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Schlosspark Theater

Hallervorden-Theater wird im Schnitt nur halb voll

Intendant Dieter Hallervorden hat wieder Leben ins Schlosspark Theater gebracht. Doch trotz großer Namen und zahlreicher Eigenproduktionen kommt die Bühne auf Dauer nicht ohne Subventionen aus.

Mit sechs Eigenproduktionen und großen Namen startet das Schlosspark Theater in die zweite Saison unter Dieter Hallervorden. Die erste Premiere steigt am 2. September: "Am goldenen See“ mit Nina Hoger, Gustav Peter Wöhler, Charles Brauer und Tatja Seibt. Außerdem wird Robert Atzorn in "Achterbahn“ auftreten und Dietmar Loeffler die musikalische Komödie "Schlagerexorzist“ (u.a. mit Ulla Meinecke und Romy Haag) uraufführen. Uwe Ochsenknecht spielt in Steglitz und auch Tatort-Kommissar Richy Müller. Über den Neuanfang sprach Stefan Kirschner mit Theater-Intendant Dieter Hallervorden.

Morgenpost Online: Herr Hallervorden, Sie haben vor einem Jahr das Schlosspark Theater wieder eröffnet. Auf eigenes Risiko, ohne Subventionen. Hat Ihnen das viele schlaflose Nächte beschert?

Dieter Hallervorden: Sicher gab es einige, weil nicht immer alles läuft, wie man sich das in seinen Wunschträumen vorstellt. Ein extrem heißer Sommer plus Fußballweltmeisterschaft haben uns schon viele Zuschauer gekostet. Aber meine Lebensphilosophie lautet: Immer mindestens einmal mehr aufstehen als hinfallen – und insofern machen mir kurze Zwischenstopps nichts aus.

Morgenpost Online: Wenn Sie die Wahl hätten, würden Sie das Haus noch einmal übernehmen?

Dieter Hallervorden: (kurze Pause). Vermutlich ja.

Morgenpost Online: Sie haben über eine Million Euro in die Sanierung des Theaters gesteckt?

Dieter Hallervorden: Ja, und bin trotzdem nach wie vor mit Lust und Liebe dabei. Ich habe mir das zwar manchmal ein bisschen leichter vorgestellt – wir müssen dringend in Berlin einen breiteren Publikumskreis ansprechen, um eine bessere Auslastung zu erzielen –, aber ich würde es noch mal machen. Vielleicht aber mit einem anderen Architekten. Keiner, der mir sagt: Sie sind mit 200.000 Euro dabei – und nachher kostet die Sanierung dann 1,1 Millionen Euro.

Morgenpost Online: Der Senat ist Ihnen etwas entgegengekommen, hat Ihnen die Theater-Miete für vier Jahre erlassen?

Dieter Hallervorden: Wenn Sie die 1,1 Millionen auf 48 Monate umlegen, vier Jahre sind doch 48 Monate, oder, dann ergibt sich eine Mietbelastung, die über 20.000 Euro im Monat liegt. Das ist für ein unsubventioniertes Theater einfach zu viel. Wenn man andere Theater sieht, die einen vergleichbaren Spielplan machen, vielleicht nicht so reichhaltig bestückt wie unserer (Hallervorden zeigt auf den Drei-Monatsspielplan des Schlosspark Theaters)…

Morgenpost Online: …Sie denken an das Renaissance-Theater?

Dieter Hallervorden: Beispielsweise. Andere Theaterdirektoren haben nie auch nur einen einzigen Cent selbst investiert und werden mit Subventionen bedacht. Warum sollte man eigentlich dann nicht seine Scham überwinden und um Gleichbehandlung bitten? Wir haben einen qualitätsvollen Spielplan, die Produktionen sind handwerklich gut gemacht, ich habe in dem Jahr beweisen können, dass ich den Beruf beherrsche und dass ich auch den Geschmack des Publikums treffe, insofern spräche doch nichts dagegen, dass dem Theater finanziell etwas unter die Arme gegriffen wird?

Morgenpost Online: Was war aus Ihrer Sicht der größte Erfolg der ersten Saison?

Dieter Hallervorden: Ganz klar „König der Herzen“ von Alistair Beaton.

Morgenpost Online: Eine deutschsprachige Erstaufführung!

Dieter Hallervorden: Der Autor war so begeistert von unserer Inszenierung, dass er uns auch sein nächstes Stück zugesagt hat. Aber trotz durchweg guter Kritiken und einem begeisterten Publikum war es das Stück, das am schlechtesten lief.

Morgenpost Online: Im Gegensatz zu?

Dieter Hallervorden: „Love Letters“ mit Hannelore Hoger und Peter Sattmann hatte eine ganz hohe Auslastung. Die Zuschauer sind sicherlich nicht wegen des Stückes gekommen, sondern weil sie die beiden Schauspieler sehen wollten. Das ist ein bisschen die Schwierigkeit: Die Menschen sind nicht mehr neugierig, also gierig darauf, Neues zu entdecken. Ich kenne wunderbare Inszenierungen mit unbekannten Schauspielern, aber die würden wir hier vor 38 Leuten spielen.

Morgenpost Online: Ist der Standort hier im Südwesten, weit weg von der Mitte, tatsächlich ein schwieriger?

Dieter Hallervorden: Zugegeben, er liegt alles andere als zentral. Ich habe niemals geglaubt, dass Steglitz und die Umgebung eine kulturelle Diaspora sind. Sie sind dazu gemacht worden als das Theater hier geschlossen wurde. Aber natürlich kann die Bevölkerung in Steglitz und Zehlendorf alleine das Überleben des Schlosspark Theaters nicht sichern. Da müssen aus den anderen Bezirken auch noch ein paar Leute mehr kommen. Daran müssen wir arbeiten.

Morgenpost Online: Wie hoch war denn die Auslastung in der ersten Saison?

Dieter Hallervorden: Ich kann Ihnen das nicht genau sagen. Im Jahresdurchschnitt, also einschließlich der schlechten Monate, werden wir wahrscheinlich eine Auslastung haben, die so um die 50 Prozent herum pendelt. Das ist angesichts der Kosten, die wir zu tragen haben, zu wenig – selbst wenn ich nachgewiesenermaßen alle Arbeit unentgeltlich gemacht habe und das notfalls auch weiterhin tun werde. Auf lange Sicht gesehen aber wird das Schlosspark Theater ohne jede Unterstützung nicht überleben können.

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