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04.02.12

Isabelle Huppert

"Alle Frauen sind auf ihre Weise stark"

In dem Film "Captive" ist Isabelle Huppert als entführte Missionarin zu sehen. Ein Gespräch über starke Frauen, die Berlinale und die besten Regisseure.

picture alliance / dpa/EPA

Isabelle Huppert gilt als eine der bedeutendsten Schauspielerinnen ihrer Generation. Sie wurde 1953 in Paris geboren.

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Sie ist die große Diva des französischen Kinos – und des zeitgenössischen Films überhaupt: Isabelle Huppert kommt zur Berlinale mit ihrem neuen Film "Captive". Der Thriller des Regisseurs Brillante Mendoza, der ins Rennen um den Goldenen Bären geht, beruht auf einer wahren Begebenheit. Isabelle Huppert spielt eine Missionarin, die zusammen mit einer Gruppe Touristen auf den Philippinen von der islamistischen Extremistengruppe Abu Sayyaf entführt wird.

Morgenpost Online : Frau Huppert, wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Brillante Mendoza?

Isabelle Huppert : Wir lernten uns 2009 in Cannes kennen. Ich war Präsidentin der Jury und habe ihn als besten Regisseur für seinen Film "Kinatay" ausgezeichnet. Von da an hielten wir Kontakt. Er behauptete mir gegenüber, dass er für "Captive" sofort mich als Hauptdarstellerin im Auge hatte. Es ist uns eine große Ehre, dass der Film Wettbewerbsbeitrag bei der diesjährigen Berlinale ist, denn das wichtigste Auswahlkriterium bei diesem Festival ist die Qualität des Films. Zudem ist Berlin eine Stadt, die ich sehr liebe.

Morgenpost Online : Wie beschreiben Sie den Film "Captive"?

Huppert : "Captive" ist ein Film über das Schicksal von Menschen, denen nicht nur die Freiheit verweigert wird, sondern auch jeglicher Anhaltspunkt, der dazu dienen könnte, Freiheit zu bewerten. Neben den beiden Missionaren werden weitere Menschen gekidnappt, die nach und nach verschwinden. Die Protagonisten wissen nicht, ob die anderen befreit oder aber getötet wurden, und diese Ungewissheit ist schließlich schlimmer als die Entführung selbst.

Morgenpost Online : Sie haben soeben die Dreharbeiten zu "Love" von Michael Haneke beendet. Wie war es für Sie, wieder mit dem Regisseur vom Film "Die Klavierspielerin" zusammenzuarbeiten?

Huppert : Ich habe den Film noch nicht zusammenhängend gesehen, doch ich bin sehr optimistisch. Wie könnte man das nicht sein, wenn man mit Haneke dreht. Er ist nicht so streng, wie viele von ihm behaupten. Er ist zweifellos ein Perfektionist, er erzählt ernste Geschichten, aber doch immer mit einem besonderen Sinn für Humor zwischen Karl Kraus und Thomas Bernhard.

Morgenpost Online : Bewegt es Sie immer noch, nach einer so langen Karriere, wenn Sie sich selbst auf der Kinoleinwand sehen?

Huppert : Glücklicherweise berühren mich diese Momente nach wie vor, und das liegt daran, dass ich nur mit Regisseuren arbeite, bei denen ich weiß, dass mir ihre Filme gefallen werden. Sobald ich im Kino sitze und der Vorspann läuft, gelingt es mir manchmal zu vergessen, dass ich die Person auf der Leinwand bin und ich lasse mich von der Geschichte mitreißen. Ist der Film besonders schön, bin ich begeistert, wenn ich nur daran denke, dass so viele Leute gemeinsam wochen- oder monatelang daran gearbeitet haben und das Ergebnis erfüllt uns alle über lange Zeit mit Stolz. Ich denke, dass uns das Gleiche auch mit "Captive" passieren wird.

Morgenpost Online : Sie sind berühmt für Ihre starken Frauenrollen. Erkennen Sie sich in den Figuren, die Sie darstellen, auch selbst wieder?

Huppert : Heutzutage von starken Frauen zu sprechen, halte ich für sehr oberflächlich und herabsetzend. Alle Frauen sind auf ihre Weise stark. Auch eine Frau, die gedemütigt wird, erträgt das nur aufgrund ihrer eigenen Willenskraft.

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