Science-Fiction
In Zukunft gibt es auch Leih-Körper für die Seele
Wenn reiche Leute krank werden, mieten sie sich in Dami Lukacevic' Film "Transfer" einfach einen gesunden Körper. Der allerdings ist schwarz.
Von Michael Meyns
Als Anna jedoch schwer krank wird, treffen die beiden die Entscheidung, von einer neuartigen Technik Gebrauch zu machen, die ihnen ihre Jugend wieder zurückgeben soll.
Ein faszinierendes Konzept, das sich der in Kroatien geborene deutsche Regisseur Damir Lukacevic für seinen dystopischen Science-Fiction-Film ausgedacht hat: In der nahen Zukunft ist es möglich die Seele zu verpflanzen, sich einen neuen Körper zu kaufen.
Eine Firma namens "Menzana" – abgeleitet von der Redewendung Mens sana in corpore sano – Gesunder Geist in gesundem Körper – verkauft diese jungen, schönen, gesunden Körper an wohlhabende Kunden, die dem nahenden Tod so ein Schnippchen schlagen wollen. So plant es auch das Ehepaar Hermann und Anna Goldbeck (Hans-Michael Rehberg und Ingrid Andree), die am Bodensee in einer schmucken Villa leben und von ebenso wohlhabenden Freunden umgeben sind, die allesamt weiß sind.
Das ist nicht ganz unerheblich, denn die jungen Körper, in die die Seele der wohlhabenden Deutschen transportiert wird, sind Schwarz. Es sind die aus Afrika stammenden Sarah und Apolain (Regine Nehy und BJ Britt), die ihre Körper für viel Geld zur Verfügung stellen. Und die nachts, für vier Stunden, die Kontrolle über sich behalten.
Tagsüber dagegen beherrscht das Wesen der weißen Deutschen die schwarzen Körper, genießt die neu gewonnene Agilität und ignoriert die sich langsam verstärkenden Probleme. Denn in den Körpern tobt zunehmend der Konflikt zweier Seelen, wird das Verlangen Sarah und Apolain nach einem selbstbestimmten Leben immer größer.
Schwarz – Weiß Konflikt
Gerade diese Gegenüberstellung von Schwarz und Weiß wirkt zunächst wie ein viel versprechender Ansatz, der Anlass bietet Fragen von Rassismus über moderne Sklavenhaltung bis zur Ausbeutung Afrikas durch die westliche Welt zu thematisieren. Doch die Diskussion dieser ethisch-moralischen Fragen, die der Kern jedes dystopischen Science-Fiction-Films sind, bleibt im Ansatz stecken. Viel zu kompliziert ist die Konstruktion, die Lukacevic mit seiner Co-Drehbuchautorin Gabi Blauert entwickelt hat, vor allem aber viel zu sehr den Thesen verhaftet, die diskutiert werden sollen.
Es ist das alte Problem des deutschen Genre-Kinos: Statt eine spannende Geschichte zu erzählen, die auf unterschwellige Weise substanzielle Fragen aufwirft, werden diese auf viel zu direkte und damit letztlich unsubtile Weise verhandelt. So bleibt am Ende einmal mehr ein halbgarer deutscher Genre-Film zurück: Im Ansatz ambitioniert und spannend, in der Ausführung augenscheinlich in den Gremien des Kleinen Fernsehspiels zerrieben.
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- "Apollo 18": Sind das Russen oder lauert da feindliches Leben?
- Raumfahrt: Verschwörungstheorien – Die Mondlandungslüge
- Kino-Spuk: "Paranormal Activity" – Horror-Hit mit Mini-Budget
- Western trifft Science Fiction: Kommt ein Außerirdischer in den Saloon
- Science Fiction: Ödipus 2.0 am Strand von Sankt Peter-Ording
- Science-Fiction: Lars Kraumes düstere Vision von Deutschland
-
09:52Schlagfertig: Ukrainische Politiker prügeln sich im Parlament
-
09:41Präsidentschaftswahl: Ägyptische Muslimbrüder jubeln nach Wahlkrimi am...
-
09:38Moabit: Berliner Ausländerbehörde mit Steinen und Farbe...
- 1. Drogeriekette Berggruen macht Schlecker-Mitarbeitern Hoffnung
- 2. ifo-Index Griechenland-Krise schickte deutsche Wirtschaft auf Talfahrt
- 3. Schuldenkrise Keine Annäherung zwischen Merkel und Hollande
- 4. EU-Gipfel Griechenland soll nicht um jeden Preis im Euro bleiben
- 5. Ausreißer Kater Felix legt 240 Kilometer bis nach Berlin zurück














