Lärmschutz-Urteil
Knaack-Club schließt mit langem, lauten Konzert
Mit einem letzten Live-Konzert sendete der Berliner Knaack-Club noch einmal einen Gruß an die Nachbarschaft, die gegen sie geklagt hatte. Zum Jahresende muss die Szene-Institution an der Greifswalder Straße dann für immer dicht machen.
Von Steffen Pletl
Anwohner sind der natürliche Feind eines Live-Clubs. Und sie sind meist die Stärkeren. Das bekam nun auch der Berliner Knaack-Club zu spüren. Die Szene-Institution an der Greifswalder Straße muss zum Jahresende für immer schließen. Doch vier Wochen vor dem endgültigen Aus gab es am Sonnabend ein letztes Live-Konzert. Die Münchener Newcomer-Band From Constant Visions ist damit die letzte Gruppe, die ein Konzert im Knaack-Club gab.
"Da Band – Da Bar" weist die Schrift auf dem provisorisch mit Klebeband an einen Pfeiler gepappte Blatt Papier den Weg durch den Club. Der Laden ist gut gefüllt, den Besuchern bleibt dennoch jede Menge Freiraum. From Constant Visions spielen Punk-Metalcore. Ein wahres Gewitter aus Lichtblitzen und dumpfen Bässen. Sie spielen auf Druck, auf Tempo. Im Sommer ist mit "Feast With The Beast" ihr Debütalbum erschienen, auf dem sie mit energiegeladenem Kraftrock zwischen Punk und Metal überzeugen. Auch live machen sie eine gute Figur. Schnelle Riffs, harte Beats und emotionsmächtiger Gesang. Ein Wände durchdringender letzter Gruß sozusagen an die neue Nachbarschaft.
Die ist gegen den seit mehr als einem halben Jahrhundert dort ansässigen Club vor Gericht gezogen. Mit Erfolg. Der Knaack ist zu laut. Der Knaack muss schließen, damit der einst so schräge Süden vom Prenzlauer Berg zum Hort der Ruhe werden kann. Mit dem Ende des Knaack geht wieder ein Stück Szenekultur verloren. Sie hatte einst den aufmüpfigen Bezirk für Neuberliner so anziehend gemacht. "Die sind inzwischen in die Jahre gekommen und wollen ihren stressigen Alltag in den eigenen vier Wänden auf der Couch zu Ende bringen", sagt Michael Straus. Der 32-jährige hat mehr als zehn Jahre als Techniker im Knaack gearbeitet. Auftritte von Rammstein (die den Club einmal fast abgefackelt haben) oder Sportfreunde Stiller bleiben ihm unvergessen.
From Constant Vision drehen noch einmal auf, so gut es nach den Lärmschutzvorschriften nun mal geht. Und dann ist Ruhe. Ob es einen neuen Klub an anderer Stelle geben wird? Die Betreiber wissen es noch nicht. Am 31. Dezember soll im Knaack-Klub die letzte Party gefeiert werden. Und Prenzlauer Berg ist um eine Attraktion ärmer.
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- Neue Einrichtung: Musicboard soll Berlins Clubszene retten
- "Musicboard"-Initiative: So will die Musikbranche das Club-Sterben stoppen
- Krumme Lanke: See-Anwohner fürchten Facebook-Party
- Kreuzberg: Wie die Polizei die Admiralbrücke partyfrei hält
- Anwohner-Beschwerden: Diese Berliner Clubs stehen vor dem Aus
- Alkoholmissbrauch: Berlin - eine Partystadt im Dauerrausch
-
00:08Präsidentschaftswahl: Unterlegener Kandidat in Ägypten will gegen Wahler...
-
00:00Verkehrssünder: Flensburger Punktedatei soll weiter verschärft...
-
26.05.2012Festnahme: Toter in Friedrichshainer Bar: Verdächtiger gefass...
- 1. Relegationsspiel Hertha BSC und der Abstieg ohne Gnade
- 2. Formel 1 in Monaco Strafversetzung verdirbt Schumacher nicht die Laune
- 3. Nach Berufung Hertha BSC schickt seine Spieler in den Urlaub
- 4. Relegationsspiel Hertha BSC gibt sich offenbar geschlagen
- 5. Stromerzeugung Solaranlagen liefern so viel Strom wie fast 20 Atommeiler














