Ballett
Zeitsprung rückwärts – das kann nur John Neumeier
Der Ehrenbürger und Ballett-Intendant Hamburgs wird eigentlich 73 Jahre alt. Offiziell feiert er aber lieber erst nochmal seinen 70. Geburtstag.
Von Stefan Grund
Ballett-Intendant John Neumeier ist ein absolutes Ausnahmetalent. Nur die wenigsten Ballettgrößen weltweit beherrschen neben Pirouetten auch den gestreckten, rückwärts gewandten Zeitsprung über drei Jahre. Neumeier schon, also feiert er am 24. Februar mal wieder seinen 70. Geburtstag.
Diesmal zum ersten Mal öffentlich. Dabei liegt dieser 70. Geburtstag, zu dem ihm seine katholische Heimatgemeinde St. Johannis in Eppendorf vor gut 1100 Tagen öffentlich gratulierte, nun eben exakt drei Jahre zurück. Und die katholische Kirche ist bekanntlich in Geburtstagsfragen unfehlbar.
Neumeier hingegen ist irgendwann in dunkler Vorzeit in die Vergangenheit gesprungen, und statt gelegentlich in die Gegenwart zurückzuspringen, hat er in seiner persönlichen Geburtstagschoreografie einen Ausweichschritt drangehängt.
Tatmotiv Eitelkeit?
Seinen Ehrentag verbringt der Ehrenbürger der Hansestadt mit einem gewissen Sicherheitsabstand auf Reisen in Nordamerika. Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) gratuliert denn auch salomonisch nicht mehr zu einem ganz bestimmten Geburtstag, sondern nur noch allgemein mit: "Ehre, wem Ehre gebührt – daher gratuliert Hamburg seinem Ehrenbürger jedes Jahr herzlich zu seinem Geburtstag. Und ganz sicher feiern wir im nächsten Jahr das 40-jährige Bühnenjubiläum von John Neumeier in Hamburg besonders groß."
Tatsächlich ist der ehemals jüngste Ballettdirektor des Landes, der vermutlich seinerzeit nicht ganz so jung war wie gedacht, mittlerweile der dienstälteste Ballettdirektor der Bundesrepublik geworden. Bis die Party zum Bühnenjubiläum vom 71. beziehungsweise 74. Geburtstag ablenkt, wird es also weiter heißen: Und jährlich gratuliert das Gerüchtemurmeltier.
Denn über die Motive der historischen Verjüngung herrscht keine Klarheit. Eitelkeit gilt allgemein als völlig unwahrscheinlich. Doch gefeiert wird, das steht fest, am 24. Februar. Denn der Geburtstag ist im Gegensatz zum Geburtsjahr völlig unumstritten.
Neckisch: Neumeiers Geburtstag zu Ehren benennt das Fairmont Hotel "Vier Jahreszeiten" diesmal eine seiner Alster-Suiten um. Für zwei Monate wird daraus die John Neumeier Suite. So lange gibt es zur Begrüßung Champagner.
Danach heißt sie dann wieder Alster. Prost. Solange sie Neumeier heißt, ist der Übernachtungspreis des Intendanten würdig: Eine Nacht mit John Neumeier kostet in der Suite 880 Euro.
Natürlich nicht mit ihm persönlich. Stattdessen müssen die Hotelgäste mit der Biografie John Neumeiers, "Bilder eines Lebens" von Horst Koegler, als Andenken vorliebnehmen, die ist im Übernachtungspreis enthalten. Kostet neu knapp 30 Euro.
Kann man also direkt von der ersten Nacht abziehen. Zudem gibt es DVDs mit Neumeier-Balletten. Ob die Ballettlegende selbst mal in den "Vier Jahreszeiten" in der nach ihm benannten Suite übernachten wird, wusste das Hamburg Ballett nicht zu sagen.
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