Crew United

Die Filmbranche und ihr Kampf ums Überleben

Bei all dem derzeitigen Glamour vergisst man leicht: Die Filmschaffenden selbst könnten sich nicht mal das Abendkleid für den roten Teppich leisten.

Ton in Ton: Sibel Kekilli auf dem roten Teppich.Die Filmbranche und ihr Kampf  ums Überleben (Symbolbild)

Ton in Ton: Sibel Kekilli auf dem roten Teppich.Die Filmbranche und ihr Kampf ums Überleben (Symbolbild)

Foto: dpa

Wer beim deutschen Film nicht zu den absoluten Top-Verdienern gehört, hangelt sich jahrzehntelang durch schlecht bezahlte Produktionen, bevor er in die nicht vorhandene Rente geht. Das war schon immer so, das soll sich jetzt ändern. Aus diesem Grund lud Crew United, das Netzwerk der Film- und Fernsehbranche, am Donnerstag zu einer Diskussionsrunde mit dem Titel "Wie wollen wir Filme machen, wie wollen wir leben".

Auf dem Podium im Kesselhaus saßen Gäste aus Film, TV und Politik, darunter Christine Berg von der Filmförderung FFA, der Produzent Sol Bondy, die äußerst eloquente Autorin und Wissenschaftlerin Lisa Basten und der neue Berliner Kultursenator Klaus
Lederer. Der standesgemäß wegen weiterer Termine nicht bis zum Ende bleiben konnte und dennoch den größten Beifall einheimste. Zu Beginn zitiert er aus dem Koalitionsvertrag, in dem eine Stärkung der DFFB und des Medienboards festgeschrieben ist, die Förderung nachhaltiger Filme soll intensiviert werden. Wie das umgesetzt werden soll, bleibt unklar, im Gegensatz zu Klaus Lederer, der in aller Deutlichkeit sagt: Hier werde Arbeit hergestellt unter Bedingungen, die ein gesellschaftlicher Skandal sind.

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Er ist erst seit Dezember im Amt, doch die Kreativen fühlen sich schon jetzt von ihm verstanden. Das liegt vor allem an einer Aussage, die er in jedem Interview und auch auf diesem Podium erneuert: Kunst sei Arbeit und Arbeit müsse bezahlt werden. Die persönliche Freiheit dürfe nicht verbunden sein mit dem sozialen Fall ins Nichts. Klaus Lederer plädiert für das bedingungslose Grundeinkommen und führt auch die künstlerischen Ergebnisse ins Feld: Was für eine Kunst entsteht, wenn sie nur von denjenigen gemacht werden kann, deren Eltern das Geld haben? Eine berechtigte Frage, für deren Antwort die Zeit fehlt, die vielleicht gar nicht auf dieses Podium gehört, wo es um Arbeitsverträge, Mindestlohn und Altersvorsorge geht. Die derzeitigen Bedingungen sind katastrophal, die 60-Stunden-Woche ist keine Ausnahme.

Mehrmals ist der Vorschlag zu hören, weniger Filme zu produzieren, dafür besser finanzierte. Etwas muss passieren, da zumindest herrscht Einigkeit, die Selbstausbeutung muss ein Ende haben, erst recht, wenn sie mit öffentlichen Geldern betrieben wird.

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