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01.02.12

RTL-Show

Jung, unterwürfig – Das antike "Bachelor"-Frauenbild

Das veraltete Frauenbild ist gruselig, macht aber für viele den Reiz der Verkupplungs-Sendung aus: Beim "Bachelor" auf RTL erlebt das Weibchen-Ideal der 1950er-Jahre eine wahre Renaissance.

RTL/Stefan Gregorowius

Alexandra ist eine Juwelierfachverkäuferin und sagt: "Einen selbstverliebten Gockel mag ich gar nicht".

20 Bilder

Die Sonne strahlt mit dem Zahnpastalächeln von Paul Janke um die Wette. Der Mister Hamburg 2008 genießt die Gesellschaft von leicht bekleideten "Mädchen", wie der Sender RTL die Teilnehmerinnen von "Der Bachelor" lapidar beschreibt.

Dabei sind die "Mädchen" teilweise schon über 30 Jahre alt und stehen mitten im Berufsleben. Aber ob Architektin, Bürokauffrau oder Krankenschwester, vor dem Junggesellen wirken sie alle so souverän wie kichernde Schülerinnen.

Ein Mann und 20 Frauen, die bereit sind alles zu tun, um sein Herz zu erobern. So kann man das Konzept von "Der Bachelor" in einem Satz beschreiben. In einer Luxusvilla im sonnigen Kapstadt will Single Paul, den RTL als "gutaussehend, humorvoll, sportlich und intelligent" anpreist, seine Frau fürs Leben finden. Und die scheint vor allem eines zu sein: unemanzipiert.

Es wird gelästert, gestichelt und viel nackte Haut gezeigt. Die Teilnehmerinnen versuchen einiges, um den 30-Jährigen von sich zu überzeugen. Der einen oder anderen fällt auf, wie billig und anbiedernd das wirken muss, aber nur, um gleich hinter dem Rücken der restlichen Damen darüber zu tratschen.

Sehnsucht nach der klassischen Weibchen-Idylle

In dieser Staffel setzt sich vor allem die 21 Jahre alte Kunstgeschichts-Studentin Georgina als Oberzicke in Szene, dicht gefolgt von ihrer Erzfeindin Jinjin. Der Bachelor verteilt in jeder Folge munter Rosen und schickt die Ladys nach Hause, die ihn nicht ausreichend umgarnen. Aus anfangs 20 Teilnehmerinnen sind mittlerweile sieben geworden.

Doch nicht nur die Kandidatinnen vom "Bachelor" benehmen sich einem antiquierten Frauenbild entsprechend. Der Diplom-Psychologe Michael Thiel beobachtet besorgt einen Trend zum "Weibchen-Ideal der 50er-Jahre". In Zeiten der Wirtschaftskrise würden sich einige junge Frauen nach Sicherheit sehnen.

"Die Welt da draußen macht vielen Angst. Manche Mädchen leben in einer Traumwelt und wünschen sich einen Prinzen, der für sie sorgt", sagt Thiel. Er sehe es kritisch, dass Frauen – trotz oftmals guter Ausbildung aus Angst vor der Konkurrenz in der Berufswelt oder sogar aus Bequemlichkeit beziehungsweise Kalkül – in die alten Rollenbilder zurückfallen und sich versorgen lassen wollen. Eine Sehnsucht nach der klassischen Idylle.

Ein Format wie "Der Bachelor", das genau diese geheimen Wünsche bedient, erreiche den Zuschauer auf emotionaler Ebene. Dabei ist vieles nur schöner Schein: Die Villa ist gemietet, der 30 Jahre alte Image-Manager Paul wohnt in Hamburg in einem 55 Quadratmeter großen Ein-Zimmer-Appartement.

Reichtum sieht anders aus. Immer wieder gibt es auch Gerüchte, einige der Kandidatinnen wären gecastete Darstellerinnen. Auch Thiel glaubt, dass viele der "Versorgungsfälle" dann doch mehr Interesse am Rampenlicht als am Mann haben.

Regelmäßig über vier Millionen Zuschauer

Die Zuschauer scheint das nicht zu stören, zuletzt erreichte die Sendung einen starken Marktanteil von 23,5 Prozent. Und mit der Quote geht es sogar weiter aufwärts. Regelmäßig schauen über vier Millionen Zuschauer zu. Das werden nicht alles verträumte Möchtegern-Prinzessinnen sein. Der hohe "Fremdschämfaktor" der Show lockt auch Fans des gepflegten Trash-TV vor die Bildschirme – nur diesmal in der Luxusversion.

Im Jahr 2003 lief das Format schon einmal. Aus dem Junggesellen Marcel Maderitsch und der "Gewinnerin" der Staffel Juliane Ziegler ist kein Paar geworden. Die Berlinerin hat die Show als Karriere-Sprungbrett genutzt. Sie arbeitet heute als Moderatorin und Reporterin für verschiedene Fernsehsender.

Sollte es dennoch dazu kommen, dass aus der Frau, die am Ende die letzte Rose erhält, und dem blonden Paul ein Paar wird, sieht Michael Thiel keine Zukunft für diese Verbindung. "In einer Beziehung ist das Gleichgewicht der Mächte extrem wichtig, um dauerhaft glücklich zu sein", so der Therapeut.

"Ist einer von beiden beispielsweise der alleinige Geldverdiener und nutzt diese Rolle als Versorger auch aus oder ist dominant, was das Treffen wichtiger Entscheidungen anbelangt, führt dies zu einem Ungleichgewicht und der andere Partner wird früher oder später unglücklich."

Bei "Der Bachelor" sind die Rollen von Anfang an klar verteilt. Eine gleichberechtigte Beziehung habe unter diesen Umständen einen schwierigen Start.

Aber im Gegensatz zu Generationen von Frauen, die gegen die Ungleichbehandlung gekämpft haben, entscheiden sich die Kandidatinnen von "Der Bachelor" bewusst dafür. Zumindest vor der Kamera.

"Der Bachelor" am Mittwoch, 1. Februar 2011 um 21.15 Uhr auf RTL

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