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07.02.12

Assauer-Doku im ZDF

"Rudi, dein Kopf spielt nicht mehr mit"

Das ZDF begleitete ein Jahr lang Rudi Assauers Weg in den geistigen Verfall. Ein Film über gute und schlechte Tage und den Moment, an dem die Wahrheit ans Licht kam.

dpa/DPA

Viel sagte der Ex-Schalke-Manager nicht. Dafür wurde ihm der langjährige Weggefährte, der ehemalige Sportreporter Werner Hansch (l.), an die Seite gesetzt.

7 Bilder

Er ist einer von bundesweit schätzungsweise 800.000 Betroffenen – aber trotzdem ein Sonderfall. Seitdem in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass Fußballikone Rudi Assauer an Alzheimer leidet, erfährt die Demenzerkrankung eine enorme öffentliche Aufmerksamkeit .

Der Mann, der mit hemdsärmeligem Stil und markigen Sprüchen insgesamt mehr als anderthalb Jahrzehnte den Revierclub FC Schalke 04 prägte, ein Pflegefall? Für viele ist das schlicht unvorstellbar. Und soweit, das zeigt der Film von Stephanie Schmidt, ist es auch noch lange nicht.

Aber die Dokumentation, die das ZDF am Dienstag, 7. Februar um 23.15 Uhr in seiner Reihe "37 Grad" präsentiert, zeigt, dass der Weg in den geistigen Verfall vorgezeichnet ist – auch wenn die Auseinandersetzung damit ungeheuer schwer fällt. Assauer selbst umschreibt es gleich zu Beginn so:

"Da is' was drin, was nich' rauskommt. Ich vergesse manchmal Dinge, die sind unglaublich – wo ich mir an den Kopf fasse und sage: 'O.K. Assauer, so doof kannste doch nich' sein, dass du so Fehler machst!'"

Irgendetwas stimmte schon länger nicht mehr, erzählt die Tochter Bettina Michel. Der Vater, der einst alles unter Kontrolle behielt, wurde fahrig, hatte Erinnerungslücken, mitunter Mühe, sein gewohntes Pensum zu absolvieren. Der als "Stimme des Potts" bekannte Sportreporter Werner Hansch sprach seinen Freund eines Tages darauf an .

"Rudi, ich habe den Eindruck, dein Kopf spielt nicht mehr mit." Woraufhin die Fassade zusammengebrochen sei, die Assauer bis dahin mühsam aufrechterhalten hatte – mit dem Lösen von Kreuzworträtseln und Sudokus, um sich geistig fit zu halten.

Rund einjährige Dreharbeiten

Hansch war es auch, der als "Türöffner" für Stephanie Schmidts Filmprojekt fungierte. Er führte sie in den engen Zirkel von Assauers Vertrauten ein: Neben seiner Familie und Hansch selbst sind das Assistentin Sabine Söldner sowie die behandelnden Ärzte. Bis vor kurzem gehörte auch Assauers zweite Frau Britta Idrizi dazu.

Im Laufe der rund einjährigen Dreharbeiten ging diese Beziehung jedoch in die Brüche. Auf einfühlsame Weise macht der Film an diesem Beispiel deutlich, wie tief die Diagnose Alzheimer in das Leben aller Beteiligten eingreift. Und wie wichtig zugleich Familie und Freunde im Kampf gegen das Vergessen sind.

Höhen und Tiefen wechseln sich ab. An manchen Tagen kommt der alte Assauer zum Vorschein, der für seinen damaligen Verein, den SV Werder Bremen, kurzerhand ein Flugzeug "kaperte", um die Mannschaft nach einem Auswärtsspiel und vor einem wichtigen Pokalspiel schnell wieder nach Hause zu bringen.

Nähe nicht mit Distanzlosigkeit verwechselt

"Ich hab' dafür Sorge getragen, dass das Flugzeug dementsprechend geflogen ist", sagt Assauer nicht ohne Augenzwinkern. Ein anderes Mal dann ein Besuch beim Arzt, wo der einst so mächtige Fußballmanager daran scheitert, die Zahlen auf einem leeren Uhrblatt richtig einzutragen.

Von solch berührenden Momenten lebt der Film, der Nähe nicht mit Distanzlosigkeit verwechselt – obwohl der mediale Trommelwirbel im Vorfeld das Gegenteil befürchten ließ. Zu sehr häuften sich in den vergangenen Tagen "Exklusiv-Beiträge", Hinweise auf die geplante Buchveröffentlichung Assauers und der Verweis darauf, dass er sich zu seiner Erkrankung nur im ZDF äußern werde.

Doch irgendwie passt dann auch das wieder zu dem Mann, der gerne mal etwas dicker auftrug und sich deswegen schon mal als "Kaschmir-Prolet" beschimpfen lassen musste.

Trotz seiner Krankheit gelingt es Assauer immer noch, mit den vielen Klischees zu spielen, die über ihn im Umlauf sind. Das Ende des Films zeigt "Stumpen-Rudi" wie zu Beginn noch einmal im Garten, stilecht eine Zigarre schmauchend.

Kurz zuvor hat er die Frage beantwortet, ob er nach der Diagnose an Selbstmord gedacht habe – schnörkellos und ehrlich, eben echt "Assi". "Nein, die paar Jahre, die wir haben, die wollen wir doch noch leben."

"Rudi Assauer – Ich will mich nicht vergessen!" am Dienstag, 7. Februar um 23.15 Uhr im ZDF. Lesen Sie die ausführliche Besprechung der Sendung auf Morgenpost Online

Quelle: KNA/mak
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