23.11.11

RBB feuert Moderator

Ken Jebsen bestreitet Vorwürfe per Youtube-Video

Nach Antisemitismusvorwürfen und trotz öffentlicher Entschuldigung trennt sich der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) von dem umstrittenen Moderator Ken Jebsen. Der weist nun in einer neuen Stellungnahme bei Youtube die Begründung für seinen Rauswurf zurück.

Foto: rbb/Gerd Gschwandtner/rbb Presse & Information
Unter Verdacht: Radiomoderator Ken Jebsen
Moderator Ken Jebsen war nur kurz wieder auf Sendung

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) trennt sich von Moderator Ken Jebsen: Dem 45-jährigen Macher bei Sendung "KenFM" im RBB-Jugendradio Fritz war vorgeworfen worden, er habe sich antisemitisch geäußert. Aus Sicht des RBB aber war das nicht das alleinige Problem. In einer Mitteilung des RBB wird Programmdirektorin Claudia Nothelle mit den Worten zitiert, der Sender habe in Sachen Jebsen feststellen müssen, dass "zahlreiche seiner Beiträge nicht den journalistischen Standards des RBB entsprachen".

Im Anschluss an das Ergebnis der Überprüfung habe der Sender mit Jebsen "verbindliche Vereinbarungen über die Gestaltung der Sendung 'KenFM' getroffen". Die Vereinbarung allerdings habe Jebsen "wiederholt nicht eingehalten." Darum ist Jebsen, der als freier Mitarbeiter bei dem ARD-Sender beschäftigt war, raus bei Radio Fritz.

Es bleibt nicht dabei: Stefan Warbeck, bislang der Programmverantwortliche für das RBB -Jugendprogramm Fritz, verliert seine Position. Warbeck gebe auf eigenen Wunsch die Programmverantwortung für Fritz ab, heißt es in einer Mitteilung des RBB. Begründung: In Jebsen Radio-Show seien "in den vergangenen Monaten mehrere nicht ausreichend redaktionell geprüfte und abgenommene Beiträge" gesendet worden. Zudem habe Moderator Jebsen "ohne Abstimmung mit der Redaktion Beiträge auf der Seite KenFM.de online gestellt".

Jebsen wies den Vorwurf zurück - in einer Stellungnahme bei Youtube . "Als Begründung wird behauptet, ich hätte mich zuletzt wiederholt nicht an verbindliche Vereinbarungen über die Gestaltung der Sendung 'KenFM' gehalten. Dieser Vorwurf wird von mir zurückgewiesen." Bebildert ist das Youtube-Video mit dem berühmten Foto, das einen Demonstranten in der chinesischen Hauptstadt Peking während der Studentenproteste im Jahr 1989 zeigt, der sich vier Panzern entgegenstellt. Darunter steht "Courage - When a cause is more important than anything."

Jebsen sagt in dem Video außerdem, dass er sich "aufgrund laufender Verhandlungen" nicht weiter zu seinem Rauswurf beim RBB äußern wolle. Er tat es dann doch - bei Youtube und bei Facebook. Bei Youtube veröffentlichte er ein weiteres Video , das als Reaktion auf die Antisemitismusvorwürfe und seine Rolle darin interpretiert werden kann - was mit keinem Wort erwähnt wird. Darunter steht allerdings ein Stephane Hessel (Autor des Buches "Empört Euch!") zugeschriebenes Zitat, wonach Israel nur dann sicher existieren könne, wenn ein palästinensischer Staat entsteht. Was wiederum als Bezug auf die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Jebsen und die Kritik des Zentralrats der Juden an dem Moderator gesehen werden kann.

Auf der Facebook-Seite zur Sendung "KenFM" jedenfalls wurden beide Videos gepostet; zahlreiche Nutzer äußerten sich - der Großteil davon spricht sich für Jebsen aus, viele fordern: "Weitermachen!" Auf der Website von Radio Fritz wurde die Profilseite von Jebsen inzwischen anscheinend gelöscht.

Zehn Jahren hatte Jebsen Sonntag für Sonntag auf Radio Fritz die Sendung "KenFM" moderiert. Dann hatte der RBB "KenFM" am 6. November kurzfristig abgesetzt. Der Publizist Hendrik M. Broder hatte zuvor in seinem Blog eine E-Mail veröffentlicht , die Jebsen an einer Hörer geschickt hatte. Darin findet sich unter anderem die – orthografisch falsche – Formulierung: "ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat." Jebsens Sendung wurde daraufhin nicht ausgestrahlt.

Noch am selben Tag rechtfertigte sich Jebsen via Youtube und bestritt die Vorwürfe. In der Sendung vom 13. November entschuldigte sich Jebsen dann: "Es tut mir leid, dies war nie meine Absicht", sagte der Moderator. Wer seine Sendung auch nur ein Mal gehört habe, müsse wissen, dass der Vorwurf, er würde den Holocaust leugnen, "absurd" sei. RBB-Programmdirektorin Nothelle hatte zuvor angekündigt, dass der Politikanteil in der Sendung künftig deutlich reduziert werde.

Jebsen sagte in der Sendung weiter, er habe im Anschluss an eine Sendung eine "zugegebenermaßen missverständliche private Mail an einen Hörer" verfasst. In der hitzigen Diskussion seien vielleicht journalistische Standards verletzt worden. Mit der Formulierung "Ich weiß, wer den Holocaust als PR erfunden hat" habe er sich auf den "Erfinder der Public Relation, Edward Bernays" bezogen. Berrnays, Jude und ein Neffe von Sigmund Freud, gilt als Vater der Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations, PR). Er stammte aus Österreich; Bernays war ein Jahr alt, als seine Eltern mit ihm in die USA auswanderten. 1928 veröffentlichte Bernays das Buch "Proaganda". Joseph Goebbels, Propagandaminister des nazionalsozialistischen Deutschlands, hatte in seiner "Propaganda-Bibliothek" unter anderem Bernays Buch "Crystallizing Public Opinion" von 1923. Bernays berichtet darüber in seiner Autobiografie.

Jebsen hatte sich um Thema so geäußert: "Das war keine Holocaust-Leugnung, es ging um die Propaganda und ihren Mechanismus." Der RBB teilte diese Auffassung anscheinend. Allerdings hatte Claudia Nothelle schon in einem interview mit der Berliner Morgenpost gesagt: "Die politischen Aussagen, die er da teilweise in fast 15 Minuten ausgeführt hat, sind oftmals ziemlich wirr, auf jeden Fall absolut missverständlich. So, dass ich der Auffassung bin: So etwas hat im RBB keinen Platz, das hätte so nicht gesendet werden dürfen.". Nichtsdestotrotz heißt es in der Mitteilung vom Donnerstag: "Der Sender hat Herrn Jebsen gegen den Vorwurf verteidigt, er sei Antisemit und Holocaust-Leugner." Aber jetzt ist Schluss – weil Jebsen sich nicht an die Auflagen hielt. "Wir bedauern das und müssen auf seine Mitarbeit künftig verzichten."

Quelle: nbo/dino
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