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29.06.10

Wechsel

Neuer Grips-Chef plant "freundliche Übernahme"

Erstmals in der 41-jährigen Geschichte des Grips Theater gibt es einen Wechsel an der Spitze. Volker Ludwig zieht sich zurück und im Sommer 2011 übernimmt der Berliner Stefan Fischer-Fels die künstlerische Leitung.

© Christian Kielmann
Volker Ludwig (l.) bleibt dem privaten Grips Theater als Autor und Geschäftsführer erhalten, die künstlerische Leitung übernimmt jedoch Stefan Fischer-Fels (r.)
Volker Ludwig (l.) bleibt dem privaten Grips Theater als Autor und Geschäftsführer erhalten, die künstlerische Leitung übernimmt jedoch Stefan Fischer-Fels (r.)

Normalerweise finden Pressekonferenzen im Grips Theater in der kleinen Caféteria statt. Diesmal aber war der Andrang so groß, dass die Veranstaltung ins Theater verlegt wurde. Eine Zäsur. Entsprechend dem Anlass. Denn erstmals in der 41-jährigen Geschichte des Theaters gibt es einen Wechsel an der Spitze: Grips-Gründer Volker Ludwig zieht sich zurück und übergibt die künstlerische Leitung an Stefan Fischer-Fels.

Ein Generationswechsel. 73 Jahre alt ist der eine, 46 der andere. Für beide eine Herausforderung. Der eine muss loslassen, der andere gestalten. Volker Ludwig bleibt dem Privattheater allerdings als Autor und Geschäftsführer erhalten, hat also immer noch einen Schreibtisch im Grips. Er kann gewissermaßen seinem Nachfolger bei der Arbeit zuschauen. Mit einem Übervater im Nacken freilich lässt sich ein Neuanfang nicht so locker einleiten. Stefan Fischer-Fels spricht von "einem Balanceakt zwischen Erneuerung und Bewahrung."

Über einen Zeitraum von neun Monaten haben die beiden immer wieder über diesen Wechsel gesprochen. Bis alles geregelt war, auch die Kompetenzen, so dass es sich "gut anfühlt" und Stefan Fischer-Fels nicht mehr Nein sagen konnte. Gestern hat er den Fünfjahres-Vertrag unterschrieben, im Sommer 2011 geht es los.

Hört man auf der Pressekonferenz genau hin, dann klingen in Volker Ludwigs Lobeshymnen auf seinen Nachfolger auch einige freundliche Ermahnungen durch. Dass das Grips kein Theater ist, in dem sich Regisseure selbst verwirklichen. Dass Theater für das Publikum gemacht wird. Letztlich drückt Ludwig damit den Wunsch aus, dass das Grips doch möglichst so bleiben sollte wie es ist.

Das ist der Zeitpunkt, an dem der Neue die Bühne betritt. Stefan Fischer-Fels freut sich. Er kann sich begeistern. Ein deutlicher Kontrast zu Volker Ludwig, der bei offiziellen Terminen mitunter etwas spröde wirkt. Von einer "freundschaftlichen Übernahme" reden beide. Und tatsächlich kennen sie sich schon ziemlich lange. Stefan Fischer-Fels hat nämlich einige Grips-Erfahrung. Er weiß, worauf er sich einlässt, denn von 1993 bis 2003 hat er dort als Dramaturg und Theaterpädagoge gearbeitet. Dann der Wechsel nach Düsseldorf. Fischer-Fels, der selbst nicht inszeniert, wurde 2003 künstlerischer Leiter des Jungen Schauspielhauses Düsseldorf und heimste viel Lob und einige Preise ein. Im kommenden Sommer verlässt Intendantin Amelie Niermeyer das Schauspielhaus, also ein idealer Zeitpunkt zum Wechseln. Das hat auch Volker Ludwig die Entscheidung leichter gemacht. Denn einen Wunschkandidat bekommt man nicht alle Tage.

In Düsseldorf hat Stefan Fischer-Fels mit zahlreichen Einrichtungen kooperiert, unter anderem dem Tanzhaus NRW. Bei der Pressekonferenz im Grips Theater spricht er noch etwas zurückhaltend davon, dass er neue Regisseure und neue Autoren präsentieren will. "Ich bin kein Traditionsverwalter", sagt der 46-Jährige, der sich aber sogleich zur Grips-Idee bekennt, die sei "zeitgemäß und modellhaft".

Zum Grips Theater kam der gebürtige Berliner übrigens erst als Student. Offenbar standen für Waldorfschüler Besuche am Hansaplatz nicht auf dem Stundenplan. Da besuchte man vielleicht eher die Klassenspiele der eigenen Schule. Theatererfahrung konnte er trotzdem sammeln: Sein Vater, ein Opernsänger, nahm ihn schon als Vierjährigen mit in die große Oper. Der pädagogische Wert war zweifelhaft. Mit zehn Jahren, erzählt Stefan Fischer-Fels, hatte er vom Musiktheater die "Nase voll": "Vielleicht bin ich deshalb beim Kindertheater gelandet, weil es so schön konkret ist", erzählt der Vater von drei Kindern schmunzelnd. Wir wollen es nicht unterschlagen: Mittlerweile geht er wieder gern in die Oper.

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