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03.02.12

Quoten-Kampf

Hat Gottschalk den keiner mehr lieb?

"Gottschalk live" befindet sich im freien Quotenfall, und der Moderator macht sich mit Bittbriefen lächerlich. Oder will er zurück zu seiner alten Sendung?

Getty Images/Getty

Man muss sich an vieles bei "Gottschalk live" erst einmal gewöhnen, ...

6 Bilder

Niemand moderiert Friede, Freude und Eierkuchen in Deutschland so gekonnt wie Thomas Gottschalk. Natürlich gibt es andere Entertainer, die ihr Fach beherrschen, aber bei einem wie Florian Silbereisen ist das Ergebnis pappsüß, bei Harald Schmidt beschweren sich die Kinder über den bitteren Beigeschmack.

Thomas Gottschalk aber macht bekanntlich Kinder froh und Erwachsene ebenso. Und diesen Frohsinn braucht der Entertainer für wie sonst nur noch das Mikrofon – Gottschalks größtes Kapital ist sein schlagfertiges Mundwerk, aber das muss auch zuschlagen dürfen. Deshalb zeugte es von Größe, als er im vergangenen Jahr "Wetten, dass…" abgab.

Im Dezember 2010 war Wettkandidat Samuel Koch in der Familienshow nach einem misslungenen Sprung über ein Auto reglos liegengeblieben. "Ich kann jetzt nicht so weiter moderieren, als wäre nichts passiert", sagte Gottschalk, während dem Saal der Atem stockte – und bald wurde ihm klar, dass er damit nicht nur die laufende Sendung gemeint hatte.

Auf eine der legendärsten Primetime-Shows des deutschen Fernsehens zu verzichten, weil man das Gefühl hat, der Friede, die Freude und der Eierkuchen seien raus aus dem Format, zeigt, mit was für sensiblen Antennen der Moderator auf seine Arbeitsumgebung reagiert.

Die Quote ist das Problem

Und damit wären wir bei dem Problem "Gottschalk live" angelangt. Die neue Vorabendshow befindet sich im freien Quotenfall. Die erste Folge am 23. Januar sahen noch solide 4,34 Millionen Zuschauer, inzwischen schafft man keine 1,5 Millionen mehr. Die Lage ist offenbar so schlimm, dass der Moderator, der von einem Publikum nur als Resonanzboden abhängig, eigentlich aber alles andere als eine Rampensau ist, sich in zwei offenen Briefen gar an die "Bild"-Leser gewandt hat.

"Manchmal erfülle ich die Bitte der ,Bild' um Wortspenden eher zähneknirschend", schrieb er zum Ende der ersten Sendewoche und anlässlich von immerhin noch 1,82 Millionen Zuschauern, aber diesmal sei er "eher dankbar" für die Möglichkeit, über das Boulevardblatt um Geduld zu bitten: "Nur eines ist mir wirklich wichtig: dass das Publikum mir die Zeit gibt, auf einem neuen Sendeplatz zu einer neuen Form zu finden."

Und genau eine Woche später, nämlich gestern, wurde an gleicher Stelle um gleiches gebeten – ergänzt mit dem Hinweis, hätte ihm der ZDF-Programmdirektor nach dem Quotendesaster am Mittwoch (eigentlich erstaunliche 1,4 Millionen sahen seinem peinlichen Plattitüden-Plausch mit Karl Lagerfeld zu) eine Rückkehr zu "Wetten dass" angeboten – er wäre zumindest ins Wanken geraten.

Häme wird Tür und Tor geöffnet

Diese Briefe beweisen zwar genauso wie seine zappelige Moderation wieder Gottschalks Gespür dafür, ob er mit seinem Publikum auf gleicher Wellenlänge liegt – oder eben nicht. Aber von Größe ist hier keine Spur mehr. Solche Anbiederungen hat Thomas Gottschalk nicht nur nicht nötig - sie öffnen der Häme Tür und Tor.

Die ARD-Vorabendschiene wird nicht ohne Grund "Todeszone" genannt. Wer zwischen 19 und 20 Uhr Fernsehen guckt, guckt entweder "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" oder Regionalnachrichten. Personality-Shows aber funktionieren nur, wenn sie von Persönlichkeiten moderiert werden, nicht Persönchen. Verlierer will man nur sehen, wenn sie Käfer essen.

Vielleicht benötigt Thomas Gottschalk derzeit eine Prise von Harald Schmidts Mir-doch-egal-wenn-die-Leute-zu-blöd-sind-mich-gut-zu-finden-Arroganz. Vielleicht sind aber auch einfach die Zeiten vorbei, in denen man sich als mittelalter Mann nur hinter einen übergroßen Schreibtisch setzen musste, um Erfolg zu haben.

Schmidt sendet im Sat. 1-Nachtprogramm bekanntlich auch weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Was ein Herr Schmidt oder ein Herr Gottschalk über die Welt zu sagen haben, ist im Zeitalter der social media irrelevant geworden. Vielleicht muss sich das Unterhaltungsfernsehen auf seine Kernkompetenz beschränken: Friede, Freude, Eierkuchen.

Lesen Sie auch: Was Zuschauer über #GottschalkLive twitterten

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