Kultur

Literaturfestival Berlin: Flüchtlinge im Mittelpunkt

Flüchtlinge stehen im Fokus des Literaturfestivals in Berlin

Marina Naprushkina stammt aus Weißrussland. Seit einigen Jahren engagiert sich die Künstlerin in der Berliner Bürgerinitiative "Neue Nachbarschaft Moabit". Jetzt hat sie ein Buch darüber geschrieben. Am 9. September wird zum Auftakt des Internationalen Literaturfestivals (ILB) im Haus der Berliner Festspiele aus "Neue Heimat?" gelesen. Dieses Jahr stehen Flüchtlinge im Mittelpunkt des Festivals. Naprushkina hat ihr Buch geschrieben, weil sie ein Porträt der deutschen Gesellschaft und ihrem Umgang mit Asylsuchenden zeichnen will, "wie es wirklich ist", betont sie. Das erlebt sie jeden Tag bei ihrem Engagement für Flüchtlinge in Moabit.

Auch in den 85 Veranstaltungen des Kinder- und Jugendprogramms steht die Situation von Flüchtlingen weltweit im Mittelpunkt. Insgesamt 21 Autoren aus elf Ländern haben rund 30 Bücher im Gepäck, 26 davon sind Premieren. "Wir wollen fragen: Welche Rolle können Kunst und Kultur spielen, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen", erklärt der Programmleiter der Sektion "Internationale Kinder- und Jugendliteratur", Christoph Rieger. Und betont: "Bücher helfen, die Welt besser zu verstehen und die Grenzen des eigenen Ichs zu überwinden." Einer der Gäste, der sich schwierigen Themen, zum Beispiel Abschiebung, in seiner Literatur für Jugendliche widmet, ist Frank Cottrell Boyce. Der Brite ist das erste Mal beim ILB zu Gast und stellt einen Roman in internationaler Premiere vor. In "Der unvergessene Mantel" (2012) zeigt er seinen jungen Lesern die Lebenswelt von illegal aus anderen Ländern eingewanderten Menschen. Cottrell Boyce wird das Kinder- und Jugendprogramm des Festivals eröffnen.

Von einem anderen Teil der Erde und aus einer anderen Welt kommt Javier Martinez Pedro. Neben seiner Arbeit als Bauer zeichnet er seit seinem dreizehnten Lebensjahr – vor allem auf Baumrindenpapier. Sein Illustrationsdebüt "Migrar" erzählt die Geschichte einer mexikanischen Familie, die sich auf eine gefährliche Reise in die USA begibt – und zeigt, dass die Flüchtlingsthematik auch in Amerika aktuell ist.

Einen Blick von außen auf das Christentum wirft im Gegenzug Navid Kermani. Am Eröffnungstag präsentiert er sein Werk "Ungläubiges Staunen". Der Korankenner und Orientalist vertieft sich darin in die christliche Bildwelt. Ist er ein Fremder, der in einer unbekannten Welt unterwegs ist? Was sieht er? Eine Religion voller Opfer und Klage, Liebe und Wunder, unvernünftig und abgründig zugleich. Der in Deutschland geborene Autor erhält im Oktober den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Christoph Riegers Idee beim dies­jährigen Literaturfestival: Flüchtlinge sollen selbst aktiv an Veranstaltungen teilnehmen können. "Wir arbeiten während des Programms mit sogenannten Willkommensklassen für Flüchtlings­kinder und mit verschiedenen Flüchtlingsheimen zusammen." Darüber hinaus erarbeiteten Studenten der Freien Universität in Berlin Unterrichts­materialien zu den vorgestellten Büchern. Die Situation der Flüchtlinge soll auch über das diesjährige Festival hinaus Thema bleiben.

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