Konzert in Berlin

So war's bei Tegan and Sara im Huxleys

Beim Konzert am Mittwochabend im prall gefüllten Huxleys an der Hasenheide schwelgt das Duo in einem partyaffinen Synthie-Pop.

Tegan and Sara auf der Bühne

Tegan and Sara auf der Bühne

Foto: pa

Die Metamorphose scheint vollkommen. Tegan und Sara Quin, die kanadischen Zwillingsschwestern, die wunderbar harmonierenden Sängerinnen und Songschreiberinnen, die engagierten Ikonen der Queer-Community, haben sich über die Jahre stilistisch enorm gewandelt. Sie haben die E-Gitarren ihrer frühen Folk- und Indierock-Phase endgültig eingemottet. Beim Konzert am Mittwochabend im prall gefüllten Huxleys an der Hasenheide schwelgt das Duo in einem basslastigen, partyaffinen Synthie-Pop, der durch kluge Arrangements und die Tiefe der Songs freilich weit entfernt ist von 80er-Jahre-Beliebigkeit.

Mit einer kraftvollen, dem neuen Sound angepassten Version von "Back In Your Head" von 2007 eröffnen Tegan and Sara den Abend. Ein Keyboarder, ein Schlagzeuger und eine auch mal an die Tasten wechselnde Bassistin stärken den Schwestern den Rücken. Auch später bei Stücken wie dem punkgetriebenen "Northshore" sind die kantigen Gitarren-Riffs getilgt, dafür pumpen nun schneidende Keyboardsounds nach vorne. "Wir wissen ja, dass die Welt gerade aus den Fugen gerät", ruft Tegan – wie die Mitmusiker ganz in Weiß – in den Saal. Aber deshalb wolle man noch enger zusammenstehen. Und gemeinsam feiern.

Tegan ist die forsche Hälfte der Schwestern, plaudert zwischen den Songs gern mit dem Publikum, während Sara, mit schwarzer Lederjacke über der weißen Kluft, eher durch Augenrollen ihren Kommentar abgibt. Stimmlich sind die beiden, die einst von Altmeister Neil Young entdeckt wurden und 2000 auf dessen Vapor-Records-Label das energisch folkrockige Indie-Album "This Business of Art" veröffentlichten, wie Pech und Schwefel. Sie bezaubern mit von emotionaler Kraft getriebenen Stimmen, die sich in melodieseligen Refrains vereinen.

Fein beobachtende Songschreiberinnen

Sie singen viel vom vorigen Album "Heartthrob", aber auch etliche Songs der im vergangenen Jahr erschienenen achten Platte "Love You To Death", die mit ihrem zeitgemäß aufgepeppten Retro-Sound betont poppig daherkommt. Auch mit den neuen Songs beweisen sich die 36-jährigen Entertainerinnen als fein beobachtende Songschreiberinnen, die wendig zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt zu wechseln verstehen.

Und irgendwann im Verlauf des Abends holt Tegan dann doch eine bunt bemalte Klampfe hervor, die, wie sie sagt, von ihrer Schwester mehr vermisst werde als von ihr. Nur zu zweit und zum Klang der ansonsten verschmähten Saiten singen sie einige Lieder, darunter das frühe "Living Room", bevor die Synthiemaschine wieder angeworfen wird.

Und das ganze Huxleys ist in Bewegung, wobei Männer den verschwindend geringen Anteil im Publikum bilden. Natürlich gibt's noch das neue, hitverdächtige Stück "Boyfriend" und Erfolge wie "Closer" und den Klassiker "Walking With A Ghost". Da sind wir längst bei den Zugaben. So macht Synthie-Pop Spaß. Der Jubel ist ohrenbetäubend.

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