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11.11.10

Bollywood

Wenn der geplante Selbstmord zur Posse wird

"Live aus Peepli – Irgendwo in Indien" macht die existenzielle Not von Bauern zur grellen Staffage einer Mediensatire.

Rapid Eye Movies/Filmverleih

2010 kam auch "Live aus Peepli – Irgendwo in Indien" in die Kinos. Er macht die existenzielle Not von Bauern zur grellen Staffage einer Mediensatire: Der Bauer Natha aus dem indischen Dorf Peepli ist am Ende.

8 Bilder

Rund 17.000 überschuldete Bauern begehen jährlich in Indien laut nationaler Kriminalstatistik Selbstmord. Ständig wechselnde Hilfspakete der Regierung an die Agrarwirtschaft ändern an dieser Zahl wenig. In ihrem Debütfilm "Live aus Peepli – Irgendwo in Indien" erzählt die Regisseurin Anusha Rizvi von einem dieser überschuldeten Bauern. Sie wählt hierfür allerdings nicht die Form der Tragödie, sondern die der Posse: Der Bauer Natha (Omkar Das Manikpuri) droht Haus und Hof wegen seiner hohen Schulden zu verlieren, seine Mutter beschimpft ihn dafür, und seine Frau erklärt ihn zum Taugenichts.

Dann, eines Tages, kündigt die Regierung ein neues Hilfsprogramm an: 100.000 Rupien sollen die Hinterbliebenen eines jeden Bauern, der Selbstmord begangen hat, bekommen. Nathas Bruder Budhia (Raghubir Yadav) schwätzt ihm ein, dass nun die letzte Chance winke, sich seiner Familie nützlich zu erweisen. Durch Zufall erfährt auch noch ein Fernsehsender von dem nur halbherzig geschmiedeten Plan, und da das Thema kurz vor der Wahl zieht, steht Natha, mehr Dorfdepp als Held, plötzlich im Zentrum eines bombastischen Medienrummels: Reporter fallen in seine Ortschaft ein, Minister, Lokalpolitiker und Gurus versuchen, sein Schicksal zu ihren Gunsten zu steuern, und selbst beim Verrichten der Notdurft wird er von Kameras verfolgt.

Das Indien, das Rizvi als Nathas Mirkokosmos zeigt, erinnert in nichts an die schöne, bunte Welt von Bollywood. Es besteht aus armen Menschen in heruntergekommenen Dörfern inmitten bracher Landschaften, regiert von korrupten Lobbyisten. Allein die amerikanisierte Medienberichterstattung verweist auf Indiens Fortschritt, einen Fortschritt, der den armen Bauern mehr schadet als hilft und sie zum Spielball von unterschiedlichen Machtinteressen und Sensationslust macht.

Rizvis Thema ist spannend, und die dörflichen Laiendarsteller verleihen ihrem Film dokumentarische Authentizität. Doch Rizvi verschenkt diese Potenziale zugunsten einer allzu diffusen Kritik an der politischen Führungsriege und der Fernsehberichterstattung, so dass das menschliche Drama des Bauernopfers schnell im klamaukigen Chaos der Mediensatire untergeht.

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