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09.11.11

Kampf der Fieslinge

Schmidt vs. Stromberg – TV-Duell der Alpha-Idioten

Wer ist der Gemeinste im ganzen Land? ProSiebenSat.1 schickte die beiden Oberschurken der Sendergruppe gegeneinander ins Duell: eine Analyse von Schmidt vs. Stromberg.

(c) ProSieben / Willi Weber

So war es 2009: Bernd Stromberg, gespielt von Christoph Maria Herbst, ist der fiese Typ aus dem Büro.

13 Bilder

"Ich habe noch Dreck unterm Nagel. Könnt Ihr das in groß bringen? Habe ich jemandem beim Warm-up die Hand gegeben?" – raten Sie, wem dieses ambitionierte Bäuerchen über die Lippen gerutscht ist: Harald Schmidt, der Mann, über den Rudi Carell einmal gesagt hat: "Harald liebt sein Publikum nicht"? Oder war es doch Bernd "Stromberg" beim Anlauf zu einer neuen Charme-Offensive?

Am Dienstag, 8. November, meldeten sie sich beide TV-Schurken zurück, der eine aus seinem Wochenende und der andere zum Start der 5. Staffel der Büro-Sitcom "Stromberg”. Für Freunde der klaren Kante war es als ob Weihnachten mit Ostern zusammenfiel.

Zwei Figuren, die laut aussprechen, was andere nicht einmal zu denken wagen. Ohne Rücksicht auf political correctness. Fast schien es, als lieferten sie sich ein Duell – wären da nicht die Sender, ProSieben und Sat.1, die letztlich zusammen gehören.

Der aufstrebende Vize-Bereichsleiter der Capitol AG gegen den müde gewordenen Chefzyniker des deutschen Fernsehens, der "Papa" gegen den Harry, der sich selber immer noch dirty nennt, obwohl er schon seit geraumer Zeit eher lazy daherkommt. Dieses Mal konnte sich Harald Schmidt immerhin dazu aufraffen, eine schöne Spitze gegen das ZDF zu schießen - "Wetten, dass ..?" machte es möglich:

"Haben Sie gelesen, was Tommy in der Bild gesagt hat? ,Der Knochen, den ich hinterlasse, ist schon ziemlich abgenagt.' Nicht schön, so von Michelle Hunziker zu sprechen."

Autor Ralf Husmann verbindet beide TV-Fieslinge

Der Gag stammt – natürlich - nicht von ihm. Irgendein Autor hatte sich das Hirn verrenkt, damit der Late-Night-Talker an diesem Tag neben "Stromberg" eine gute Figur machte. Mühe alleine genügte jedoch nicht.

Keiner ist so boshaft wie jener Mann, der den Versicherungsfuzzi aus der Abteilung Schadensregulierung M-Z zuverlässig mit rhetorischen Scharfschüssen versorgt, die Fanclubs gewissenhaft für die Nachwelt archivieren: Ralf Husmann.

Ironie des Schicksals: Der Autor und Produzent der Büro-Sitcom hat jahrelang als Chefautor und Produzent für die "Harald Schmidt Show" gearbeitet, bevor er mit der Figur des Pograpschers und Papas seinen besten Herrenwitz schuf. Nein, nein, jede Ähnlichkeit zwischen den beiden prominenten Alpha-Idioten wäre zufällig oder frei erfunden.

"Chef is' nix für Eierlose", das ist so ein Spruch aus der Feder von Husmann, der wie ein Kaugummi an den Sohlen von Stromberg klebt. Er lässt ihn scheinbar beiläufig fallen, als er einen jungen Mann durch sein Reich führt, der als Azubi bei der Capitol AG anfangen will.

Er heißt Malik und ist Deutsch-Marokkaner. Und er bietet Stromberg eine Steilvorlage für ein Kontrastprogramm zu dem Geschwurbel um "Zuwanderer" oder "Menschen mit Migrationshintergrund".

"Die Moslems sind die neuen Homosexuellen", verkündet er da in schönster Stammtisch-Prosa. "Wo man damals immer gesagt hat, iiih, bääh, ekelhaft, bleib mir vom Hals mit denen!', da weiß man heute wissenschaftlich, dass die praktisch ganz normal sind. Nur eben anders."

Solche Bonmots hat man von Schmidt schon lange nicht mehr gehört. Okay, er steht unter Zeitdruck. Sein Team muss auf Knopfdruck Pointen aus dem Ärmel schütteln. In der Hektik der aktuellen Produktion bleibt keine Zeit, um kunstvoll Aphorismen für die Ewigkeit zu drechseln.

Doch ist ein bisschen mehr Esprit in seinem Budget beim Bällchensender nicht drin? Oder hat es der mit viel Vorschusslorbeeren bei Sat.1 gestartete Entertainer den Kampf gegen die sinkende Quote schon aufgegeben, bevor er überhaupt begann?

Harald Schmidt wurde zum Schluss ungewollt komisch

Das Duell gegen Stromberg, keine Frage, hat er verloren. Wer dem Papa Paroli bieten will, sollte gelegentlich hinter seinem Schreibtisch hervorkommen und zur Abwechslung aus dem Fenster schauen. Er darf sich nicht mit Watschen gegen Kollegen wie Oliver Pocher oder Johannes B. Kerner begnügen. Beide brachte Schmidt zum Schein als Nachfolger für Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass ..?" ins Spiel."Johannes kann es." Und über Pocher lästerte er. "Er könnte es, Hunziker raus, Sandy mit rein."

Wobei: Komisch war dieses Bashing schon, wenn auch unfreiwillig. Da hockt einer satt und selbstgefällig in seinem Glashaus und wirft mit Steinen - und er trifft ausgerechnet die wenigen, noch verbliebenen Zuschauer.

Der oben zitierte Gag mit dem Dreck unter dem Fingernagel stammt von Harald Schmidt. Stromberg hätte seine Fans mit Büroklammern bombardiert.

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