Thriller
"South" – wo ein Bankräuber zum Sinnsucher verkommt
Zwölf Jahre haben Joachim Krenn und Gerhard Fillei an ihrem Thriller "South" gearbeitet,. Darin sucht ein gescheiterter Bankräuber nach sich selbst.
Von Alexandra Zawia
Dass eine Reise in den Süden schon mal zwölf Jahre dauern kann, zeigen die Österreicher Joachim Krenn und Gerhard Fillei sehr unfreiwillig mit ihrem Film "South". Mehr als ein Jahrzehnt haben sie an dem Projekt gearbeitet, mit dem sie sich so tief vor dem Film Noir verbeugen, dass sie offenbar jeden Blick für ein Ganzes verloren haben und nun erst recht keine stimmige Summe aller Teile präsentieren können.
Die Regisseure schicken hier den Bankräuber Bruce McGray (Matthew Mark Meyer) nicht nur geografisch Richtung Südamerika, sondern auch in seine Vergangenheit, die er in sein Unterbewusstsein verdrängt hat.
Er will nach einem spektakulär gescheiterten Überfall in Los Angeles nach Mexiko, weil ein ihm zugespieltes mysteriöses Tagebuch eine Serie von dort angesiedelten Erinnerungssplittern auslöst. Zuerst aber flüchtet er nach New York – ein Umweg, von dem sich die Regisseure offensichtlich schönere Motive erhofften.
"South" will ein Film der Erinnerungsorte sein, ein spannendes Rätsel. Doch Krenn und Fillei ergehen sich derart hemmungslos in der fragmentarischen Rekonstruktion von Räumen und Ereignissen, dass sie sehr schnell langweilen, wenn sie in massenhaften Schwarz-Weiß-Bildern sukzessive bedeutungsschwangere Momente zusammentragen. Unweigerlich dominieren Rückblenden und Versatzstücke der "Schwarzen Serie".
Das Motiv des flüchtenden Verbrechers wird zum entfremdeten Helden gewandelt, aber Krenn und Fillei zeigen dabei eine derartige Stilisierungswut, dass sie sämtliche Motive ihres Potenzials berauben, anstatt sie geschickt zu arrangieren und einer kollektiven Bedeutung zuzuführen.
Wirr und undurchdringlich vereiteln ganze Szenenfolgen eine Gesamtdramaturgie. Parallelmontagen mit dem Handlungsstrang zweier weiterer Figuren markieren das endgültige Aus jeglicher Plausibilität. Immerhin können Krenn und Fillei durch ihre eigenwillige Handkameraarbeit und die hohe Schnittfrequenz dem Kriminalfilm zumindest in diesem Ansatz eine frische Perspektive zufügen.
Doch auch diese Spuren visueller Eigenständigkeit unterliegen in "South" einer konventionellen Geschichte, an der die künstlich verrätselten Fragmente im Endeffekt brav abgearbeitet werden."South" funktioniert damit weder als Kunst- noch als Genrefilm.
Genauso, wie die Regisseure im Laufe der zwölfährigen Arbeit an diesem Film einige Darsteller, einige Rechte und vermutlich viele Nerven verloren haben, transportiert diese Reise in den Süden in jeder Einstellung den Wunsch nach Stornierung.
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