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03.08.10

Berliner Ensemble

Erst Streit mit Hochhuth - dann Rücktritt

Wirklich Ruhe kehrt im legendären Schiffbauerdamm-Theater in Berlin-Mitte nicht ein. Nach "endlosen Querelen" ist der Vorsitzende der Eigentümer-Stiftung zurückgetreten – und erhebt Vorwürfe.

© dpa
Rolf Hochhuth
Immer wieder im Fokus: Dramatiker Rolf Hochhuth

Der Dramatiker Rolf Hochhuth ("Der Stellvertreter") macht allsommerlich vor allem mit Streitigkeiten hinter den Kulissen, zuletzt mit Claus Peymann, dem Intendanten des Berliner Ensembles (BE) , auf sich aufmerksam. Jetzt kommt gar Widerspruch aus den Reihen der eigenen Mitstreiter – es gibt Reibereien um das Schiffbauerdamm-Theater (so heißt das Haus, in dem sich das BE befindet) am Bertolt-Brecht-Platz 1in Mitte, vor allem aber auch um die fragwürdige Inszenierung von Hochhuths "Inselkomödie" auf der traditionsreichen Brecht-Bühne: Erich Fischer, der Vorsitzende der Eigentümer-Stiftung, ist aus Protest gegen Hochhuth von seinem Vorstandsamt zurückgetreten, wie er selbst am Dienstag mitteilte. Schuld daran seien "endlose Querelen" mit Hochhuth, der nicht einsehen wolle, dass eine gemeinnützige Stiftung "nicht in der Manier eines feudalistischen Alleinherrschers" betrieben werden könne, so Fischer.

Rolf Hochhuth (79) sagte am Dienstag, er nehme den Rücktritt "mit größtem Bedauern" zur Kenntnis, die Gründe verstehe er nicht. "Wir haben über zwei Jahrzehnte ohne jeden Streit zum Nutzen der Stiftung und unseres Theaters zusammengearbeitet." Die einstige Bühne von Bertolt Brecht gehört der nach Hochhuths Mutter benannten Ilse-Holzapfel-Stiftung. Hochhuth tritt deshalb in der Öffentlichkeit gern als – rechtlicher wie moralischer – Eigentümer des Theaters auf, was natürlich zu Verwicklungen mit den eigentlichen Theatermachern führen muss. Bis zum vergangenen Jahr war der Dramatiker selbst Stiftungsvorstand, ehe Erich Fischer das Amt übernahm. Fischer, früher Vertriebsunternehmer in der Halbleiter-Branche mit 300 Angestellten und zugleich leidenschaftlicher Kapitalismuskritiker, leitet selbst in München seit Mitte der Neunzigerjahre eine Stiftung. Zu deren Zwecken gehört u.a. die "Förderung von Kunst und Kultur insbesondere durch Aufführung vernachlässigter Kompositionen aller Epochen und die Aufführung von Bühnenwerken vernachlässigter Autoren, wie z.B. Rolf Hochhuth".

Das Land Berlin hat die Bühne langfristig von der Stiftung gemietet und stellt sie dem Berliner Ensemble – unter Leitung von Claus Peymann – zur Verfügung. Hochhuth steht laut Vertrag das Recht zu, jeweils im Sommer ein eigenes Stück zu inszenieren. Dieses Jahr ist es seine "Inselkomödie", die als Musical mit dem 106-jährigen Johannes Heesters und Caroline Beil aufgeführt wird. Fischer wirft dem Dramatiker unter anderem vor, sämtliche Gelder für die Inszenierung "nach Gutdünken verteilt" und ihm selbst jede Kontrolle verweigert zu haben. Hinter den Kulissen der Produktion lobten die Darsteller ihren Auftraggeber Hochhuth, der sie anständig bezahlt habe. Ziemlich billig ging es dagegen auf der Bühne zu – er werde künftig stärker von seinen Rechten als Miteigentümer Gebrauch machen, kündigte Fischer an: "Dann ist ein für alle Mal Schluss mit Schweinigeleien à la ,Inselkomödie' auf Bertolt Brechts Bühne."

Die Uraufführung von Hochhuths 70er-Jahre-Stück "Inselkomödie oder Lysistrate und die Nato" als Musical von Florian Fries hatte bei Theatergängern für einiges Entsetzen gesorgt. Der kurzfristig eingesprungene Musicalregisseur Heiko Stang setzte auf bisweilen peinlichen Sexappeal und erstickte Hochhuths Aphorismen im Spieltempo. Der Autor war zum Schlussapplaus nicht auf der Bühne erschienen.

Im vergangenen Jahr hatte sich Hochhuth einen erbitterten Streit mit dem Intendanten Claus Peymann (73) geliefert und ihm vorgeworfen, ihn für seine Sommer-Inszenierung nicht in sein eigenes Haus zu lassen. Am Ende der juristischen Auseinandersetzung wich Hochhuth in die Urania aus. In diesem Sommer konnte er das Berliner Ensemble nutzen, durfte es aber nur als Theater am Schiffbauerdamm bewerben. Verwechslungen mit Peymanns Theater sollten vermieden werden. Es gehört zu den Merkwürdigkeiten dieser Reibereien, dass sich Hochhuth selbst den angeblich verhassten Peymann als Nachfolger in der Holzapfel-Stiftung wünscht. Die Position ist jetzt wieder frei.

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