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07.02.12

Schauspieler

Trauer um Ohnsorg-Star Edgar Bessen

Er stand auf der Bühne neben Heidi Kabel und Henry Vahl: Jetzt ist der beliebte Hamburger Schauspieler Edgar Bessen mit 78 Jahren gestorben.

© Juergen Joost
Schauspieler Edgar Bessen

Edgar Bessen war einer, der Klartext redete – privat wie bei der Arbeit. "Ich kann Gesabbel nicht ab. Das macht mich wahnsinnig, wenn jeder seinen intellektuellen Kram hineinpackt. Das tut nicht nötig", befand er als Schauspieler mit unüberhörbarem hanseatischem Zungenschlag.

Auch im täglichen Leben hielt er es nicht anders. Das machte ihm nicht überall Freunde. Bis zum Schluss aber blieb sich Edgar Bessen treu, der viele Jahre als Ohnsorg-Star das Gesicht des niederdeutschen Theaters mitgeprägt hatte, bevor er dort kündigte – "Ich wollte dort nicht nach den jungen Burschen die alten Tölpel spielen" –, um an anderen Hamburger Theatern ein neues Rollenspektrum auszuloten.

Wie das Ohnsorg Theater jetzt mitteilte, ist Bessen am 2. Februar in Hamburg im Alter von 78 Jahren gestorben.

Der große Schatten von Onkel Henry

Man könnte den mit kleiner Statur, strahlend blauen, kiebig verschmitzten Augen, einem schlohweißen Haarschopf und einer unverwechselbar hohen Stimme ausgestatteten Bessen schon insofern als Urgestein des Ohnsorg Theaters bezeichnen, als er das niederdeutsche Gen sozusagen in sich trug. Sein Onkel war der unvergessene Henry Vahl, dem Hamburg buchstäblich zu Füßen lag und der Bessen, er war von 1960 bis 1979 am Ohnsorg engagiert, so unauslöschlich im Kopf geisterte, dass er nie eine von dessen Rollen gespielt hat. "Der Schatten war zu groß. Ich hätte das zwar gekonnt, aber ich hätte es nicht besser gekonnt", war er auch da konsequent. Entweder richtig und gut oder gar nicht.

Er war ohnehin kein Schauspieler, der nur auf die großen Rollen erpicht war. So ist es kein Wunder, dass er immer wieder von dem glückseligen Erlebnis sprach, 1991 unter Ruth Berghaus gespielt zu haben. Da war er bereits im Ensemble des Thalia Theaters unter der Intendanz von Jürgen Flimm. "Das muss man nicht noch mal machen. Den lassen wir da stehen, der steht da so wunderbar, da wird nichts verändert", hatte Ruth Berghaus, die Gestrenge, beim Auftritt von Bessen in Bertolt Brechts "Im Dickicht der Städte" befunden. Es war eine winzige Rolle, aber Bessen hat das Lob wie einen Ritterschlag empfunden.

Er hasste "stundenlanges Gesabbel" bei den Proben

Er, der am 11. November 1933 in Hamburg Geborene, war im besten Sinne ein Handwerker. Nicht nur, weil er zunächst eine Tischlerlehre absolvierte, bevor er bei Hildburg Freese das Schauspielerhandwerk erlernte, sondern weil er ein "Macher" war, der den Schauspielerberuf als Einheit von Kopf und Körper verstand und der entschlusslose "Fummelei" und eben "stundenlanges Gesabbel" bei den Proben hasste.

"Man muss etwas ausprobieren und es machen. Wenn ich von oben herunterfallen soll, dann fall ich eben von oben herunter. Wenn nicht, lass ich es sein. So einfach ist das", war sein Arbeitsethos.

Bessen hätte so gern, das gestand er einmal, die zornigen jungen Männer gespielt. So einen wie den Kowalski in Tennessee Williams’ "Endstation Sehnsucht", aber auch Büchners Woyzeck oder den Beckmann in Borcherts "Draußen vor der Tür". Er hätte nach zehn Jahren den Absprung vom Ohnsorg schaffen müssen, um nicht vorzugsweise ins Komödienfach zu rutschen, haderte er ein bisschen, obwohl Volksschauspielerei beileibe nicht identisch sei mit Blödsinn oder Flachsinn. Aber Sicherheitsdenken ging bei ihm damals vor. Er hatte seine Frau Heidi geheiratet, das Geld hätte gefehlt. So blieb er, bis er 1979 kündigte.

Er blieb immer der junge Mann vom Ohnsorg-Theater

Das Thalia gab ihm später kleine, aber feine Rollen. Edgar Bessen war und blieb aber im Gedächtnis der Zuschauer der junge Mann vom Ohnsorg Theater, zumal die Wiederholungen von Fernsehaufzeichnungen immer wieder jene Zeit heraufbeschworen. Bessen spielte in den letzten Jahren an den unterschiedlichsten Privattheatern, er drehte Fernsehfilme und er warf eine Maxime über Bord, die er sich selbst auferlegt hatte: Man soll nie an ein Theater zurückkehren, von dem man weggegangen ist. Ans Ohnsorg ist er als Gast zurückgekehrt, zuletzt 2008.

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