Online-Abstimmung
Wieviel Blut braucht das Cover eines Krimis?
Seit zehn Jahren lässt die Autorenvereinigung "Syndikat" über den "originellsten, stimmigsten, markantesten, schönsten" Mordsgeschichtenumschlag abstimmen.
Von Elmar Krekeler
Ein Tropfen Blut, ein einziger Tropfen rotes Blut. Die Menge des besonderen Saftes, die auf jenen zwölf Kriminalromanumschlägen vergossen wird, die noch bis zum 5. April um die Auszeichnung "Bloody Cover" des Jahres konkurrieren, lässt auf eine Renaissance des Giftmords schließen. Doch das täuscht. Der Blutverlust auf den Covern der Krimis verhält sich immer noch durchaus umgekehrt proportional zu dem, was sie verhüllen, was sie verkaufen helfen sollen.
Seit zehn Jahren lässt das "Syndikat", die hochmögende Vereinigung der deutschsprachigen Kriminalschriftstellern, ihr Publikum abstimmen, herausfinden, was der "originellste, stimmigste, markanteste, schönste" Mordsgeschichtenumschlag ist. Und das Einheitlichste unter den bisherigen Preisträgern ist, dass keine einheitliche Ästhetik gibt, dass sie sämtlich sämtliche Genreklischeevorstellungen unterlaufen, dass sie sich – wahrscheinlich mit deutlicher Unterstützung und ausgesprochener Sympathie durchs "Syndikat" – geradezu auffällig um eine Entkriminalisierung bemühen.
Die Kriminalliteratur ist erwachsen geworden
Es war jedenfalls schon mal deutlich einfacher, Kriminalromane im Meer der Bücher zu erkennen. Die Kriminalliteratur , könnte das heißen wollen, ist endgültig erwachsen geworden, ist raus aus ihrer Bahnhofsbuchhandelsphase, braucht keine reißerische Verpackung mehr.
Titel, Bild und Typo erzählen eine Geschichte, die nicht unbedingt eine kriminelle sein muss, die in ihrer Ernsthaftigkeit suggeriert, dass es keine Grenze mehr gibt zwischen E- und U. Was ja, wäre es tatsächlich so, geradezu einem Quantensprung im deutschen Literaturverständnis gleich käme.
Wie auch immer: Noch bis zum 5. April kann jedermann Einfluss nehmen und abstimmen unter www.krimi-forum.de .
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