25.09.11

Berliner Popduo

Rosenstolz möchte wieder Spaß haben

Das Popduo Rosenstolz ist wieder da. Nach drei Jahren Zwangspause erscheint sein neues Album "Wir sind am Leben". AnNa R. und Peter Plate sprechen mit Morgenpost Online über Amy Winehouse, ihre Künstlerfreundschaft, Berlin und den Papst.

Von Sören Kittel
Foto: picture alliance

Schon bei ihrem ersten Treffen in Peter Plates Berliner Wohnung nahmen sie ihren ersten Song auf Kasette auf.

20 Bilder

AnNa R. und Peter Plate vom Berliner Popduo Rosenstolz sitzen in ihrem Kreuzberger Studio und warten darauf, sich die nächste Zigarette anzuzünden. "Man muss hier immer viel rauchen", sagt AnNa R. "Das wird sich jetzt auch nicht mehr ändern." Ansonsten aber wollen sie um einiges kürzer treten. Denn 2009 hatte Plate einen Burnout, Rosenstolz musste die Tour abbrechen. Für eine Weile sah es so aus, als würde es kein 12. Album mehr geben. Dieser Tage aber ist die neue CD "Wir sind am Leben" bei Universal erschienen. AnNa R. merkt man an, dass sie nicht nur über die Burnout-Probleme ihres Bandkollegen reden will, deswegen sprechen wir lieber über Amy Winehouse, ihre Künstlerfreundschaft, Berlin und den Papst.

Morgenpost Online: Zuerst die drei wichtigsten Fragen: Wie geht es Ihnen? Wie war der Urlaub? Sind Sie gerade verliebt?

Peter Plate: Mir geht es heute ganz gut, mein Urlaub war in Italien, es war super. Und ich liebe meine Katze.

AnNa R.: Mir geht's auch gut, ich war nicht im Urlaub und ich bin immer verliebt.

Morgenpost Online: Herr Plate, Sie hatten Ihre Auszeit in London genommen, hat AnNa Sie da besucht?

AnNa R.: Nee, was soll ich denn in London?

Peter Plate: Ich bin ja extra nach London gegangen, um... naja, nicht um weit weg von AnNa zu sein, eher um mich dem Leben zu stellen. Aber das klingt jetzt ganz schön dramatisch.

Morgenpost Online: Wie war das Zurückkommen aus London?

Peter Plate: Im Januar bin ich endgültig zurückkommen und seitdem monatelang hier. Das ist eine ganz neue Erfahrung, nachdem wir früher nur unterwegs waren.

Morgenpost Online: Was sind die Konsequenzen nach dem Neuanfang? Keine großen Konzerte mehr?

AnNa R.: Das überlegen wir uns, wenn es soweit ist. Was wir zusammen jetzt anders machen, ist, dass wir das Tempo etwas mehr rausnehmen, uns nicht mehr so durchhetzen. Musikmachen kann tödlich sein.

Peter Plate: Das tut auch ein bisschen weh. Natürlich wären wir gern perfekt, nach dem Motto: "Alles ist super und morgen geht's wieder los." Aber dann wäre ich sofort wieder alle. Wir haben beschlossen, dass wir ja auch Spaß haben wollen.

Morgenpost Online: Das Album ist somit aus Spaß entstanden?

AnNa R.: Wir hatten wirklich nicht vor, ein Album zu machen. Mal kam Ulf mit einem Lied, dann Peter, aber ganz ehrlich: Die beiden können nicht so toll singen und dann fragten sie, ob ich nicht mal probieren möchte... Erst nach dem zehnten Song haben wir dann überlegt, ob wir nicht doch ein Album machen sollten.

Morgenpost Online: Und dann gleich so voller Pathos: "Wir sind am Leben"?

Peter Plate: Der Titelsong hat auch mit Berlin zu tun. Ich wollte von London hierher fliegen und mein Flug wurde gestrichen, wegen der Aschewolke. Da bin ich zurück in meine Wohnung und habe mir ganz viele Fragen gestellt und die zu einem Lied zusammengesetzt.

Morgenpost Online: Der Song klingt auch nach einem Rückblick, einer Bilanz?

Peter Plate: Nach 20 Jahren blicken wir schon auf eine lange Zeit zusammen zurück, ja. Unsere Anfänge waren schon sehr holprig. Unsere ersten drei Alben sind mehr oder weniger gefloppt, das vierte auch noch, wir wurden auch mal auf der Bühne ausgebuht...

AnNa R.: Ja, aber du erinnerst dich: Uns war das egal damals, oder? Wir wollten einfach auf der Bühne stehen und Spaß haben!

Morgenpost Online: Wo waren Sie gerade, als Amy Winehouse starb?

AnNa R.: Ich war zuhause und hab das über Videotext gelesen.

Peter Plate: Ich habe nur gedacht, dass sie wirklich tolle Musik gemacht hat und es echt traurig ist, dass es da offenbar keinen gab, der sie stoppen konnte oder aus ihrer Not rausholt.

Morgenpost Online: Sagen Sie, kurze Frage zwischendurch, sind Sie eigentlich befreundet? Ihre früheren Aussagen sind da widersprüchlich...

AnNa R.: Also: Wir sehen uns oft, ja, aber wir unternehmen nichts zusammen. Wir waren zum Beispiel noch nie zusammen im Kino.

Peter Plate: Nee, stimmt. Obwohl, ganz am Anfang waren wir mal zusammen in der Disko, weißt du noch?

AnNa R.: Ach! In der "Busche", wo ich beklaut wurde. Furchtbar... Heute gehe ich gar nicht mehr in Clubs. Ich tanze lieber zuhause. Wenn ich den ganzen Tag mit Menschen unterwegs bin, will ich abends allein sein. Ich mag nicht, wenn um mich zu viele Menschen sind.

Morgenpost Online: Also keinen Exzess? Wie kommt es zu der Zeile: "Ich liege im Aschenbecher"?

Peter Plate: Das ist mir genau so passiert: Ich hab im Bett geraucht – soll keiner nachmachen – und bin tatsächlich in den Aschenbecher gefallen. Ich musste lachen und hab das in mein Notizbuch geschrieben: "Ich lieg im Aschenbecher".

Morgenpost Online: Ist das das persönlichste Lied auf der Platte?

Peter Plate: Ja, auch das zieht ein wenig Bilanz, weil ich wir im Jahr 1994 das Lied "Die Zigarette danach" aufgenommen hatten, was ich auch gesungen habe.

AnNa R.: Ha! Die Rauch-Lieder singst immer du, weil du dabei rauchen darfst. Unverschämtheit!

Morgenpost Online: Im letzten Lied heißt es: "Ich bin zwar älter aber nicht geläutert." Dabei geht doch das Album um Läuterung?

Peter Plate: Ich stelle für mich fest, ich bin noch genauso neugierig wie früher, es ändert sich doch nichts.

AnNa R.: Vor allem, muss man geläutert sein? Ist das denn nötig?

Morgenpost Online: Der Papst würde das schon sagen, er war ja gerade in der Stadt. Was sagen Sie?

AnNa R.: Nichts. Über den Papst rede ich nur mit Freunden.

Peter Plate: Ich habe auf fast jedem Rosenstolz-Konzert über den Papst geredet. Weil er eben meine Art zu lieben nicht akzeptiert. Ich verstehe nicht, dass so jemand einen großen Bahnhof in unserem Land bekommt. Die Positionen, die er vertritt – zu Kondomen, Abtreibung, Selbstbestimmung – bei jedem anderen Staatsmann würde unsere Politik viele höhere Maßstäbe anlegen.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Liebes-Nachhilfe Flirten wie ein Silberrücken
William und Kate Hip-Hop-Crashkurs für die Royals
Xbox-One vs PS4 Microsoft muss knappe Niederlage hinnehmen
Champions-League Guardiola will "überragende Leistung"
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Mode

Kate – die unangefochtene Fashion-Queen

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote