Berlin-Konzert Macklemore mag Merkel und mehr

Ein äußerst freundliches Konzert: Macklemore in Berlin

Foto: BM

Ein äußerst freundliches Konzert: Macklemore in Berlin

Vor 7000 Menschen spielt Macklemore in der Mercedes-Benz-Arena, ganz nett und familientauglich. Rap in seiner freundlichsten Variante.

Macklemore, das ist dieser freundliche Großraumdisco-Rapper aus Seattle, der so nett ist, dass er sich stets auf seinen CDs und Tour-Plakaten und Tour-Pullovern "Macklemore und Ryan Lewis" nennt. Ganz liebenswürdig teilt er das Spotlight mit seinem Produzenten.

Aber auf der Bühne, da muss dann doch wieder alles seine Ordnung haben, da steht "und Ryan Lewis" hinten an den Reglern, beschienen von der großen Leinwand, die rote Teppiche zeigt und Limousinen und Britney Spears, wie sie Madonna küsst, damals, und Kanye West und all die anderen Zeilen aus "Light Tunnels", dem Song in dem Macklemore sein neues Leben als Prominenter reflektiert.

"Shine your light", rappt er, und es scheint so light. Macklemore, das ist der Musiker, der nie Probleme hatte, also keine echten. Sicher, er erzählt da mal diese Geschichte von dem Jungen, der für seine Turnschuhe umgebracht wurde ("Wings"), und man kann auch nachlesen, dass Macklemore mal viel Marihuana geraucht und Hustensaft getrunken hat, weil er das Codein so mochte. Aber eigentlich, da hat er nie Probleme gehabt, und so tragen seine Texte wie er, eine herrlich strahlend weiße Weste. Junge Eltern lieben ihn dafür. Sie bringen ihre Kinder mit in die Mercedes-Benz-Arena.

Pop-Show mit einem Hauch HipHop

Sie wissen, Macklemore, das ist ein gutes erstes Konzert. Denn es ist eine Pop-Show mit einer großen Ahnung von HipHop und großen amerikanischen Clubs. Aber statt obszön tanzenden Frauen, gibt es hier Humor und Flügel, Streicher und Bläser. Die Musiker tanzen mit ihren Instrumenten. Die Musik kommt vom Band.

"That's my big reality show that is scripted". Dann wird alles dunkel, und der Applaus bricht über ihn herein, über Macklemore, "und Ryan Lewis" steht hinten im Dunkeln. Der Rapper im Spotlight kniet nieder. Niederknien, das ist seine Geste. Niederknien statt Beine breit. Die Kinder klatschen. Dann zieht er seinen Parka mit dem neuen Albumtitel auf dem Rücken aus und den Pullover mit dem Logo auf dem Bauch auch. Macklemore trägt ein simples, graues T-Shirt – wie Mark Zuckerberg. Erfolg, er kann so einfach sein.

Er sagt Deutschland ist neben Australien sein zweitwichtigster Markt. Applaus. Alle freuen sich für ihn. Hip-Hop-Arme winken über den Köpfen, wie Schlangen über den Körben, es flötet, er lädt sein Publikum ein zu "Thrift Shop". Seiner Erfolgssingle über einen Secondhand-Laden und dessen teure T-Shirts. Und der Bass knallt dazu so schön, er massiert die Nasenflügel, lässt sie beben und zittern. Kinder lachen. Kinder quieken. Und fassen sich an die Nase.

Bier und Bratwurst sind toll

"I fucking love Berlin", sagt Macklemore immer wieder. Es ist eben das, was Menschen aus den USA halt sagen, wenn sie in Deutschland auftreten. Dass sie Schnitzel mögen und Bier und Bratwurst und Sauerkraut, aber sich bei Letzteren eigentlich doch nicht so sicher sind. Aber dennoch, alle müssen jetzt mal applaudieren für Essen. Für Food. Food is important. Yeah.

Dann sagt Macklemore, dass er Deutschland mag, weil es ein gutes Beispiel sei, für die Welt, weil es seine Grenzen offen lässt und bedingungslos denen hilft die Hilfe brauchen. Der Applaus ist jetzt noch größer, als der für Bratwurst. Er ist Macklemore, er ist Polit-Rap light. Alles light. Handylichter an. Schunkeln. Aber immerhin, sagt man sich, Macklemore mag Merkel und mehr. Bratwurst eben.

Er rappt dann gegen Schwulenhass. Und für mehr Respekt für die schwarze Kultur. Und Mohnfelder und Kirschbaumblüten ziehen auf der Leinwand hinter ihm vorbei. Die Single "Downtown" vom neuen Album schließt alles ab, mit einem gelb-roten Konfettiregen auf die Crowd, die so freundlich gehüpft hat, die letzten Lieder durch, ganz verschwitzt bleiben ihnen die Schnipsel auf der Stirn kleben und Macklemore holt "und Ryan Lewis" nach vorne, das Publikum soll ihn beklatschen. Ganz freundlich.

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