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06.08.10

Actionfilm

Angelina Jolie legt die Welt in Schutt und Asche

Erfolgreich ist "Salt" – mit Angelina Jolie als undurchschaubarer CIA-Agentin. Außerdem erscheint eine unautorisierte Biografie.

picture-alliance/ dpa/EPA

... mit dem Hollywood-Beau Brad Pitt zusammen. Auch hier kann man wieder ein Superlativ verwenden: Beide gelten als Traumpaar.

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Sie hat einen Oscar, drei Golden Globes und gilt als eine der schönsten Frauen der Welt. Sie amtiert als UNO-Sonderbotschafterin und ist in ungezählten wohltätigen Organisationen aktiv. Sie hat sechs Kinder und ist glücklich liiert, und das nicht etwa mit irgendwem, sondern mit Filmstar Brad Pitt.

Doch wie der Bestsellerautor Andrew Morton in seiner neuen Angelina-Jolie-Biografie herausgefunden hat, pflegt Jolie auch ein unverkrampftes Verhältnis zu Drogen aller Art, eine Vorliebe für gewagte Spielarten von Sex und eine gut dokumentierte Neigung, angeblich glückliche Beziehungen zu zerstören. Sie mag Blut, ist mit Sinnsprüchen tätowiert und trägt allerhand Narben aus jener Zeit davon, als sie es noch für eine gute Idee hielt, sich Schnittwunden zuzufügen.

Vor allem aber ist sie sehr erfolgreich, was für Morton Anlass genug gewesen sein dürfte, ihr nach Lady Di, Madonna, Monica Lewinsky und Tom Cruise ein Buch zu widmen, eine "unautorisierte Biografie", wie es stolz im Untertitel heißt. Denn sprechen durfte Morton mit Jolie nicht. Er musste sich ihre Lebensgeschichte aus Zeitungsinterviews und Gesprächen mit Bekannten von Bekannten zusammenreimen.

Psychologen mit Ferndiagnose zu Jolie

Seine Recherche-Ergebnisse legte er anschließend einer Reihe von Psychologen vor, die Jolie zwar nie persönlich begegnet waren, sich aber zu einer Ferndiagnose in der Lage fühlten. Von Angelina Jolie kam dazu verhaltener Protest, aber was sollte sie sich auch ernsthaft beschweren? Morton hatte nur zusammengeschrieben, was man ohnehin zu wissen glaubte, und da sein Buch zeitnah zum US-Start ihres neuen Films "Salt" veröffentlicht wurde, konnte ein wenig üble Nachrede nicht weiter schaden.

In "Salt" spielt Jolie die CIA-Agentin Evelyn Salt, die möglicherweise für Russland spioniert, vielleicht aber doch für die USA arbeitet, was aber weder die Russen noch die Amerikaner so genau wissen. Die Zuschauer wissen es selbstverständlich auch nicht. Und ob die Filmemacher es wissen - man weiß es nicht. Das ist aber auch nicht weiter von Belang, weil Jolie ständig von einer Szene in die nächste hetzt, ausgiebig von Schusswaffen Gebrauch macht und von Brücken auf fahrenden Lastwagen springt. Sie ist Jason Bourne, Jack Bauer und McGyver zur gleichen Zeit und in der Lage, aus einem Slip, einem Schreibtisch und einem Feuerlöscher eine Rakete zu basteln.

Eigentlich hätte Tom Cruise Jolies Rolle spielen sollen, doch der drehte lieber mit Cameron Diaz die Actionkomödie "Knight & Day", die kommerziell weit hinter den Erwartungen zurückblieb. "Salt" hingegen hat bislang alle Hoffnungen übertroffen, weshalb es nun heißt, dass Angelina Jolie wahrscheinlich alles kann, vor allem etwas, das vor ihr noch keiner Frau gelang: nämlich Kraft ihrer Person im Alleingang die Erfolgslast eines Actionfilms zu schultern.

Mit Charakterrrollen ist sie wenig erfolgreich

Zwar war Angelina Jolie bereits 2001 in der Videospielverfilmung "Lara Croft: Tomb Raider" in der Hauptrolle eines Actionfilms zu sehen, doch erst vier Jahre später sollte sie an der Seite von Brad Pitt in "Mr. & Mrs. Smith" im Beruflichen wie Privaten zu ihrer wahren Bestimmung finden: die der treusorgenden Ehefrau, der scheinbar alles gelingt und der irgendwie auch alles zuzutrauen ist. Mag man ihr deshalb Vorwürfe machen? Nicht wirklich.

Sie ist immer dann am besten, wenn sie sich betont cool mit wehendem Mantel durch die Kulissen bewegt. Sie mag Herzen brechen, Menschen töten und Städte in Brand setzen - aber sie sieht einfach sehr gut dabei aus. Nur im Charakterfach scheint sie regelmäßig zu scheitern. In Michael Winterbottoms Drama "Ein mutiger Weg" spielte sie 2007 die Frau eines von Islamisten ermordeten Journalisten, was aber kaum jemand sehen wollte.

Und als sie in Clint Eastwoods "Der fremde Sohn" als eine Mutter zu sehen war, der ein falsches Kind untergejubelt wird, blieben die Zuschauerzahlen ebenfalls überschaubar. Es fiel eben schwer, an dem Superstar, der Supermutter, der schönsten Frau der Welt vorbeizuschauen und einen Blick auf die deutlich weniger glamourösen Figuren zu werfen, die sie in ihren ernsthafteren Filmen spielt. Angelina Jolies Image ist derart übergroß und mächtig, dass sie schon Unmengen von Feuerwaffen und Sprengstoff braucht, um sich als Filmfigur den Weg auf die Leinwand freizuschießen.

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