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23.02.12

Dokumentation

Wohin uns ein Tunnel mitten durch die Erde führt

Viktor Kossakovskys Film "Vivan las antipodas" untersucht, was etwa in Botswana geschieht – und auf der gegenüberliegenden Seite des Planeten, in Hawaii.

© farbfilm
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Es ist eine Frage, die viele als Teil des eigenen Weltbegreifens in Erinnerung haben: Was machen eigentlich die Menschen, die, von der wundersamen Erdanziehungskraft gehalten, auf genau der mir gegenüberliegenden Seite des Globus leben? Wer es ernst meinte und eine Antwort suchte, wurde meist enttäuscht, weil sich auf der "anderen Seite" der Kontinente oft eben nur ödes Meer befindet.

Viktor Kossakovsky, in Russland geborener und länger schon auch mit deutschen Fördergeldern arbeitender Dokumentarfilmer, hat sich für sein Filmkonzept vier Stellen ausgesucht, die bei Durchstechung des Erdkerns nicht ins Leere greifen, sondern auf einen anderen Kontinent stoßen.

Der Film nimmt die Zuschauer gefangen

Von Argentinien nach China, von Chile an den Baikalsee, von Spanien nach Neuseeland und von Botswana nach Hawaii – diese vier "Antipodenpaare" verbindet Kossakovsky in seinem Film. Mit seinen geduldigen, prächtigen Naturaufnahmen, seinen meisterhaft gefilmten hektischen Stadtmomenten und der ausgefeilten Inszenierung von Fels und Lava, See und Wind, Tierhäuten und Menschengesichtern nimmt der Film seine Zuschauer zunächst gefangen.

Sehr schnell aber beginnt auch eine leise Irritation: Die Schauplatzwechsel werden durch recht alberne Montagen eingeleitet, in denen etwa Szenen der gegenüberliegenden Erdoberflächen spiegelbildlich gegeneinander montiert und dann gekippt werden. Wobei sich Kossakovsky zum Beispiel den "Bildwitz" eines auf dem Kopf gekippten Autos erlaubt. Sehr viel tiefer werden die Betrachtungen nicht.

Zuhören lohnt sich nicht

Die Tonspur rückt an vielen Stellen das entfernte Geschehen und die beiläufigen Unterhaltungen sehr nahe heran – aber das genaue Zuhören lohnt sich eigentlich nie. Sicher, die abgefilmte Realität bietet dem interessierten Zuschauer immer einen gewissen Ersatz fürs eigene Reisen und Sehen.

Am Baikalsee herumzulungern oder in Shanghai an der Straße zu stehen, wer diese Momente genießen kann, ist hier nicht falsch. Wer etwas darüber hinaus erwartet, einen schlüssigen Gestaltungsgedanken etwa, der über das bloße Zeigen von Gegensätzen und Gemeinsamkeiten hinausgeht, wird schwer enttäuscht werden. Zumal der Film sehr aufwendig gedreht erscheint und sicher nicht billig war.

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