Rückgabeforderungen
Warum Nofretete Berlinerin bleibt
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz beharrt auf die Büste. Klar, wir reden über Nofretete, aber hergeben werden wir sie nicht - mit dieser Strategie reagiert Präsident Parzinger auf die Rückgabeforderungen aus Ägypten.
Von Matthias Wulff
Nofretete war die Gemahlin des Pharaos Amenophis IV., einem König der 18. Dynastie, der im 14. Jahrhundert v. Chr. über Ägypten herrschte.
Einen interessanten Ausflug in die moderne Rhetorik unternahm am Dienstag Hermann Parzinger. Er ist der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Wächter über die Nofretete. In regelmäßigen Abständen klopft, mehr oder weniger vernehmlich, der Generalsekretär des Obersten Rates für Altertümer der Republik Ägypten, Zahi Hawass, bei ihm an und möchte die weltberühmte Büste zurückhaben. Gleiches geschah Anfang der Woche, und nun nahm sich Parzinger die Zeit, ein paar Dinge klarzustellen. Erst einmal, so sagte er bei der Jahrespressekonferenz, sei gar keine offizielle Rückgabeforderung, sondern lediglich eine Mail eingetroffen, als bleibe auch im 21. Jahrhundert die elektronische Post eine obskure Form, Mitteilungen auszutauschen.
Zudem beharre er auf der Position, die "wir den Ägyptern bereits im letzen Jahr vermittelt haben. Nofretete bleibt in Berlin." Das war der Ceterum-censeo-Teil seiner Ansprache. Der freundliche Part bestand aus einem "Kooperationsangebot": "Gemeinsame Ausstellungen und Workshops" könne man ja gemeinsam machen. "Wir strecken die Hand aus", sagte er, "und sie anzunehmen wäre von Vorteil für die Beziehung beider Länder."
Für die Ägypter, die ja weiterhin von einem Fall schweren Diebstahls ausgehen, bedeutet das süßliche Angebot eine komplizierte Falle. Falls sie auf ihrer Forderung beharren, stehen sie als die Starrköpfigen da. Falls nicht, dann geben sie Nofretete für immer verloren "Fakten schaffen", das ist wohl das, was Parzinger gemacht hat. Er halte es nicht nur "für sehr wahrscheinlich, sondern für hundertprozentig gesichert", dass der berühmte Frauenkopf in Berlin bleibe. Und alles andere würde ihm auch keiner in Berlin verzeihen. Schließlich besuchten 1,14 Millionen das Neue Museum im vergangenen Jahr.
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