Neue Co-Intendantin

Staatsballett demonstriert gegen Sasha Waltz

„Rettet das Staatsballett!" - Die Tänzer lehnen die neue Intendantin aus künstlerischen Gründen ab. Die Proteste haben begonnen.

Demo vor der Komischen Oper: Die Tänzer fühlen sich offenkundig von der kulturpolitischen Entscheidung überrumpelt

Demo vor der Komischen Oper: Die Tänzer fühlen sich offenkundig von der kulturpolitischen Entscheidung überrumpelt

Foto: Jörg Krauthöfer

"Die Tänzer des Staatsballetts Berlin, lehnen die Ernennung von Sasha Waltz und Johannes Öhman zu Co-Intendanten des Staatsballetts ab der Spielzeit 2019/20 ab", heißt es im offenen Brief, der am Sonntag veröffentlicht wurde. Mit Nacho Duatos Choreografie "Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere" hat das streikerfahrene Staatsballett Berlin in der Komischen Oper seine Saison und eine neue Runde des Protestes eröffnet. Eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn demonstrierten Tänzer vorm Eingang und warben für die Onlinepetition "Rettet das Staatsballett!"

Am vergangenen Mittwoch hatte Michael Müller (SPD), der Regierende Bürgermeister und Kultursenator, die neue Doppelintendanz vorgestellt. "Wir lehnen die Idee einer künstlerischen Doppelspitze rigoros ab", heißt es jetzt beim Staatsballett. Es solle ein einziger Kandidat mit einer klaren künstlerischen Vision gefunden werden, der die Compagnie prägt. "Wir respektieren die Arbeit von Sascha Waltz, sehen sie aber als völlig ungeeignet an, unsere Compagnie zu führen. Sasha Waltz ist eine Tanztheater-Choreographin." Diese Form des Bühnentanzes benötige aber andere tänzerische Qualitäten als die, die ein klassisch-ausgebildeter Balletttänzer entwickelt. Allein die Ernennung von Sasha Waltz zur Co-Intendantin des Staatsballetts würde den Ruf des Staatsballetts als eine weltweit anerkannte klassische Ballettcompagnie beschädigen, heißt es in dem Schreiben weiter, und zwar nicht nur aus Sicht der Öffentlichkeit, sondern auch aus der Perspektive klassisch-geschulter Balletttänzer und Choreografen.

Die Tänzer fühlen sich überrumpelt

Die Tänzer fühlen sich offenkundig von der kulturpolitischen Entscheidung überrumpelt. Eine solche Ernennung drei Jahre im Voraus sei in der Ballettwelt beispiellos, heißt es. Die Compagnie sei tief verstört und beleidigt. "Dass diese Ankündigung inmitten des Wahlkampfs erfolgt, lässt uns zu dem Schluss kommen, dass sie weniger künstlerisch als vielmehr politisch motiviert ist, was abermals von einem tiefgreifenden Mangel an Respekt für unsere Compagnie, unsere Tradition, unsere Kunstform und unser Publikum zeugt." Die Ernennung sei zu vergleichen mit der Ernennung eines Tennistrainers zu einem Fußballtrainer oder eines Kunstmuseumsdirektors zu einem Chefdirigenten. Die Entscheidung von Michael Müller und Kulturstaatssekretär Tim Renner zeige "die völlige Unkenntnis beider über die Traditionen und Entwicklungslinien von Tanz und insbesondere Ballett".

Die Tänzer fordern den Stiftungsrat der Stiftung Oper in Berlin auf, die Entscheidung nicht zu ratifizieren. Vielmehr solle umgehend eine Findungskommission eingesetzt werden, um für die Nachfolge von Nacho Duato nach der Spielzeit 2018/19 einen General­intendanten für das Staatsballett zu finden. Die Tänzer schlagen vor, dass dieser Kommission neben Vertretern aus Politik und Verwaltung, auch Ballett- und Tanzexperten, aber insbesondere auch Vertreter des Staatsballetts angehören. Aus dem offenen Brief spricht viel Misstrauen gegenüber der Opernstiftung. Weitere Protestaktionen sollen deshalb in Vorbereitung sein.

Zur Startseite