Filmfestspiele

Die Berlinale 2017: ein mauer Jahrgang

Es gab wenige Stars und auch nicht viele gute Filme. Nach dem Spitzenjahr 2016 hat die 67. Berlinale enttäuscht, meint Peter Zander.

Das Filmfestival ha tin diesem Jahr an Attraktion eingebüßt

Das Filmfestival ha tin diesem Jahr an Attraktion eingebüßt

Foto: Britta Pedersen / dpa

Dieter Kosslick hat auf dieser Berlinale gleich anfangs ein dickes Eigentor geschossen. Er selber, bekannte der Festivalchef am Eröffnungsabend, ginge ja nicht mehr ins Kino, er würde sein Heimkino bevorzugen. Ein Schlag ins Kontor für alle Filmemacher, Produzenten und Kinobetreiber. Wer bitte soll denn noch ins Kino gehen, wenn schon der Leiter eines internationalen Filmfestivals es nicht mehr für nötig hält?

Die Aussage fiel aber gleich wie ein Bumerang auf Kosslick zurück. Denn so wenige Stars wie in diesem Jahr waren schon lange nicht mehr auf dem Roten Teppich. Als ob auch Stars und Sternchen die Berlinale, immerhin eins der drei großen A-Festivals, nicht mehr für so wichtig halten und lieber zu Hause bleiben.

Gut, wir hatten Richard Gere und Catherine Deneuve, Alt-Stars, die noch mal etwas Glamour versprühten, wir hatten einen bizarren Auftritt von Robert Pattinson und am Ende, immerhin, einen gewohnt jovialen Hugh Jackman. Damit hatte es sich aber im Wesentlichen. Penélope Cruz hat kurzfristig abgesagt, Ethan Hawke dann auch. In der zweiten Woche beschlich einen das Gefühl, es sei eigentlich alles schon vorbei.

Enttäuschend wie lange nicht

Von jeher versucht die Berlinale einen Balanceakt zwischen politischem Festival und Star-Kino. Wenn letzteres mal nicht funktioniert, dann müssen immerhin die Filme stark sein. Auch da aber waren in diesem Jahr viele laue und maue Beiträge zu sehen und kaum ein Highlight. Die 67. Berlinale, die am Sonnabend mit der Verleihung der Bären zu Ende ging (Sonntag ist nur noch Publikumstag), sie ist, das darf man jetzt schon sagen, eine der enttäuschendsten seit Jahren.

Das Problem ist zum Teil hausgemacht. Seit mit der Sektion "Berlinale Special" eine Konkurrenz zum Wettbewerb und mit dem Friedrichstadt-Palast ein zweiter Roter Teppich neben dem Berlinale-Palast geschaffen wurde, muss die Berlinale für noch mehr Star-Auftrieb sorgen. Und in diesem Jahr war die Latte besonders hoch gelegt. Denn die vorherige Berlinale war rundum gelungen. Allein mit Meryl Streep als Jury-Präsidentin hatte Dieter Kosslick einen wahren Coup gelandet. Und gleich zur Eröffnung konnte er einen Film der Coen-Brüder mit George Clooney und Tilda Swinton präsentieren. Vom ersten Tag an war für gute Laune gesorgt.

Sind die Berliner nicht mehr event-freudig?

Nichts davon in diesem Jahr. Die 66. Berlinale hätte eigentlich Kosslicks letzte sein sollen. Was wäre das für ein Abschied gewesen! Dann aber hat der Festivalleiter seinen Vertrag noch mal um drei Jahre verlängert. Die 67. – die 16. unter seiner Ägide – erweckte nun den Eindruck, als habe sich der Festivalchef ein wenig verbraucht, als habe er keine guten Kontakte mehr zu den Major Studios in Hollywood, als habe er auch das Gefühl verloren, was zieht und was nicht.

Die schlechte Stimmung war von Anfang an zu spüren. Schon die Warteschlangen vor den Ticket Countern waren nicht mehr so lang wie in früheren Jahren, es wurden keine neuen Ticket-Rekorde vermeldet, selbst für Gala-Vorstellungen waren teils noch am selben Tag Karten zu erhalten. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass die Zuschauer so kurz nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz nicht mehr so event-freudig sind. Es hat aber vor allem mit dem Programm zu tun, das sich von Anfang an als nicht so spannend erwies.

Wir wollen weiter Berlinalen feiern! Aber so bitte nicht. Vielleicht ist die Berlinale einfach zu groß geworden. Vielleicht muss das Programm etwas verschlankt werden. Vielleicht muss der Festivalchef auch einfach wieder ins Kino gehen, um das Gefühl fürs Publikum zurückzugewinnen.

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