19.06.11

Berliner Walbühne

Rainald Grebe feiert mit 15.000 Fans Geburtstag

Rainald Grebe hat sich bei seinem ersten Auftritt in der Waldbühne mit den Großen der Popmusik gemessen: "Bei Elton John waren 8000, bei mir 25.000." In Wirklichkeit waren es eher 15.000. Trotzdem: Ein unglaublicher Erfolg für den Mann, der noch vor wenigen Jahren gerade mal das kleine Zelt der Bar jeder Vernunft füllte.

Foto: dpa/DPA

Rainald Grebe, 1971 in Köln geboren, begann am Anfang des Jahrtausends, sich einen Namen als Kabarettist und Liedermacher zu machen.

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Es war ein großes Dada-Feuerwerk, mit dem Rainald Grebe am Samstagabend auf der Berliner Waldbühne seinen 40. Geburtstag nachfeierte. Mehr als drei Stunden lang tobte Grebe durch sein Repertoire als Sänger, Kabarettist, Puppenspieler, Alleinunterhalter. Seine sonst sparsam instrumentierten Stücke pumpte er für die rund 15.000 Zuschauer im Beton-Halbrund mit Chören, einem Blasorchester, einem Streichquartett und einer Band auf. Als das Konzert im triumphalen Refrain "Halleluja Berlin" seines Hits "Brandenburg" kulminierte, sangen die Zuschauer stehend mit und verabschiedeten Grebe mit begeistertem Applaus. Grebe erklärte in einer Pressemitteilung, nach diesem "einmaligen Spektakel" wieder ganz klein anfangen zu wollen.

Mit einem weißen Wallach ritt Grebe in die Waldbühne ein, auf dem Kopf den Federschmuck eines Indianerhäuptlings. Zuvor war bereits die "Bolschewistische Kurkapelle" durch die Reihen marschiert, der Gropius-Chor hatte gesungen, und in einem Ring vor der Bühne hatten sich Amateurboxer geprügelt.

Und bizarr sollte es weitergehen. Grebe begann mit "Dörte", dem Song über die öde Germanistikstudentin, die "der Ausweg aus der Spaßgesellschaft" ist. Er riss die Augen auf, warf die Arme in die Luft, schüttelte sich, grimassierte. Und er ätzte weiter unterhaltsam gegen alles und jeden: gegen die ökologische Avantgarde im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, gegen die Land-Bohemiens, die nach ihrer Flucht vor dem Chai-Latte-to-go-Irrsinn der Großstadt doch nur verkümmertes Gemüse und Dorfdeppen finden, die dauernd übers Wetter reden wollen. Oder, mit umgeschnallter Riesen-Pfeffermühle, gegen die 30-jährigen Pärchen, die sich über die Feinheiten der Sushi-Zubereitung unterhalten und ihre provinziellen Eltern verachten.

Das Publikum folgte Grebe überallhin an diesem Abend, sang quietschvergnügt Refrains wie "Ho-ho-Holzspielzeug" mit. Grebe spielte derweil mit den Klischees der großen Rockshow, grölte im Stroboskopgewitter über dröhnende E-Gitarren "Ich bin massenkompatibel" und forderte die Zuschauer auf, jetzt bitte mal Taschenlampen und Knicklichter zu schwenken. Dazu tänzelten Statisten, verkleidet als Dromedar, über die Bühne. Zum Abschluss feuerte Grebe alle seine Schmähhymnen auf die vergessenen, trostlosen Ost-Bundesländer nacheinander ab. Die Besucher aus den jeweiligen Ländern standen bereitwillig auf und sangen strahlend mit.

Quelle: dpa/mim
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