Zitate
Wie Christoph Schlingensief Merkel begegnete
Sonntag, 22. August 2010 13:49Christoph Schlingensief ist am Sonnabend im Alter von 49 Jahren seinem Krebsleiden erlegen. 2009 traf er sich zum Interview mit Morgenpost Online. Auszüge aus dem Gespräch.
2009 traf sich der krebskranke Christoph Schlingensief zum Interview mit Morgenpost Online. Eine Woche zuvor hatte er erfahren, dass sich neue Metastasen gebildet haben. Gerade waren er und seine Frau Aino Laberenz von ihrer Hochzeitsreise in die Dolomiten zurückgekommen. Er sprach über seine Afrikapläne und seine Krankheit, die wieder schlimmer geworden war. Im Folgenden Auszüge aus dem Gespräch.
…über sein Afrika-Projekt: Ich mache das nicht, um mich noch mal zu verwirklichen. Oder um gesund zu werden. Allerdings spüre ich in Afrika manchmal Kräfte, die ich hier nicht habe. Ich möchte, ganz pathetisch gesagt, auch etwas zurückgeben. Viele denken ja, ich setze da ein zweites Bayreuth hin. Aber das ist ja nicht mal im Ansatz die Idee. Es wird Wohnmöglichkeiten geben, eine Filmklasse, eine Fotoklasse und eine Musikklasse. Aber ich verspüre natürlich stärkeren Zeitdruck als früher. Das ist die Scheiße: Ich würde gerne noch mal einfach in den Tag leben.
…über Wolfgang Wagner: Ich habe immer Flächen bekommen, auf denen ich was ausprobieren konnte. Selbst bei dem alten Wolfgang Wagner, wo man dachte, der hat ja nicht aller Tassen im Schrank, als er mich in Bayreuth den „Parsifal“ inszenieren ließ – und dass er mich geholt hat, war ja auch der Beweis für seinen Zustand (lacht).
…über seinen Besuch bei Angela Merkel im Kanzleramt: Das war erschreckend. Da sitzen ihr Henning Mankell und Tilda Swinton beim Kaffeetrinken gegenüber, und sie stellt keine Fragen. Da wird nur gefragt, ob man noch ein Stückchen Kuchen möchte. Im Büro zeigte sie uns so eine potthässliche Marmorplatte mit Kamelen an der Tränke, die ihr irgendein Ölscheich geschenkt hatte. Das mussten wir uns alle angucken. Und als ich mal auf das Adenauer-Porträt von Kokoschka zuging, was wirklich ein schönes Bild ist, dann sagte sie nur: „Ja, aber machen Sie es nicht kaputt, Herr Schlingensief, ha, ha, ha.“ Mankell, Tilda und Wayne Wang haben hinterher unabhängig voneinander gefragt: „Ist die immer so?“
…über die Rückkehr der Krebskrankheit: Wir haben nicht damit gerechnet. Wir haben nach dem Urlaub so viel Energie gehabt. Da merkst Du auch, wie sehr der Mensch wirklich abhängig ist von Glücksbildern. Das ist sein gutes Recht. Auch wir haben diese Täuschung gebraucht. Wir haben sogar über die Adoption eines Kindes nachgedacht, weil ich keine Kinder machen kann. Und jetzt ist dieses Bild wieder zerbrochen. Das war hart.







Stellenmarkt
Wohnungen
Branchenbuch
Kleinanzeigen
Veranstaltungen
Kinoprogramm










Versicherungen
Gesundheitstests
Hotelsuche
Abo
Stadtplan
epaper
Archivsuche
Zeitung Heute
RSS
Newsticker
Video
TV-Programm
Wetter
Gehaltsrechner
Börse
Kredit und Zinsen
Europa
Krankenkassen
Hilfe
Handelsregister
Leserbrief
Kontakt
Mobilportal
iPhone-/iPad-Apps
Heizölvergleich