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13.02.12

Late Night "Günther Jauch"

Hintze geißelt "parasitäre" Wulff-Berichterstattung

Schwere Vorwürfe erhoben Jauchs Talkgäste gegen Christian Wulff. Dieser demontiere das Amt des Bundespräsidenten. Wulff-Intimus Peter Hintze hielt mit Feuereifer dagegen.

Getty Images/Getty

Chronik der Affären des Bundespräsidenten:

46 Bilder

"Wulff und die Amigos – wenn Politik auf Wirtschaft trifft...!" hieß das Thema bei Günther Jauch. Anlass für seine nunmehr vierte Sendung zum deutschen Bundespräsidenten war ein neuer Vorwurf gegen Christian Wulff, der am 8. Februar 2012 öffentlich wurde:

Filmfinanzier David Groenewold ("Zettl") soll dem Politiker und dessen Gattin 2007 einen Luxus-Urlaub auf Sylt bezahlt haben. Angeblich habe Wulff jedoch das Geld in bar an den Freund erstattet. Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft den Fall.

Im Zusammenhang mit Gronewold wurde auch eine Bürgschaft des Landes Niedersachsen in Höhe von vier Millionen Euro für die Briefkastenfirma des Filmunternehmers, die von 2007 bis 2010 existierte, genannt. Grund für Günther Jauch, noch einmal die gesamte Wulff-Affäre aufzurollen, die vom privaten Hauskredit über das kostenlose Fahren des Audi Q3 vor dessen Markteinführung bis hin zum Flugupgrade reicht.

Bei Jauch sitzt der letzte Wulff-Verteidiger

Als besonderen Gast kündigte Jauch die ehemalige Gattin von Gerhard Schröder und somit ehemalige First Lady von Niedersachsen an: Hiltrud Schwetje. Sie erschien an diesem Abend am sachlichsten – wenn sie denn mal zu Wort kam.

Denn der Ex-CDU-Generalsekretär Peter Hintze, der ein Vertrauter von Wulff ist, riss dieses unentwegt an sich. Er wirkte geradezu aufgeputscht wie von 50 Kaffees, hatte allerdings auch die schwierigste Aufgabe der Runde zu erfüllen.

Er verteidigte als Letzter der CDU vehement Wulff, sprach von "parasitärer Berichterstattung" und unfairem Umgang mit dem Politiker. "Es ist durch die 'Jagd' von drei wichtigen Zeitungen entstanden. Jetzt schreiben alle dazu und alles wird skandalisiert", sagte Hintze und fügte hinzu: "Alle Vorwürfe gegen Wulff sind widerlegt."

Schwetje sagte hingegen, es sei "allerallerhöchste Zeit", dass Wulff zurücktritt. Außerdem: "Schon das Duzen mit Wirtschaftsbossen verbietet sich." Ihr reiche bereits, dass er für sein Haus einen Kredit aufgenommen und später einen Bankkredit bekommen habe, "den kein normaler Bürger bekommen würde".

Die Unternehmensberaterin Gertrud Höhler nannte es "eine Geiselhaft, in die der Bundespräsident das Amt genommen hat, und er gibt es nicht wieder her". Sie "leide physisch" darunter, dass Wulff "das Amt demontiert".

Eine Affäre von Peinlichkeiten

Heide Simonis, die ehemalige Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins (SPD), meinte in einer der wenigen Situationen, in denen Hintze sie aussprechen ließ, es gehe nicht um das Worum, sondern um das Wie. Denn Wulff hätte auf die Vorwürfe der vergangenen acht Wochen "selten dämlich reagiert".

Sie könne die Leute – 54 Prozent im aktuellen ARD-Deutschlandtrend – verstehen, die ihn aus dem Amt haben wollen. Es sollte ihrer Meinung nach zwischen Politikern und Unternehmern "Spielregeln geben, die jeder durchschauen kann".

Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl schien extrem gelangweilt von der Diskussion. Seine Gattin sei Politikerin, wie er immer wieder herausstellte, und mit der duze er sich. Als Unternehmer im Luftfahrtbereich sei er jedoch "kein Freund" von Upgrades für Politiker. Ansonsten fand er die ganze Diskussion "skurril", weil überflüssig.

Hintze redete so, als stünden Kopf und Kragen für ihn auf dem Spiel. Von den Diskussionsteilnehmern erntete er dafür lediglich mitleidige Blicke. Seine Argumente glichen denen aus der Talkshow "Sabine Christiansen" vom Dezember 1999, in der es darum ging, ob Kohl und seine Politik käuflich gewesen seien. Hintze damals wie gestern: "Für diesen Vorwurf gibt es keine Belege."

Günther Jauch ließ den Talk laufen. Es wirkte, als hätte er dabei die Fragekarten seiner vergangenen drei Wulff-Talks in der Hand. Am Ende der Sendung verwies er auf die Abwahl von Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Suggestiv? Was denn sonst.

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