniel Barenboim, die Staatskapelle auf neue musikalische Höhen zu führen. Weitere akustische Verbesserungen sind nach dem Urteil der Fachleute möglich; daß sie als Vorwand zu der Zerstörung des gegebenen Saals dienen sollen, ist eine Absurdität. Geschähe es, würden die Opernfreunde in nah und fern mit Recht sagen: Was früher Brände und Bomben bewirkten, die Nötigung zu Neubauten, das bewirkt heute irregeleitetes Effizienzdenken und falsch angelegtes Geld.
Das Geld für die unerläßliche Sanierung kommt nicht nur vom Berliner Senat, es kommt zum größten Teil aus dem Kulturetat des Bundes und ist nicht für die Zerstörung, sondern für die Erhaltung des Baus in seiner jetzigen Gestalt bestimmt. Daß eine Berliner Senatsverwaltung mit dem Geld des Bundes das denkmalgeschützte architektonische Erbe der Stadt verschleudern will, statt es zu erhalten, ist ein Vorgang, der den Protest der Bürger herausfordert. Wir fordern das Veto der Kulturverwaltung und das Eingreifen des Regierenden Bürgermeisters!
Unterzeichner
Theo Adam, Kammersänger,
Alfred Biolek,
Michael Cramer, MdEP,
Friedrich Dieckmann, Publizist,
Ulrich Eckhardt, Intendant der Berliner Festspiele a.D.,
Petra und Paul Kahlfeldt, Architekten,
Lothar de Maizière, Ministerpräsident a.D., ,
Christoph Markschies, Präsident der Humboldt-Universität,
Monika Maron, Schriftstellerin,
Hans Joachim Meyer, Staatsminister a. D.,
Max Raabe, Sänger,
Hermann Rudolph, Publizist, Hrsg. des Tagesspiegel,
Frank Schneider, Intendant des Konzerthaus Berlin,
Peter Schreier, Kammersänger,
Hans Stimmann, Senatsbaudirektor a.D.,
Wolfgang Thierse, MdB,
Wolfgang Wieland, MdB.
Berlin, den 18. Juni 2008
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