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19.12.10

Album

Raabe und Humpe als neues Popmusik-Duo

Der Sänger Max Raabe und die Songschreiberin Annette Humpe haben ein gemeinsames Album aufgenommen. Was sie aneinander gereizt hat und was es mit dem Küssen auf sich hat, verraten sie im Gespräch mit Morgenpost Online.

© Universal
Ungewöhnliche Liaison: Sänger Max Raabe mit Songschreiberin und Produzentin Annette Humpe
Ungewöhnliche Liaison: Sänger Max Raabe mit Songschreiberin und Produzentin Annette Humpe

Die beiden mögen sich vielleicht nicht gesucht haben, aber nun haben sie sich gefunden: Annette Humpe (60), Ikone der Neuen Deutschen Welle und zuletzt extrem erfolgreich als Ich + Ich mit Adel Tawil. Und Max Raabe (48), der als Sänger des Palastorchesters seit 20 Jahren für hochklassig-augenzwinkernde Unterhaltungsmusik steht und sogar schon die Carnegie-Hall in New York ausverkauft hat. Gemeinsam haben die beiden nun das neue Album von Raabe geschrieben und aufgenommen. Es heißt "Küssen kann man nicht alleine".

Morgenpost Online: Max Raabe, man kennt Sie als Interpreten von Stücken aus der Weimarer Zeit. Wollen Sie mit "Küssen kann man nicht alleine" die bekannte Marke sanft modernisieren?

Max Raabe: Ich wollte mein Spektrum erweitern, mich ausprobieren. Ich finde auch, dass das ein deutlich modernerer Max Raabe ist. Aber das Thema ist das alte geblieben: Es geht um die Dramen zwischen Menschen. Vor zehn oder vor zwei Jahren hätte das jedoch noch nicht entstehen können. Popmusik war reif für so etwas, und ich war reif für Popmusik.

Morgenpost Online: Ist die Platte ein Wagnis?

Raabe: Ich denke nicht. Ich glaube, sie bietet viel mehr die Chance, meine Lieder und meine Stimme einem Publikum zugänglich zu machen, das mich bisher noch nicht so wahrgenommen hat. Natürlich will ich so viele Leute wie möglich mit meiner Musik einfangen, das gilt ja immer.

Morgenpost Online: Mit dem Palastorchester interpretieren sie hauptsächlich Lieder aus der Weimarer Zeit. Ist diese Weide allmählich abgegrast?

Raabe: Vieles haben wir bereits gemacht, aber noch immer ist nicht alles ausgegraben. Außerdem ist das Orchester hier ja vertreten. Wir haben die Hauptversion des Albums quasi am Computer umgesetzt, die Bonus-CD jedoch mit dem Palastorchester und einem Kammerorchester aufgenommen. Auf der Tournee, die ebenfalls "Küssen kann man nicht alleine" heißen wird, interpretiere ich die neuen Lieder mit dem Kammerorchester. Die neuen Stücke werden auf der Bühne sicher anders klingen, aber sie stehen nicht konträr zu dem, was ich bisher gemacht habe.

Morgenpost Online: Also ist das Orchester nicht verstimmt?

Raabe: Überhaupt nicht. Die Arbeit mit dem Orchester ist absolut nicht in Gefahr.

Morgenpost Online: Was hat euch am jeweils anderen gereizt?

Annette Humpe: Dass ich noch nie mit so einem Sänger wie Max Raabe gearbeitet habe. Ich dachte, den kann man sich ja mal angucken.

Raabe: Ging mir ähnlich. Ich war neugierig auf sie und ich hatte vorher nie Stücke gesungen, die komplett in Zusammenarbeit mit jemand anderem entstanden sind. Ich kenne Annettes Schwester Inga recht gut, aber außer "Hallo" zu sagen, hatte ich mit Annette bis vor zweieinhalb Jahren keinen Kontakt. Wir haben uns dann getroffen und sehr höflich beschnüffelt, zwei Stunden lang in einem Cafe.

Humpe: Seine Höflichkeit hat mir wirklich imponiert. So etwas bin ich von meiner Popszene ja überhaupt nicht gewöhnt. Da kann man schon froh sein, dass einem die Tür nicht vor den Kopf fliegt, wenn man hinter jemandem rein geht.

Morgenpost Online: Und dann?

Humpe: Ist mir beim Fahrradfahren diese Zeile eingefallen. "Küssen kann man nicht alleine". Jeder denkt, diese Zeile gibt es schon, aber sie war wirklich neu.

Raabe: Wir haben erst mal das Stück fertig gemacht, und uns über der Arbeit an "Küssen kann man nicht alleine" besser kennengelernt. Danach ging es richtig los: Bei Ausflügen, im Garten, am See und an Annettes Küchentisch sind die Lieder entstanden.

Morgenpost Online: Sie stammen beide aus Westfalen, Annette aus Hagen, Max aus Lünen. Verbindet die gemeinsame Herkunft?

Raabe: Ein paar Rückblenden in den Sprachgebrauch unserer Kindheit und Jugend haben wir gemacht, klar. Man muss nichts übersetzen und erklären, was wir beide so reden, das gewisse Verständnis war direkt da.

Morgenpost Online: Die Musik klingt leichter als auf herkömmlichen Max-Raabe-Platten.

Raabe: Ja, es sind relativ heitere Songs. Ohne das Schwere und Dunkle aus der Weimarer Zeit. Und doch nicht ohne Melancholie und manche Wahrheit. Wenn man übers Verlieben oder übers Verlassenwerden spricht und das in neuen Texten macht, dann muss das anders aussehen als das, was man vorher gemacht hat. Es muss neu sein, einen anderen Blickwinkel bieten. Eigene Texte im Stile der 20er Jahre zu machen, wäre für mich Etikettenschwindel.

Morgenpost Online: Es geht um verliebte, ungeliebte, eifersüchtige, verlassene, einsame, glückliche Männer.

Raabe: Das komplette Spektrum. Wer gut drauf ist, kommt mit dieser Musik noch besser drauf. "Ich bin nur wegen dir hier" oder "Mit dir möchte ich immer Silvester feiern" kann man zum Beispiel super hören, um sich in Stimmung zu bringen, bevor man selbst auf eine Party geht.

Humpe: Manche Freunde von mir lachen sich schlapp, andere hatten beim Vorspielen Tränen in den Augen. Wobei ich es schwierig finde, wirklich gute Partysongs zu schreiben. Die Lieder, die einen berühren im Leben, handeln meistens von Konflikten.

Morgenpost Online: So wie die Songs, die Sie für Ich + Ich geschrieben haben?

Humpe: Richtig, da wird ja in einer Tour getröstet, in den Arm genommen und gesagt "Ist doch alles nicht so schlimm".

Morgenpost Online: Gibt es Ich + Ich noch oder ist das Thema auserzählt?

Humpe: Wir machen auf jeden Fall eine längere Pause. Adel will und muss selbstständig werden. Und er muss ein eigenes Album machen. Was danach ist, wird man sehen.

Morgenpost Online: Max, sind Sie der "Eifersüchtige Mann" aus gleichnamigem Stück?

Raabe: Ein bisschen eifersüchtig zu sein, ist gar nicht schlecht. Auch wenn man das eigentlich gar nicht nötig hat, wenn man sich wirklich vertraut. Richtig ausfallend werde ich ohnehin nie, ich habe auch noch nie mit Gegenständen auf einen anderen Menschen geworfen. Der Song ist vor allem deshalb entstanden, weil Annette meinte, man könne das Wort "Eifersucht" nicht singen. Ich habe behauptet, ich kann alles singen.

Humpe: Max hatte Recht. Wie Rio Reiser, der konnte auch alles singen.

Morgenpost Online: Wird "Küssen kann man nicht alleine" eine Fortsetzung haben?

Raabe: Wissen wir noch nicht. Wenn die Leute mehr davon wollen, machen wir vielleicht weiter. Lust dazu hätten wir.

Das Album "Küssen kann man nicht alleine" erscheint im Januar 2011 bei Universal. Im Februar startet die große Tournee von Max Raabe und dem Palastorchester, bei der auch die Stücke vom gemeinsamen Album erklingen werden.

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