16.02.12

Shitstorm-Action

Wenn eine Killerin haut, rennt, tötet, flieht

Steven Soderbergh stellt auf der Berlinale "Haywire" vor. Darin verschafft sich eine Ex-Marine-Soldatin auf genretypische Weise gewalttätigen Respekt.

Von Holger Kreitling
Foto: dapd/DAPD
Steven Soderbergh zeigt Agententhriller auf der Berlinale

Oft macht die Berlinale aus sonnigen Gemütern mürrische Typen. Immer im Dunkeln sitzen, nää, da wird beinahe jeder zum Misanthropen. Oft sind die Filme auch noch anstrengend und wenig lebensbejahend. Aus mehreren Gründen sei deshalb der Besuch von Steven Soderberghs "Haywire" empfohlen. Es geht schon damit los, dass das erste und das letzte Wort "shit" ist, also praktisch ein Shitstorm-Film; "Shitstorm" ist ja der frisch gekürte Anglizismus des Jahres. Ansonsten ist dieser kleine Film auf raffinierte Weise intellektuell, obwohl fast nur gehauen, getötet, gerannt und geflohen wird.

Die Ermittlerin und freischaffende Killerin Mallory gerät in eine Intrige, nachdem sie in Barcelona einen gefangen Chinesen befreit hat. Ihr Chef betrügt sie. Sie rächt sich. Der Film beginnt mit einer Flucht, entfaltet die komplizierte Geschichte in Geständnissen und Rückblenden.

Bekannte Gesichter tauchen auf, Ewan McGregor als Mallorys Arbeitgeber, Michael Fassbender als Agent, Antonio Banderas und Michael Douglas als undurchsichtige Geheimdienstler. "Haywire" wurde schon im Frühjahr 2010 gedreht, also vor Michael Douglas' Krebserkrankung .

Hauptdarstellerin Gina Carano als Mallory ist ganz unbekannt und doch eine perfekte Wahl. Die ehemalige Martial-Arts-Kämpferin trat in der TV-Show "American Gladiators" auf, wo es darum geht, dass Amateure und Profis sich schlicht auf die Nase hauen. Ihre Problemlösungen sind einfach: Kampf. So ziemlich alle Figuren werden buchstäblich geschlagen, Mallory, Ex-Marine-Soldatin, setzt auf die Jean-Claude-van Damme-Methode, bei der sehr wenig gefragt und gesagt wird. Man solle an sie nicht als Frau denken, raunt ein Agent, der ihre Ermordung befielt. Man erfährt wenig über die Frau und weiß doch eine Menge: Action is character.

Warum blinkt der Wagen ganz hinten?

Und doch ist es ein typischer Soderbergh-Film, der stilistisch so gar nichts von herkömmlichen Agenten- oder Martial-Arts-Filmen hat. Als Regisseur und zugleich Kameramann begrenzt er die Räume und Farben, entwirft eine Welt voll künstlicher Coolness, die den holzschnittartigen Figuren entsprechen. Der Film ist nicht perfekt, will es nicht sein. Die Rohheit und beschränkte Ausdrucksfähigkeit von Mallory muss Soderbergh angespornt haben. Statt auf Hektik und bildübergreifende Paranoia wie in den "Bourne"-Filmen setzt er auf Ruhe und die Gewissheit, dass Unsicherheit und Angst entstehen, wenn die Helden nicht genug sehen.

Dann genügt es auch, nur eine Straße zu zeigen. Mallory geht minutenlang durch Dublin, sie ist auf der Flucht. Jedes Auto, jeder Fußgänger ist verdächtig. Wer bewegt sich falsch? Was macht der Typ im Mantel da links? Warum blinkt der Wagen ganz hinten? Da ist das physische Genrekino ganz bei sich. "Haywire" funktioniert prächtig als smarte Musteranordnung. Seht her, sagt der Film, so kann es auch gehen.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Multimedia
Filmfestival

Berlinale 2012 – Die besten Bilder der Stars

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Belästigungsvideo "Ich betreibe Kampfsport und habe trotzdem…
Vorsicht Kamera! Hochzeit aus der Sicht einer Whiskey-Flasche
Nach Pokalsieg Pep Guardiola denkt nur noch an Borussia Dortmund
Israel Radikaler Rabbiner überlebt Attentat
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Kleine Horror-Show

Halloween, das Fest des Gruselns

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote